Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1969

Vorab-Anmerkung: Wer die Jubiläumsausgabe des letzten Jahres anlässlich des 75jährigen Bestehens der Hütte aufmerksam betrachtet hat, dem ist gewiss etwas aufgefallen: früher hatte der Hüttenbesucher „mehr Durchblick“, weil die überdachten Umgänge westlich und östlich den Blick Richtung Norden – Thüringer Schiefergebirge noch freigaben.
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(Archiv ThWV CO)

Alexandrinenhütte – größer und schöner
 


Seit Mitte Juli werden die Besucher der Alexandrinenhütte informativ angesprochen durch eine schmucke Eichenholztafel. Ihre Inschrift lautet: „Alexandrinenhütte des Thüringerwald-Vereins e. V. Coburg. Erbaut 1936 aus den Trümmern des 1906 errichteten Turmes zu Ehren der Coburger Herzogin Alexandrine. Als Wanderheim ein Werk des verdienstvollen Ehrenvorsitzenden Carl Escher, geb. 12. 6. 1885, gest. 6. 5. 1968. Erweiterung der Hütte im Jahre 1969."

Von allen Seiten kamen rund 200 Wander- und Heimatfreunde zur Sennigshöhe, um dabei zu sein, als 1. Vorsitzender Ernst Eckerlein diese Gedenktafel — ein von Architekt Albert Freiberg entworfenes Werk der Holzbildhauerei Alfred Wicklein — enthüllte und zugleich den Erweiterungsanbau der Hütte seiner Bestimmung übergab. Unter den Ehrengästen der schlichten Feier sah man neben Oberamtmann Gerhard Weber (in Vertretung des Oberbürgermeisters), Regierungsrat Hero Uffen (Vertreter des Landrats) und Bürgermeister Arthur Sollmann von der Nachbargemeinde Mirsdorf auch Landrat a. D. Rudolf Kaemmerer. Seine Verbundenheit mit unserer Wandersache bekundete er, indem er die Erinnerung weckte an das gute Einvernehmen mit seinem ehemaligen Regierungsoberinspektor Carl Escher und an dessen erfolgreiches Bemühen, die Gesteinsreste des 1936 wegen Baufälligkeit gesprengten Alexandrinenturms zum Bau eines der Allgemeinheit dienstbaren Wanderheims zu verwerten. Weil sich der Thüringerwald-Verein in aufopfernder Betreuung der Alexandrinenhütte 16 Jahre lang bewährt habe, sei der 1952 gefasste Beschluss des Kreistages gerechtfertigt gewesen, das Wanderheim durch Schenkung zum Vereinseigentum zu machen.
Ernst Eckerlein gab die verpflichtende Anerkennung weiter an seine Wanderfreunde, insbesondere an die unermüdliche Hüttengemeinde. Speziellen Dank sagte er denen, die sich durch freiwillige Mithilfe und kostensparende Eigenleistung um den nunmehr vollendeten Anbau verdient gemacht haben; allen voran Hüttenwart Hilmar Mandler, von dem die Anregung hierzu kam, und Bauingenieur Hans-Joachim Roß, der den Umbau gestaltet hat. Für sein schöpferisches Wirken wurde ihm die silberne Vereinsehrennadel verliehen.

Als Vertreter des Bundesgrenzschutzes, der an diesem Tag für vorzügliche Feldküchen-Verpflegung sorgte, sprach zur großen Wanderschar Stabsmeister Beck. Im Blick zur nahen Zonengrenze erläuterte er Verlauf und Sicherung der Demarkationslinie, insbesondere die in jüngster Zeit massierte Bewachung und Befestigung sowie die Tafel-Inschriften auf sowjetzonaler Seite.
2. Vorsitzender Arno Völk übergab dem Hüttenwart Geschenke, die der Schwäbische Albverein Waldhausen/Rems in dankbarer Erinnerung an seinen Junibesuch auf der Sennigshöhe übersandt hatte: neben Kippaschenbechern einen mit Vereinsemblem und Widmung der Wanderjugend versehenen Wandschmuck aus Naturholz.
Interessiert und erfreut zugleich besichtigten die Gäste der Einweihungsfeier die erweiterten bzw. neuen Räume des Wanderheims, dessen Anbau aus Naturstein sich harmonisch zum Ganzen fügt. Die beiden Toiletten sind jetzt am westlichen Ende des Umgangs zusammengelegt und modernisiert. Ihnen schließen sich nach innen an eine Abstellkammer sowie zwei Waschräume, die noch eine Ergänzungseinrichtung für fließendes Wasser erhalten sollen; ferner ein mannshoch unterkellerter Raum für die Verpflegungsausgabe, die zweckmäßigerweise nun an die Ostseite des Wanderheims verlegt ist. Dort ist auch ein feuersicherer Wandschrank für die Propangasanlage eingebaut. Wesentlich erweitert wurde schließlich die mit neuem Herd ausgestattete Küche. Sie bietet dem ehrenamtlichen Hüttendienst größere Bewegungsfreiheit und endlich auch eine gemütliche Sitzecke zur wohlverdienten Erholung nach anstrengender Arbeit.
Eine weitere  Vervollkommnung des  Wanderheims steht bevor: Das die Hütte umgebende Erholungsgelände mit dem Naturbrunnen und den schönen Ruheplätzen soll um etwa 1000 Quadratmeter vergrößert werden.
Ein mutiges Vorhaben, wenn man bedenkt, daß der Verein den trotz erheblicher Eigenleistung kostspieligen Umbau aus eigenen Mitteln bestreitet, die selbstverständlich der heimischen Wirtschaft zugutekommen. Der Anbau wurde nach den Entwürfen des Bauingenieurs Roß erstellt vom Meederer Baugeschäft Geisthardt und Fugmann, das auch die Zimmererarbeiten ausgeführt hat. Mitgewirkt haben ferner die Firmen Edwin Eichhorn, Meeder (Dachdeckung und Installation), Raimund Schneider, Ottowind (Fenster und Fußbodenbelag), sowie aus Coburg Emil Scherle (Gas-Installation) und Josef Lipp (Kunstschmiedegitter). Ihnen allen gebührt Dank.

Bild unten: der fertige Anbau; Arachiv ThWV CO

 

Anbauf