Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1964

 Ein frühes Beispiel für  Baumschutz in Coburg geht auf eine Anregung des Thüringerwald-Vereins Coburg zurück, wie der nachfolgende „Farnkraut“-Artikel belegt.

 Ein Beispiel für andere Städte

 Coburg vermehrt seinen Baumbestand

 Schnelle Reaktion auf eine  Anregung des Thüringerwald-Vereins

 Am 3. März 1964 hat Coburgs Oberbürgermeister die nachstehende, für andere Städte beispielgebende Verfügung an das Stadtbauamt, den Kreisbeauftragten für Naturschutz sowie an das Ordnungsamt als Untere Naturschutzbehörde erlassen:

 Betr.: Erhaltung und Mehrung von Bäumen und Sträuchern in der Stadt Coburg.

 Gleichlautenden Anregungen des Thüringerwald-Vereins e.V. Coburg und des mit der Erstellung des Generalverkehrsplans der Stadt Coburg beauftragten Herrn Dipl.-Ing. Dr. Schubert aus Hannover folgend, ordne ich ab sofort folgendes an:

 1.   Für jeden Baum, der in Coburg aus Gründen der Verkehrssicherheit oder zwecks Erschließung neuen Baugeländes gefällt werden muss,läßt das Stadtbauamt an geeigneter anderer Stelle zwei  Neupflanzungen  vornehmen.

2.   Das Stadtbauamt sichert darüber hinaus gemäß § 9 Abs. 1 Ziffer 15 des Bundes-Baugesetzes vom 23. 6. 1960 (BGBI. S. 341 ff) das Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern im Bebauungsplan.

 3.   Soweit es sich bei Maßnahmen nach Ziffer 1 um Bäume und Sträucher handelt, die unter Naturschutz stehen oder sich in Landschaftsschutzgebieten befinden, müssen, in anderen Fällen sollen der Kreisbeauftragte für Naturschutz und das Ordnungsamt als Untere Naturschutz-behörde rechtzeitig eingeschaltet werden.

 4.   Wenn im Einzelfalle dem Stadtbauamt der Vollzug dieser Anordnung nicht möglich erscheint, ist mir vor Fällung eines Baumes zu berichten.

 gez. Dr. Langer   Oberbürgermeister

 

Die vom Thüringerwald-Verein am 25. Februar gegebene Anregung war gestützt auf das in letzter Zeit mehrfach und von verschiedenen Seiten bekundete Öffentlichkeitsinteresse an der Zeitforderung, die lebensnotwendigen Aufgaben des Natur- und Landschaftsschutzes sowie die Bedürfnisse der Verkehrssicherheit und der Erschließung neuen Wohnbaugeländes auf einen vernünftigen Nenner zu bringen. Das aus berechtigter Besorgnis resultierende Öffentlichkeitsinteresse hat die Erinnerung geweckt an die Initiative, die hinsichtlich dieser Problematik beim vorjährigen 64. Deutschen Wandertag von Coburg ausgegangen ist.

Mit seiner Anregung hat der Thüringerwald-Verein nicht nur den Erfordernissen des Natur-und Landschaftsschutzes Rechnung getragen. Er hat ebenso nachdrücklich die Notwendigkeit für die Fremdenstadt Coburg angesprochen, ihren Ruf als eine gepflegte „Stadt im Grünen" zu festigen und dieser Bereitschaft im Hinblick auf den bevorstehenden „Tag des Baumes" eindeutig und wirksam Ausdruck zu verleihen. Das ist durch die Verfügung vom 3. März mit dankenswert schneller Reaktion geschehen.

Zugleich mit der Bestätigung, daß er der Anregung „gerne gefolgt" sei, hat der Oberbürgermeister an den Thüringerwald-Verein die Bitte gerichtet, „mit darüber zu wachen, daß Coburg eine “Stadt im Grünen bleibt". Daß diese Bitte im Interesse des Allgemeinwohls respektiert wird, hat der Thüringerwald-Verein im Rahmen seiner Anregung schon durch seine „selbstverständliche Bereitschaft" zugesichert, sich in den Dienst der praktischen Durchführung der Maßnahmen zu stellen, die die Stadtverwaltung von Coburg im Vollzug der nunmehr erlassenen Verfügung treffen wird. Der Auftrag, ein anregend offenes Auge auf die sorgfältige Betreuung des Landschaftsbildes der Stadt Coburg zu richten, schließt das Bemühen um Erhaltung und Pflege der Anlagen ein, die seitens der Stadt geschaffen worden sind, um bereits neu entstandene Wohnsiedlungen dem Charakter unserer „Stadt im Grünen" mehr und mehr anzupassen.

 Es verbindet sich damit folgerichtig auch eine erzieherische Aufgabe mit dem Ziel, der Coburger Bürgerschaft mehr und mehr das Bewußtsein ihrer Mitverantwortung zu stärken für den hervorragenden Ruf, den Coburg dank seiner natürlichen landschaftlichen Werte als Fremdenstadt von außerordentlicher Anziehungskraft genießt. Zu seinem Teil an der Festigung dieses Rufes beitragen zu dürfen, ist und bleibt dem Thüringerwald-Verein eine dankbare Verpflichtung gegenüber seiner Heimatstadt. Daß er sich dieser Verpflichtung bewusst ist und sie auch sehr ernst nimmt, schließt für ihn die Notwendigkeit grundsätzlich aus, zu Anregungen im Interesse der Allgemeinheit Anleihen bei irgendwelchen Publikationsorganen aufzunehmen.