Aus “Das Farnkraut” - Sonderheft Dezember 1966

Die Konfrontation mit der Zonengrenze war in jenen Jahren natürlich bestimmend, zumal wenn es sich beim Rennsteigverein Zapfendorf um Gäste handelte, die zwar nicht in deren unmittelbaren Nähe ansässig waren aber eben doch Betroffene. Wir dürfen aus heutiger Sicht nicht vergessen, dass der Mauerbau damals gerade 5 Jahre zurück lag. Der Geleitschutz durch die Grenzpolizei war keineswegs übertrieben.

 

Dr. Kober und seine Heimatfreunde besuchten Alexandrinenhütte

Es war ein glücklicher Gedanke Dr. Julius Kobers, mit seinem Rennsteigverein am letzten Oktobersonntag (1966) der Zonengrenze im Coburger Raum und dem Thüringerwald-Verein im Bereich seiner Alexandrinenhütte einen Besuch abzustatten. Anlaß zu der Wanderfahrt, an der sich weit über 70 Zapfendorfer Mitglieder und Freunde des Rennsteigvereins beteiligten, war dessen 70-jähriges Bestehen. Am 24. Mai 1896 wurde der Verein im Rennsteig-Waldhaus „Waidmannsheil" bei Steinbach am Wald gegründet.
Dem Thüringerwald-Verein gab der Freundschaftsbesuch willkommene Gelegenheit, die Pforten seines offiziell bereits in den „Winterschlaf" versunkenen Wanderheims zu Ehren des Jubilars noch einmal zu öffnen und damit eine Drei-Gruppen-Wanderung zur Sennigshöhe zu verbinden, die von sonnig-mildem Herbstwetter begünstigt war.
Während Heinrich Sorge mit einer kleinen Coburger Gruppe über Neuses — Glend zum Lerchenberg und von dort via Moggenbrunn — Mirsdorf das Tagesziel erwanderte, zog das Gros des Thüringerwald-Vereins per Bahnbus nach, um in Rottenbach die in 17 Pkws anrollenden Gäste zu empfangen und auf das herzlichste zu begrüßen. Nahezu 100 Wanderaktive - darunter erfreulich viele Jugendliche - waren es, die sich hier dem Geleitschutz der Grenzpolizei anvertrauten, um in zwei Gruppen unter Ernst Eckerleins und Franz Reinhardts Führung entlang der Zonengrenze über die Mirsdorfer Kuppe zur Hütte bzw. nach Mirsdorf hinaufzuwandern.
Wie bei einer echten Rennsteig-Runst scharte Dr. Julius Kober seine Gefolgschaft und die Thüringerwald-Vereinler mit dem Ehrenvorsitzenden Carl Escher an der Spitze um sich, um sie mit einem die Bedeutung des Treffens würdigenden Wanderspruch in Marsch zu setzen. In herrlicher Naturbeleuchtung präsentierte sich der Thüringer Wald, als die ihm von Herzen verbundene Wanderfamilie das Grenzgebiet durchstreifte. Tief beeindruckt nutzten die Gäste jeden Durchblick hinüber ins vertraute Nachbarland. Unzählige Fragen hatten die Wanderführer zu beantworten, um den Freunden vom Rennsteigverein den Grenzverlauf zu beschreiben, die sichtbar* werdenden thüringischen Orte zu benennen und sie mit der über den „Eisernen Vorhang" herübergrüßenden Berglandschaf t bekannt zu machen. Nach einem letzten Rückblick von der Mirsdorfer Kuppe hinein nach Eisfeld ging es dann zur Sennigshöhe hinauf. Während die Gäste in der Alexandrinenhütte zünftig zu Tisch gebeten wurden, steuerten die Thüringerwald-Vereinler Mirsdorf zur Mittagseinkehr an, um anschließend noch ihr Wanderheim aufzusuchen.
Gemeinsam vollzog sich der Abstieg von den Langen Bergen nach Meeder zur sangesfrohen Schlußeinkehr aller Teilnehmer dieses gelungenen Wandertages. In herzlichen Worten bekundeten hier die Sprecher des Rennsteigvereins und des Thüringerwald-Vereins ihre heimattreue Verbundenheit. Dr. Kober bedankte sich für das eindrucksvolle Tageserlebnis und die gastliche Aufnahme in der Alexandrinenhütte mit Buchgeschenken für eine damit ins Leben gerufene Hüttenbibliothek. Der Thüringerwald - Verein wird sich revanchieren, sobald sich jahreszeitlich die Gelegenheit bietet, der Einladung des Rennsteigvereins zum Gegenbesuch Folge zu leisten.