Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1972

 

Im Veranstaltungsprogramm des Thüringerwald-Vereins Coburg verfolgte man schon immer unterschiedliche Interessen, die mit unseren Fachbereichen Wandern, Heimatpflege und Umweltschutz in Einklang zu bringen waren. Dies zeigt sich u. a. an dem folgenden Beitrag, in welchem schon zu einem frühen Zeitpunkt auf den Artenschwund durch Landschaftsverbrauch und intensivierte Landwirtschaft hingewiesen worden ist.

 Sogar das Fröschlein ist vom Aussterben bedroht

 Viele Gefahren für die Tierwelt unserer Heimat durch Umweltschädigungen

Wie vielfältig und nicht selten lebensbedrohlich die Gefahren sind, denen die Tierwelt auch in unserer engeren Heimat durch umweltschädigende Maßnahmen ausgesetzt wird, darüber informierte Tierarzt Dr. Günther Trommer beim November-Waldabend des Thüringerwald-Vereins. Sein hochaktueller Beitrag zum Umweltschutzgedanken brachte in Wort und Bild u.a. folgende Erkenntnisse: Obwohl die Natur in unserem industriearmen Zonenrandgebiet noch einigermaßen verschont geblieben ist, entstehen auch hier schon sehr ernst zu nehmende Probleme für die gefährdete Tierwelt, z. B. durch das Anlegen von Baggerseen und Landschaftsveränderungen im Zuge der Flurbereinigung. Durch Industrie- und Zivilisationsabwässer führen auch unsere Bäche und Flüsse kaum noch klares Wasser. Im Aussterben begriffen sind aus diesem Grunde Frösche, Feuersalamander und andere Kriechtiere, Insekten und Vertreter der Vogelwelt wie Eisvogel und Fischreiher, die früher auch hierzulande ziemlich häufig anzutreffen waren. Lediglich der Bestand an Wasservögeln ist noch einigermaßen reichhaltig, was der positiven Wirkung von Chemikalien auf das Wachstum von Wasserpflanzen zu verdanken ist. So wird beispielsweise den Schwänen - in erster Linie Pflanzenfresser - die Nahrungssuche erleichtert. Der früher auch in den Teichen von Neershof und Tambach beheimatete Zwergtaucher hat sich an den schilfreichen Neuensee zurückgezogen. Der Versuch, dieses Gelände zum Naturschutzgebiet zu erklären, stieß bisher leider auf den Widerstand des Besitzers.

Die Verdrahtung der Landschaft mit Stacheldrahtzäunen auf den Weiden und Hochspannungsleitungen bildet eine große Gefahr für die Vogelwelt. Nur noch gelegentlich auf saftigen Wiesen anzutreffen sind verschiedene Arten von Schnepfenvögeln. Auch der Bestand an Störchen ist wegen Nahrungsmangel auf ein Minimum zurückgegangen. Sumpfige

Wiesen wurden durch Regulierung von Bächen und Flüssen trockengelegt. Selbst das in Seßlach nistende Storchenpaar erscheint nicht mehr regelmäßig. Heute sind Störche nur noch als Durchzügler anzutreffen. Der durch chemische Düngemittel und Maschinen intensivierten Landwirtschaft fallen mehr und mehr Feld- und Wiesenvögel wie Lerche, Kiebitz, Fasan, Rebhuhn und Birkhahn zum Opfer. Durch die Landwirtschaft und noch mehr durch den Straßenverkehr sind Rehwild, Feldhase und Igel gefährdet. Einer Statistik zufolge werden im Laufe eines Jahres in Deutschland 300000 Stück Wild Opfer des Straßenverkehrs.

In Reservate und ins Zonenrandgebiet zurückgezogen haben sich Rotwild und Wildschweine. Als angeblicher Hauptträger der Tollwut wird der Fuchs von Amts wegen durch Begasung verfolgt. Ursachen für das Verschwinden vieler Vogelarten sind hauptsächlich Schädlingsbekämpfungsmittel und Industrieabgase. Der Bestand an Wanderfalken ist in der ganzen Bundesrepublik auf 50 Paare zurückgegangen. Durch die gleichen Gifte bedroht sind Sperber, Adler und Geier. Die fälschlicherweise als Taubenfängerin bezeichnete Schleiereule wird von Taubenzüchtern verfolgt. Letztmals vor fünf Jahren wurde in unserer Gegend der Steinkauz beobachtet.

Der Bestand an Uhus konnte auch durch Aussetzungen nicht gehoben werden. Nicht einmal Kleinvögel wie Meise, Stieglitz, Zeisig oder Sperling bleiben von Nachstellungen verschont. Sie ebenfalls werden in fernerer Zukunft zum Aussterben verurteilt sein.

Nachweislich stirbt jährlich eine Tierart aus. Die Erhaltung der Tierwelt sollte deshalb genauso eine Kulturaufgabe der Menschheit sein wie die Pflege von Burgen und Schlössern. Zu einer Zeit, da der Mensch sich anschickt, den Mond zu erobern, werden die elementarsten Lebensgrundlagen unserer Erde zerstört.                                                                 SiSa