Besuch am „Käppele“

 

Am strahlenden Sonntagmorgen, dem 13. Juni entflohen 18 Wanderer dem „Flohmarkt“-Trubel in Coburg. Am Bahnhof bestiegen sie den modernen „Doppeldecker“-Zug gen Süden. In Bamberg allerdings musste umgestiegen werden in den Regionalzug nach Haßfurt. Diesen entstiegen wird an der Station „Ebelsbach-Eltmann“. Der Bahnhof liegt weit außerhalb des historischen Ortskerns, sodass nichts darauf hindeutet, dass dieser Ort schon im 9. Jhdt. nachweisbar ist. Wanderführer Wilhelm Bauer begrüßte hier seine Gäste. Vorbei an modernen Wohn- und Gewerbebauten ging es hinaus in den nächsten Ort Steinbach. Nun ging es den steilen Hang hinauf

Oben: Start in Ebelsbach; unten: es gibt sie wieder, die Ackerblumen!

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Am jenseitigen Mainufer grüßt die Wallfahrtskirche “Maria Limbach”,im Hintergrund der Steigerwald.

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Glücklicherweise erreichten wir bald ein Wäldchen, dass doch einigen Schatten spendete.

Oben auf dem Höhenweg bot sich ein prächtiger Anblick auf das Maintal, insbesondere auch die Wallfahrtskirche „Maria Limbach“ am jenseitigen Ufer.  Wir wanderten nun auf dem „Abt – Degen – Weg“.  Alberich Degen wurde 1625 in Zeil a. M. geboren und starb als berühmter Abt des damals reichen und bedeutenden Zisterzienserklosters Ebrach. Er gilt als Wegbereiter des Sylvaner-Anbaus in Franken. Oberhalb des Zeiler Ortsteils Ziegelanger führte der Weg weiter, bis wir gegen Mittag den 375 m hohen Zeiler Kapellenberg erreichten. Dieser bietet einen prachtvollen Ausblick über das Maintal  mit Zeil und den jenseits des Mainstroms beginnenden Steigerwald

 

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Bekannt ist dieser Ort heute aber hauptsächlich durch seine Wallfahrtskirche „Zeiler Käppele“. Der heutige Bau ersetzte 1879 einen Vorgänger aus dem 18 Jhdt. Der jetzige Bau ist historisierend – „neuromanisch“.  Es wurde der Stil französischer Kathedralen nachgeahmt und im Inneren findet sich eine Miniatur-Nachbilder der Mariengrotte von Lourdes.

Guter Tradition entsprechend ist bei einer Wallfahrtskirche ein Wirtshaus nicht weit, und in diesem Wirtshaus legten wir unsere Mittagspause ein, die zur allgemeinen Zufriedenheit verlief

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Neuerdings ist ein schöner Aussichtspunkt freigehalten worden, der einen Blick in das nahe Städtchen Zeil und die dahinter liegende Landschaft gestattet. König Ludwig I von Bayern soll hiervon so begeistert gewesen sein, dass er diesen Ort in die engere Auswahl für seine Walhalla einbezogen hat.

Nach der Mittagspause war ein weiterer historischer Ort das Ziel: die nahe gelegene Burgruine „Schmachtenberg“ .  Der Bau entstand verhältnismäßig spät (um 1420 – 1466) und war szt. schon auf Feuerwaffen eingerichtet.  Er war die westlichste Befestigung des Hochstifts Bamberg. Nach einer Zerstörung im sog. Markgräferkrieg wurde die Anlage nicht mehr errichtet, stattdessen bezog der Bamberger Amtmann seinen Sitz im Stadtschloss.

Nach einer behutsamen Erhaltung und Rekonstruktion bietet die Anlage heute einen wildromantischen Anziehungspunkt.

 

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Wildromantisch ist wohl auch der Abstieg von der Burgruine Schmachtenberg über den „Eselsweg“ nach Ziegelanger. Ziegelanger ist Stadtteil von Zeil mit der berühmten Lage „Ölschnabel“. Durch Weinberge wanderten wir weiter dem Städtchen Zeil zu. Unser Weg führte über den Friedhof mit der bedeutenden Kapelle „Hl. Kreuz“ (um 1448) und dann der Stadtmauer entlang bis zur heiß ersehnten Schlusseinkehr in der Gastwirtschaft „Göller“ – „Zur alten Freyung“. Dort herrschte angesichts des schönen Wetters Hochbetrieb, zwei Tische waren dennoch für uns reserviert worden.

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Der Name “Zur alten Freyung” bedeutet, wie oben auf dem Bild ersichtlich, dass hier in früheren Zeiten eine Freistatt gegen strafrechtliche Verfolgung war. Noch heute wird ein der Chronik von Brauerei und Gasthaus Göller darauf hingewiesen.

Abschied von Zeil hier am Stadtbach mit einem wiederhergestellten Wasserschöpfrad.

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Bereits um 17:00 Rückfahrt ab Zeil; zunächst mit dem Regionalzug bis Bamberg. Dort in einen sehr schnellen und komfortablen, aber sehr vollen Regionalexpress bis Lichtenfels. Die letzte Etappe dann Lichtenfels - Coburg, Dieser Zug war nicht nur im zeitlichen Ablauf “das letzte”; einige der Türen funktionierten nicht. Überhaupt lässt sich der Klassen-Unterschied zwischen den Bahnstandorten Bamberg und Coburg nicht verleugnen. In Bamberg waren sicher über 1000 Personen auf den Bahnsteigen versammelt. Ein “ICE” nach München und ein Regio-Express nach Frankfurt starteten etwa gleichzeitig.  Aber immerhin brachte uns unser Zug uns nach Coburg zurück, sodass niemand den WM-Auftakt der deutschen Mannschaft versäumen musste.

Ein sehr schöner Wandertag lag nun hinter uns; Dank an Wilhelm Bauer für die ausgezeichnete Vorbereitung!