Rückblick; bemerkenswert: damals waren noch Persönlichkeiten “der ersten Stunde” mit dabei, allen voran Carl Escher, dann Architekt Max von Berg, Gräfin Zedwitz und  der szt. (Regierungs?) Präsident Franz Dehler. Mirsdorf war noch selbständige Gemeinde. 

 

Aus „Das Farnkraut“ Nr. 3-4/1966
 

Hüttenfest mit annährend 500 Gästen
 

Viel Himmels- und Herzenssonne zur Jubelfeier auf der Sennigshöhe

Groß, wie die Zahl der Glückwünsche, die den Thüringerwald-Verein zur 30-Jahr-Feier seiner Alexandrinenhütte erreichten, war die Freude darüber, dass sie sich an Ort und Stelle schon erfüllten. Frau Sonnes Charme, der zu einem beinahe hochsommerlichen Hüttenfest verhalf, erlag selbst Petrus, nachdem er offensichtlich an diesem 10. Juli mit dem linken Bein zuerst aufgestanden war. Die Sternwanderer hatte er allerdings nicht entmutigen können. Aus allen Himmelsrichtungen strebten sie zur Sennigshöhe, einige — ihnen voran die Wanderjugend — sogar von Coburg aus. Auch die Rödentaler und die Rodacher scheuten den weiten Weg zum höchsten Punkt des Coburger Landes nicht, den sich die meisten von den Bahnbushaltestellen im Lautergrund via Donner-Loch, durch den Weißbachsgrund oder über den Jägersberg, manche aber auch von Meeder oder Großwalbur her erwanderten.
Im Wanderheim und seinem Blockhaus, in der Hüttenveranda und unter dem nicht ganz überflüssigen zusätzlichen Regenschutzdach, das der Alpenvereinler Walter Weidmann mit freundschaftlicher Geste zum festlichen Tag beigesteuert hatte, waren es schließlich nahezu 500 Gäste, denen 1. Vorsitzender Ernst Eckerlein seinen Willkommensgruß entbieten konnte. An ihrer Spitze Gräfin Martha von Zedwitz , der dafür zu danken ist, dass die Besucher der Sennigshöhe sich in den Waldungen, die an den Hüttenbereich angrenzen, erholen können; Präsident Franz Dehler , der das Hüttenprojekt seinerzeit entscheidend gefördert hat; Architekt Max von Berg, der diesem Plan Gestalt verlieh; die Vertreter des heimischen Handwerks, die nach seinem Entwurf schließlich das Werk vollendeten; nicht zuletzt Bürgermeister Arthur Sollmann, der mitsamt seinen Mirsdorfern nach wie vor ein offenes Ohr für die Belange des Vereins und des Wanderheimes hat und der in seinem späteren Jubiläums-Glückwunsch die Überzeugung bekundete, dass das in drei Jahrzehnten bewährte gutnachbarliche Einvernehmen der Alexandrinenhütte auch weiterhin zum Segen gereichen werde.
Gruß und Dank zugleich entbot Eckerlein aber auch dem allzeit aufopfernd fleißigen Hüttendienst und insbesondere dem Ehrenvorsitzenden und „Vater der Alexandrinenhütte" Carl Escher, ohne dessen Initiative der Thüringerwald-Verein das prächtige Wanderheim nicht besitze.
Carl Escher rief die Entwicklungsgeschichte vom ehemaligen Alexandrinenturm zur Alexandrinenhütte (siehe letzte „Farnkraut”-Ausgabe) noch einmal in die Erinnerung zurück und würdigte das Wanderheim als eine Stätte, von der aus der Thüringerwald-Verein mit anerkanntem Erfolg für die deutsche Wandersache zu wirken vermag. In seinen Dank an alle, die nach seiner Idee auf den Fundamenten und aus den Gesteinsresten des Alexandrinenturms die Schutzhütte erstellt haben, bezog er auch die Erbauer der Blockhütte ein, die 1954 nach den Plänen des Oberregierungsbaurates Pumann errichtet und nunmehr um einen Geräte- und Werkraum erweitert worden ist. Er würdigte das zum Schutz der Hütte „allzeit aufmerksame Auge" der Landpolizei und zollte Anerkennung dem vorbildlichen Ehrendienst der Hüttengemeinde, die er selbst seinerzeit mit August Stieglitz, Louis Rattel und der heute noch aktiven Elisabeth Kaiser ins Leben gerufen und bis 1959 betreut hat. Seinen „würdigen Nachfolger" konnte Escher persönlich begrüßen. Mit seiner Gattin erlebte Claus Diercks (jetzt in Offenbach/Main beheimatet) das Hütten Jubiläum erinnerungsselig im Kreis seiner Coburger Freunde. Dass nach Horst Eggert, der jetzt in Hersbruck lebt, auch im derzeitigen Hüttenwart Hilmar Mandler und dessen Gattin „das richtige Paar am richtigen Platz" steht, bestätigte Escher mit ebenso dankbarer Anerkennung. Im wehmütigen Blick nach Thüringen hinüber gedachte der Ehrenvorsitzende der Freunde jenseits der Zonengrenze, insbesondere der Eisfelder Thüringerwaldvereinler, die sich einst einen eigenen Wanderweg zur Hütte markiert hatten. Er schloss mit dem Bekenntnis: „Die Wiedervereinigung mit ihnen ist und bleibt unser sehnlichster Wunsch!"
Das Signal zum fröhlichen Ausklang des Hüttenfestes gab sodann die Kapelle Hugo Kolbe , bevor sie selbst den vom Hüttendienst bestens versorgten Gästen fleißig zu Unterhaltung und Tanz aufspielte. Einen wesentlichen Beitrag zur Jubiläumsfeier lieferte auch diesmal wieder die Wanderjugend mit ihren sehr beifällig aufgenommenen Volkstänzen nach der temperamentvollen Anleitung der Medauschülerin Ulrike Felger. Nur allzu schnell kam die Abendstunde heran, in der die Kapelle Kolbe mit Karl Arnolds „Frischauf, ihr Wanderkameraden" das Zeichen zum Aufbruch geben mußte. So, wie sie gekommen waren, zogen die Wandergruppen nach herzlichem Abschiednehmen wieder davon, um pünktlich den im Lautergrund bereitstehenden Bundesbahn-Sonderbus oder den Rodacher Abendzug nach Coburg zu erreichen.
 

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