Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1963

 

Der 17.Juni wurde beim Thüringerwald-Verein stets besonders begangen, hier ein  Beispiel über eine Wanderung im Frankenwald. Die hier erwanderten Bereiche waren zu dieser Zeit auch relativ stark touristisch erschlossen, und zwar durch West-Berliner Urlauber.

Am 17. Juni hoch droben im Frankenwald

 

Wanderwetter ist immer, und wenn Petrus Windkanal und Regenmaschine auf Hochtouren laufen lässt, dann atmen naturfrohe Menschen umso tiefer die gereinigte, würzige Waldluft. Das taten ausgiebig auch die 38 Sonnwendwanderer, die am 15. Juni von Hof a. d. Steinach aus auf nassen Feld- und Wiesenwegen, vorbei am Mitwitzer Wasserschloss und den sich nordostwärts anschließenden Teichen und Wustungen, entlang der Zonengrenze Burggrub und Stockheim erwanderten, in frohem Wortwechsel mit der staunenden Bevölkerung der Ortschaften am Wege. Der umsichtige Stockheimer Quartiermacher Schwämmlein, Ortsobmann des Frankenwaldvereins, überraschte mit der dankbar akzeptierten Anregung, dem Thüringerwald-Verein demnächst eine Besichtigung des kleinsten (mit rund 100 Bergleuten) noch betriebsfähigen Bergwerks Europas zu ermöglichen[1].

Aus unseren verstreut liegenden Quartieren fanden wir uns am nächsten Morgen zum täglichen Wanderspruch in Reitsch[2] zusammen, um unter Schwämmleins Geleit durch das Reitscher Grüntal nach Gifting und weiter über teils feste, teils wacklige Stege des floristisch reizvollen Kremnitz- und Dobertals bis Effelter zu wandern, angesichts der durchbrechenden Sonne so recht unbeschwert von den Sorgen des Alltags.

Gestärkt von einem prächtigen Kloß-Gericht und keineswegs geschwächt durch ein „weiblich animiertes" Fußballspiel mit begeisterten Zuschauern ging es auf Trillerpfiff weiter durch die herrliche Frankenwald-Landschaft zur Hubertushöhe, mit ihrer zugkräftig biertrinkenden Wildschwein-Familie. Die Geruhsamen unter uns zogen einen Abstecher zum Stausee am Zusammenfluss des Nordhalbener und Tschirner Ködelbaches vor, und einige Wasserratten badeten dort sogar[3]. Ein herrlicher Waldpfad führte uns hinauf nach Nordhalben, wo weiter Ausblick für den anstrengenden Aufstieg entschädigte.

Nach abendlicher Tafelrunde verbrachten wir eine nächtliche Stunde bei Sternenhimmel und Wetterleuchten unweit der Zonengrenze. Den Blick nach Thüringen gerichtet, sangen wir „Deutschland, heiliges Wort". Lange verweilten unsere Gedanken bei den Menschen jenseits der Grenze, ehe wir still und langsam unsere Quartiere aufsuchten.

Am Morgen des 17. Juni wies unser Wanderführer nochmals auf den ernsten Sinn des Tages hin, ehe wir auf einem Schlängelpfad in halber Höhe durch das Leitschtal zur Leitsch-Mühle, von da durch den Plösengrund hinauf nach Berglesdorf und dann über einen zum Teil regelrechten Kammweg, mit Blick hinab ins Rodach- (links) und Remschlitztal (rechts) über Finkenflug nach Remschlitz wanderten, wo uns ein einfaches Eintopfgericht erwartete. Wer nicht von hier aus den Bahnhof Zeyern[4] ansteuerte, schloß sich dem Finale der Sonnwendwanderung über die Hohe Wart, und vorbei an der Rennesberger Linde, nach Kronach an.

Wir haben dankbar die wohltuende Ruhe der weiten dunklen Wälder mit ihrer seltenen Flora und die stimmungsvollen Begegnungen mit den bescheidenen Menschen dieser noch erfreulich stillen Landschaft genossen. P./R.


[1] Das Steinkohlenbergwerk wurde dann 1968 stillgelegt.

[2] Auch in Reitsch wurde Steinkohle abgebaut, 17. Jhdt., „Büttnerszeche“ (WIKIPEDIA  downl. 02/12)

[3] Die Ködeltalsperre wurde erst ab 1968 gebaut, möglicherweise bestand die „Vorsperre“ schon  früher, sie entstand am Zusammenfluss der beiden Ködelbäche. Gründung des Zweckverbandes Fernwasser am 20. Juni 1966 (www.grundwasserschutz-oberfranken.de). Natürlich inzwischen längst kein Badesee mehr.

[4] Längst aufgehoben, einstige Bahnstrecke Kronach – Nordhalben. Diese „Rodachtalbahn“ bestand von 1900 – 1976, Güterverkehr noch einige Jahre später. Heute „Museumsbahn“ auf Teilstrecke Steinwiesen – Nordhalben (WIKIPEDIA downl. 02/12) . Der Bearbeiter ist selbst noch (dienstlich) etwa 1971-72 mit dieser Bahn gefahren.

 

Strecke gemessen mit “basecamp” ca 60 km!