Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1981

 925 Jahre Coburg

Versuch eines Beitrags

 In eine Zeitschrift, die in Coburg erscheint, gehört zweifellos auch ein Artikel zur 925-Jahr-Feier. Wenn es nur nicht so schwierig wäre, zum Thema etwas Neues auszudrücken, etwas zu finden, was nicht andere, berufenere schon längst geschrieben oder gesagt haben. Groß ist auch die Gefahr, Gemeinplätze zu verbreiten („Ererbtes zu bewahren, in Zukunft blicken") oder zu übertreiben. Geschichte ist wichtig, sie drückt sich in vielen deutschen Städten in einer gewachsenen Altstadt mit jeweils eigenem Gesicht aus - erst das 20. Jahrhundert, vor allen die Zeit nach 1945 brachte den architektonischen Einheitsbrei von der Küste bis zu dem Alpen. Kaum eine Stadt, deren Profil von einem Bauwerk aus neuerer Zeit geprägt. Was aber helfen den heute lebenden Menschen mit ihren Krisen und Problemen die toten Gebilde aus Stein? Ich finde, der Anblick alter Häuser - nicht unbedingt prächtiger Schlösser - übt auf den Betrachter eine wohltuende, fast heilsame Wirkung aus, ähnlich wie etwa das Beschauen eines Buches mit Märchenillustrationen von Ludwig Richter. Das unverwechselbare, das Markenzeichen einer Stadt aber -gerade auch von Coburg - hilft dem Menschen, zwei Grundanliegen zu verwirklichen, nämlich einmal ein unverwechselbares Individuum zu sein, zum anderen aber einer Gemeinschaft anzugehören.

 

Eine Stadt ist auch heute mehr als die Summe von Baudenkmälern, Sanierungsgebieten und Neubausiedlungen. Was die Menschen Coburgs angeht, so findet man hier weder das beziehungslos zusammengewürfelte allzu rasch gewachsener Städte noch die sich abkapselnde Kaste der Alteingesessenen. In Coburg lässt's sich daher auch für den Zugereisten gut leben.

Und noch eines: wo gibt es noch eine Bahnhofstraße mit Baumallee und Vorgärten, wo es auch nachts noch recht friedlich zugeht?                        

 - hdb -