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Kirchenvisitation“ in Watzendorf.

 

Um ein kulturelles Erlebnis war die Kurzwanderung im Monat Mai bereichert. Mit Rücksicht auf den Ruhetag des Ziel-Gasthauses in Watzendorf war es diesmal ein Dienstag.

Angesichts des schönen Pfingst-Wetters (eine Schönwetterinsel) war die Beteiligung zahlreich, als Wfr. Reiner Probst am Treffpunkt Bushaltestellen am Schlossplatz eintraf. Per Linienbus ging es zunächst nach Witzmannsberg. Durch wahrhaft „blühende Lanschaften“ ging es über Krumbach nach Watzendorf. Dort erwartete uns Lehrer a. D. Gerd Ackermann in der dortigen Kirche zu einer Führung mit Vortrag.

Geschichtlich betrachtet, sind die sog. Eigensdörfer eine Besonderheit. Als „Eigensdörfer“ werden bis heute die Orte Watzendorf, Neuses an den Eichen und Gossenberg benannt. Der Überlieferung nach soll diesen Orten durch Kaiser Heinrich II das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit verliehen haben. Kaiser Heinrich II regierte von 1002 – 1024 in Bamberg. Um ihn und seine Gemahlin Kunigunda ranken sich zahlreiche Legenden. Auch diese eigene Gerichtsbarkeit dürfte eine Legende sein, die Kunde davon beruht auf Überlieferung, dokumentarisch ist sie nicht belegt. Ernst zu nehmende Historiker bezweifeln dieses (so Walter Schneier in „Das Coburger Land“, Coburg 1983). Historisch bemerkenswert ist dieser Landstrich aber auch, weil er Grenzgebiet war, in älterer Zeit zwischen dem Machtbereich der Würzburger Bischöfe (bis Seßlach) und der coburger Landesherren (seit 1353 die Wettiner). Ab der Reformation verlief hier dann auch die Konfessionsgrenze.

Nachstehend eine Schrift des Referenten, Herrn Gerd Ackermann, mit frdl. Genehmigung des Autoren.

AUS DER GESCHICHTE DER PFARRKIRCHE ZU WATZENDORF

Schon von weitem grüßt den Ankommenden über Hügel und Felder hinweg der mächtige Turm der Kirche, die hoch über Watzendorf aufragt. Bis zum Jahre 1452 unterstand die Wallfahrt-Kapelle zu Watzendorf unmittelbar der Pfarrkirche von Altenbanz, so dass die Einwohner von Gossenberg, Neuses a. d.E., Schafhof mit  Seemühle, Welsberg und Watzendorf hei Schnee oder Eis, Kälte oder Überschwemmungen den weiten Kirchweg nach dort zurücklegen mussten.

Auf Bitten der Gemeinden erhob der Bischof Gottfried von Würzburg im Jahre 1452 Watzendorf zur selbständigen Pfarrei. Die ursprünglich gotische Kirche "Zu Ihrer Lieben Frauen“ wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Nur spärlich sind die Zeugnisse, die uns von den baulichen Veränderungen an der alten Kirche Auskunft gehen können. Mehr erfahren wir aus schriftlichen Überlieferungen, die sich mit dem Bau des heutigen Gotteshauses befassen.

Am 5. Mai l728 erhielt der Hofmaurermeister Brückner aus Coburg den Auftrag, die alle Kirche bis auf Kanzel, Orgel und Taufstein abzubrechen und für 1200 fränkische Gulden und 24 Spezies - Taler eine vollkommen neue und größere aufzubauen, und zwar 68 Schuh lang, 40 Schuh breit und 34 Schuh hoch.

Am 5. Mai 1720 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Dem Grundstein wurden beigegehen: Eine zinnerne Schrifttafel, ein Pergamentbrief mit dem Namen des Pfarrers, des Schulmeisters, der Kastcnmeister, der Schultheißen und der Bauschulzen, zwei Patel Wein, ein weißes und ein rotes, sowie unterschiedliche Münzsorten Ihrer Durchlaucht.

Am 2. Juli 1733 wurde die neue Kirche eingeweiht. Der Generalsuperintendent Meuschen hielt vor der Haupttür eine Anrede mit den Worten Davids aus dem 24. Psalm Vers 7 und 9;  „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe.“

Im Jahre 1811 verkleinerte sich das Kirchspiel um Welsherg. das zu Schottenstein kam. 1839 fiel Schafhof mit Seemühle an die Pfarrei Ahorn. So bilden bis zum heutigen Tag die drei "Eigensdörfer“  Gossenberg, Neuses a.d.E. und Watzendorf eine der kleinsten noch selbständigen Pfarreien des Coburger Dekanats.

G. Ackermann

Der Wanderführer dankte Herrn Ackermann für seinen Vortrag und die Führung. Dann folgte eine gemütliche Einkehr im Gasthaus „Ehrlich“,für uns eine bekannte und schon öfters besuchte Wander-Einkehr.

Bei noch immer schönem Wetter folgte die Rückwanderung nach Witzmannsberg.

 

-hdb-

 

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