Aus „Das Farnkraut“, Sonderheft 1/1965
Würdigung für Carl Escher anlässlich dessen 80. Geburtstages. Bemerkenswert: Carl Escher war zeitweise 1. Vorsitzender sowohl des Thüringerwald-Vereins als auch des ADAC-Ortsclubs Coburg, eine wohl einmalige Kombination

 

Mit 80 immer noch Wanderführer!
Der Thüringerwald-Verein hat Carl Escher viel zu verdanken

 


Carl Escher, als Ehrenvorsitzender des Thüringerwald-Vereins und des ADAC-Ortsclubs in Coburg noch immer rührig und jeglicher Pensionisten-Geruhsamkeit abhold, ist der Wandersache in ewig junger Liebe zugetan. Wiederholt wurde auch in letzter Zeit sein Name im Zusammenhang mit der Aktion „Steig aus und wandre!" genannt, der er sich als Ratgeber und Wegweiser wider den Bewegungsmangel besonders freudig annimmt, nachdem der Thüringerwald-Verein sechs Rundwanderwege für Auto-Wanderer festgelegt und markiert hat. Dass Carl Escher am 4. Juli die Meta-Knorr-Gedächtnis-wanderung als Wanderführer betreuen wird, bedürfte demnach keiner besonderen Erwähnung, wäre es nicht zugleich die erste Wanderung, die er als 8Ojähriger führen wird. Das kennzeichnet Escher als den passionierten und zum Lehrmeister berufenen Wandersmann, als der er aus dem Freundeskreis um Emil Rädlein herausgewachsen ist.
Carl Escher ist gebürtiger Coburger mit einem der heimischen Landschaft seit seiner Kindheit weit aufgeschlossenen Herzen. Nach dem Schulbesuch in Coburg, der Lehrzeit in einer Anwaltskanzlei seiner Heimatstadt und der Militärzeit bei den 95ern stellte er sich als Beamtenanwärter beim Landratsamt Coburg mit ganzer Kraft in den Dienst an der geliebten Heimat, für die er bis zu seiner Pensionierung als Regierungsoberinspektor wirkte. Wie hoch seine Arbeitsleistung und seine Persönlichkeit eingeschätzt wurde, beweist die Tatsache, dass Escher nicht nur die Funktion eines Landrat-Stellvertreters bekleidet, sondern in den kritischen Wochen des Jahres 1945 als kommissarischer Landrat auch die entscheidende Verantwortung für eine Schicksalswende zum Segen unserer engeren Heimat getragen hat.
 

Dem Thüringerwald-Verein hat sich Escher im Jahre 1922 angeschlossen. Als qualifizierter Kenner und Betreuer der Heimat wuchs er auch in diesem Kreis aufgeschlossener, weil naturverbundendener Menschen sehr schnell in Führungsaufgaben hinein, die ihn nach Emil Rädleins Ableben im Jahre 1925 immer stärker der Mitarbeit im Vereinsvorstand verpflichteten. Im 26. Vereinsjahr übernahm Carl Escher von dem Rädlein-Nachfolger Fritz Kreutzberger das Amt des 1. Vorsitzenden. Als solcher hat er das Erbe seiner beiden verdienstvollen Vorgänger 26 Jahre lang mit seiner ganzen Liebe zur Heimat und zur Wandersache, mit der ihm eigenen Tatkraft und Organisationsgabe und mit dem in schwierigen Situationen besonders bewährten Mittel eines gesunden Humors verwaltet.
Dem Erfolgswirken Eschers im nunmehr 58jährigen Thüringerwald-Verein fehlt es nicht an sichtbaren Merkmalen. Unter seiner Betreuung wuchs die Vereinsfamilie von knapp 300 auf über 400 Mitglieder. Die Grundlage zur Fortentwicklung dieser Gemeinschaft naturverbundener und heimatverpflichteter Menschen legte Escher 1952 durch seine Initiative zur Gründung der Wanderjugend im Verein, die heute mehr als 10 Prozent des Gesamtmitgliederbestandes stellt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, zu dessen Folgeerscheinungen auch die Auflösung des Thüringerwald-Vereins im mitteldeutschen Raum gehörte, stellte sich Escher an die Spitze der Befürworter des Gedankens, mit dem Coburger Thüringerwald-Verein als der letzten verbleibenden Säule die Substanz des um Heimatpflege und Landesgeschichte anerkannt verdienten Traditionsverbandes zu erhalten, dem in ganz Thüringen über 12 000 Wanderfreunde in rund 155 Zweigvereinen angehört hatten.
Außerordentliche Verdienste hat sich Escher um die Verwandlung eines Schandfleckes in der Coburger Landschaft zu einer echten Oase der Ruhe erworben: Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass der im 30. Jahr nach seiner Errichtung bereits baufällige Alexandrinenturm auf der Sennigshöhe, dem höchsten Punkt unserer heimischen Landschaft, als Gefahrenmoment rechtzeitig ausgeschaltet und gesprengt und dass auf seinem Fundament unter Verwertung der brauchbaren Gesteinsreste die seit 1952 vereinseigene Alexandrinenhütte im Frühjahr 1936 als schmucke Schutzhütte für heimatverbundene Wanderer errichtet wurde Diese Hütte, die seitdem nicht nur von vielen himmlischen Stürmen heimgesucht wurde, sondern auch mit dem Jahr um Jahr anwachsenden Ansturm naturfreudiger Besucher der Langen Berge fertig werden muß und dank eines einsatzfreudigen Hüttendienstes auch fertig wird, ist Carl Eschers Werk.
Möge dem Verein Carl Escher mit seiner großen Erfahrung als Wanderer, Heimatpfleger, Natur- und Landschaftsschützer sowie mit seiner nimmermüden Einsatzfreude noch viele Jahre das mitreißende Vorbild bleiben, als das ihn äußerlich sichtbar höchste Auszeichnungen seines Vereins und des Verbandes ausweisen.
 

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