50 Jahrgänge "Das Farnkraut"

- wie ging es weiter?"

 In der letzten „Farnkraut“-Ausgabe habe ich die Zeit von der Gründung zum 64. Deutschen Wandertag im Jahre 1963 an unter der Leitung von Wfr. Werner Ungelenk geschildert. Wie ging es nun weiter?

Eines Tages überraschte mich Werner Ungelenk mit der Frage, ob ich nicht Interesse an der Übernahme des „Farnkraut“ habe. Ich war zu dieser Zeit erst drei Jahre beim Verein und hatte dort lediglich als Kassenprüfer mitgewirkt.

Nun, ich nahm an und unter der Begleitung von Werner Ungelenk brachte ich die ersten Ausgaben heraus.

 

Drucktechnik  und Organisation

 

Die Technik war natürlich wesentlich anders. Druck- und Verlagspartner war szt. die „NEUE PRESSE“.

Dort lieferte ich zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt ab:

* die Manuskripte – in „Klarschrift“, maschinengeschrieben

* die Abbildungen.

 Gleichzeitig war auch der Anzeigenleiter tätig. Diese Aufgaben müssen nach meiner Einschätzung getrennt sein. Anzeigenleiter sollte immer jemand sein, der diese Tätigkeit auch für andere Publikationen ausübt und die entsprechenden Kontakte hat. Zu Anfang war dies Frau Christina Mayer. Sogar einen eigenen Vertriebsleiter hatten wir damals, jemand, der sich beim Post-Zeitungs-Vertrieb auskennt; damals Herr Erwin Schindler. Vor allem sorgte dieser dafür, dass die Versand-Adressendatei  stets auf dem  Laufenden war. Diese wurde damals beim Druckpartner geführt.  Der Post-Zeitungsvertrieb war eine wirtschaftlich günstige Form der Versendung. Es gab aber Auflagen, insbesondere mindestens 4maliges Erscheinen pro Jahr, Umfang des Inseratenteils usw. Unser Vertriebskennzeichen war „J 1498 F“ und war auf jedem Titel eingedruckt. Als presserechtlicher Redakteur fungierte ein Mitarbeiter der  NEUEN PRESSE;  Herr Georg Karl Kolb, Michelau.

Format: nach wie vor DIN A 5, Umfang 32 – 36 Seiten.

Die Zusammenarbeit mit dem befreundeten Rennsteig-Verein Zapfendorf gab es damals noch, Georg Gunzelmann lieferte ebenfalls seine Manuskripte und Abbildungen an.

In der Setzerei mussten dann alle Manuskripte erfasst, d. h. abgeschrieben werden und die Bilder im Reproverfahren verarbeitet, ein vergleichsweise zeitaufwändiges Verfahren.  Zeit- und damit kostenaufwändig vor allem auch noch für den Satz- und Druckbetrieb. Und dennoch kamen wir wirtschaftlich durchaus „über die Runden“.

 Was den Einsatz von EDV angeht, so haben wir alle möglichen Stufen mitgemacht. Zunächst meinerseits „Null“, d. h. wie gesagt meinerseits gar kein Einsatz von EDV. Ich hatte zwar bald einen Computer, aber mit „CP/M“ war keine Verbindung zu der „Macwelt“ möglich. Das ging erst, als ich mir eine „MSDos“ –Schreibmaschine zugelegt hatte. Der speicherte auf 3,5-Zoll-Disketten ab. Die hier allenfalls möglichen 1,44 mByte reichten für den gesamten Text eines Heftes, wenn das Geschriebene  nur als „txt“ ohne Formatierung übermittelt wird.

Die nächste Stufe war dann schon das „Word“-System auf „CD-Rom“, auch die Bilder waren schon digitalisiert. Und seit 2007 schließlich habe ich die Hefte als druckfertige „pdf“-Dokumente.

Aber zurück zum Stand von 1981.

Nach etwa zwei Wochen bekam man dann ein dickes Kuvert von der Druckerei, darin die ausgedruckten Texte („Korrekturfahnen“) und die Bilder und Inserate. Jetzt kam eine „Heidenarbeit“: Texte durchsehen wegen evtl. Fehler oder Änderungen; dann Texte und Bilder zurechtschneiden und auf einen Vordruck aufkleben so, wie sie im fertigen Heft aussehen sollten – alles in allem der sogenannte Klebeumbruch. Eine Arbeit für etwa drei volle Tage.

Beispiel  aus 1981: 36 Seiten  Umfang, davon 32 Inserate mit insgesamt 10 5/8 Seiten Umfang, dann 12 Bilder und etwa 20 Textbeiträge.

 War das alles geschafft, kamen diese geklebten Bogen zurück in die Druckerei. Diese stellten dann die Lithos her, d. h. Film-Folien mit dem fertigen Satz. Die Ausbelichtungen gingen dann nochmals zu einer Endkorrektur zurück. In der Regel wurden sie aber unverändert gedruckt.  Damals natürlich auch schon im Offset-Verfahren, wobei  noch Litho-Folien eingesetzt worden sind.

Die gedruckten Hefte wurden vom Druckpartner an Mitglieder und sonstige Bezieher per Postzeitungsvertrieb versandt. Weitere Exemplare bekamen wir für die Geschäftsstelle, die Hütte und für die damals noch recht zahlreichen Inserenten. Ich machte mich dann jeweils spätnachmittags auf den Weg (Geschäftsschluss war damals noch 18:00 Uhr) und verteilte vor allem in der Innenstadt. Es ging los bei dem schönen Ladengeschäft von Sport-Hess, dann zu Dürbeck und Otto und so weiter bis zum  Leder-Faber.  Dort wurden die Hefte ausgelegt, wodurch wir wiederum die jeweiligen Kunden ansprechen konnten.  In einer Buchreihe hat der Rossteutscher-„Veste-Verlag“ die Wandlungen in der Einzelhandelsstruktur der Stadt Coburg dargelegt.

 Besondere Ereignisse

- besondere Herausforderungen

 

Wie gesagt, begann ich mit dem 2. Quartalsheft 1981. Besondere Herausforderungen sollten nicht lange auf sich warten lassen. Da war zunächst das Jahr 1982 mit dem

 75jährigen Jubiläum.

 Ein Erlebnis, dass keiner der dabei gewesenen vergessen kann: das Stiftungsfest im „alten“ Kongresshaus der Stadt Coburg. Wir brachten damals ein 64seitiges Heft heraus, kein Sonderheft, sondern das reguläre für das 2. Quartal. Für die Chronik legte sich Werner Ungelenk nochmals ins Zeug, die größte jemals gedruckt erschienene unseres Vereines. Beim Text konnte er auf das aufbauen, was er anlässlich des 50. sowie 60. Stiftungsfestes vorgelegt hatte. Der Bilderteil allerdings war bis dahin einmalig. Wie gesagt, die Illustrationen waren szt. wesentlich aufwändiger herzustellen.

Dann war, ebenfalls im Jahre 1982, der deutsche Wandertag in Eutin mit der Rekord-Wanderung von nahezu 1.200 Kilometern unter Führung des legendären Otto Treuter. Außerdem fiel damals offiziell die Entscheidung, den

 Deutschen Wandertag 1984

 nach Coburg zu vergeben. Von diesem Zeitpunkt an konnte sich kein Aktiver des Thüringerwald-Vereins über den Mangel an Aufgaben beklagten, auch ich nicht.

Zum Deutschen Wandertag 1984 erschien das größte jemals gedruckte „Farnkraut“, ebenfalls mit 64 Seiten wie zum Jubiläum, aber mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Es enthielt nämlich gleichzeitig das Programm. Außerdem stellte sich Coburg und das Coburger Land  kurz den auswärtigen Gästen vor. Das Heft wurde dementsprechend in großem Umfang verteilt. Damals bekamen die Wanderer noch nicht überall so etwas in die Hand gedrückt. Heute ist es natürlich längst professioneller, aber auch kommerzieller.

Als nächstes fiel natürlich der Bericht über diesen Wandertag an. Es war dies die bislang wohl größte Veranstaltung in Coburg, insbesondere was den Festzug und die Hauptkundgebung am Sonntag betraf.

Im nächsten Jahr konnten wir uns aber keineswegs ausruhen; stand doch die

 Wimpelwanderung

 von Coburg nach Osnabrück an.

Immerhin 579 waren vom 29. Juni bis 20. Juli 1985 zurückzulegen. Dies bewältigten unter der Leitung von Otto Treuter immerhin 9 Wanderer, weitere 5 stießen für die letzten ca. 200 km hinzu, darunter ich. Natürlich wurde dieses Unternehmen  genauestens geplant und vorbereitet und von den Medien begleitet. Eine Wimpelwanderung ist ein „öffentliches Ereignis“. In jedem Falle die jeweiligen Wandervereine, oft auch Bürgermeister  erwarteten uns an jeder Station des Weges, luden zu Empfängen und dergleichen. Der Höhepunkt wartete unser dann in Osnabrück.

Ein besonderes Erlebnis auch für das Wimpelmädchen Christine Wacker bei ihrem großen  Auftritt zusammen mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Ihr Erlebnisbericht, gedruckt natürlich auch im "Farnkraut", gehörte zu den absoluten "Sternstunden".

Ein Jahr später, 1986 also,  gab es nochmals besonderen Stoff für „Farnkraut“-Artikel. Erstmals das 50jährige Jubiläum der Alexandrinenhütte, dann aber vor allem der

 Besuch  des Alt-Bundespräidenten Dr. Karl Carstens.

 Schon länger liefen Bemühungen, den wandernden Bundespräsidenten, damals Deutschlands prominentester Wanderer, auch noch Coburg zu holen. Es sollte aber erst nach dessen Abschied aus dem Amt gelingen. Bereits 1985, beim 85. Deutschen Wandertag in Osnabrück,  war ja Richard von Weizsäcker Bundespräsident. Andrerseits aber verlief der Besuch von Dr. Carstens  aber doch entspannter als „Bundespräsident a. D.“. Allen unvergesslich, die dabei waren: zunächst die Wanderung vom Schlossplatz über die Veste und den Bausenberg  nach Oeslau, dann vom „Bahnhof Görsdorf“  entlang der Zonengrenze und durch das „Rottenbacher Moor“ zur Alexandrinenhütte. Natürlich war das "Farnkraut" dabei und berichtete mit der gebührenden Ausführlichkeit.

 Die nächsten Jahre

 

verliefen relativ ruhig. Der Deutsche Wandertag 1986 in Koblenz, 1987 in , 1988 in Bamberg. Bei Durchsicht der alten Berichte fällt aber auf: damals gab es doch noch etwas neues: die Volkstanzgruppe. Sie entstand auf Initiative - wie könnte es anders sein - von Wolfgang Süße, nicht zuletzt um neue Mitglieder, insbesondere Jugendliche zu aktivieren. Beim Wandertag 1987 und 1988 beispielsweise Auftritt im Festzug.

 Aber auch über traurige Ereignisse war zu berichten, von uns gingen  langjährige , treue und besonders aktive WanderfreundInnen, stellvertretend genannt seien "Tante" Mile Reichardt, langjährige Jugendleiterin, Klaus Ehrlicher, langjähriger Wanderwart, Ernst Eckerlein, einst 1.Vorsitzender  und nicht zuletzt Werner Ungelenk, der Gründer des "Farnkraut". Es war eine nicht immer leichte Aufgabe, hier die richtigen Worte zu finden. .Schockierend war etwas anderes: der Brand des Waldhauses "Weidmannsheil" bei Steinbach a. W., Gründungsstätte des Rennsteigvereins und erst vor kurzem aufwändig renoviert (Ausgabe Nr. 1/1988. Sogar als Strafprozess-Beobachter musste ich in diesem Zusammenhang auftreten. Als Verdächtiger wurde niemand anderes als der Eigentümer selbst festgenommen, der Prozess gegen ihn fand dann im Nov./Dez. 1988 statt.

 Die aufregendsten und glücklichsten Zeiten

Der 84. Deutsche Wandertag in Coburg im Jahre 1984 stand unter dem Motto "Wandern über Grenzen". Eine programmatische Aussage, die  unserer räumlichen Lage geschuldet war.   Natürlich wünschten sich alle, eines Tages über die innerdeutschen Grenzen wandern zu können. "Eines Tages öffnet sich der 'Eiserne Vorhang'",  so sagte eine Lehrerin in Unterlauter im Unterricht schon in den 60er Jahren. Aber wann war dieses "Eines Tages?". Vermutlich werden die Ereignisse des Jahres 1989 die Historiker noch für Generationen beschäftigen.

Was uns Wanderer angeht, ist hervorzuheben: 1989 erstmals Deutscher Wandertag im (noch) geteilten Berlin! (Bericht in Ausgabe 3/1989). Erste Ost-West-Wanderkontakte - Spitzengespräche mit unserer Verbandsspitze (Dr. Schubach) und einer entsprechenden Organisation in der DDR, geführt von Dr. Erich Krauß (siehe Farnkraut Nr. 3/1989).

Alles übertraf dann aber der 9. November 1989 und die unmittelbare Folgezeit. Bereits am 18. November  das kurz zuvor undenkbare: eine Wanderung im Sperrgebiet an der deutsch-deutschen Grenze in Thüringen. PKW-Anfahrt nach Heldburg (Stadt), hinaus zur Veste (Halbruine), weiter entlang der Sperranlagen nach Ummerstädtern. Besonders bewegend für Wolfgang Süße, der Jahrzehnte lang von seiner Heimat ausgesperrt war. Jahrzehntelang war jeder zwischenmenschliche Kontakt verwehrt, selbst Winken war gefährlich. Für diese Wanderung, diesen Grenzübertritt brauchte man noch ein Visum, kurze Zeit später fiel dies weg und schon zum Dreikönigstag konnte die Wanderung wiederholt werden (Bericht in 1/1990). Und dann ging es buchstäblich "Schlag auf Schlag". Wechselseitige Besuche, dann am 28. 4. 1990 die Öffnung der Grenzen am Rennsteig - 2 Mal durch das ehemalige Sperrgebiet (Bericht in Ausgabe 2/1990).

Für einen war diese Zeit besonders anstrengend: Wolfgang Süße eilte von Sitzung zu Sitzung, von Gründungsversammlung zu Gründungsversammlung, oft im Winter quer durch den Thüringer Wald. Aber auch weitere Vorstandsmitglieder entzogen sich der historischen Aufgabe nicht: bald schon deutete alles auf die Wieder-Gründung eines Gesamt-Thüringerwald-Vereins in Thüringen.

Am 22. September 1990 war es dann so weit. Der gesamtdeutsche Thüringerwald-Verein entstand neu!

 

 

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