Im Mai 2014 erschien in einer Coburger Zeitung ein Artikel über den Herzog Ernst Friedrich. Ich überprüfte diese Angaben und verfasste eine Zuschrift an die betreffende Tageszeitung, verzichtete aber letztlich auf eine Publikation, weil die betreffende Redaktion sich nach einigem Zögern zur Veröffentlichung einer Zuschrift zu einem anderen Thema entschlossen hatte.

Coburg war immer Residenz

Unter dem Titel „Residenz auf Pump“ befasste sich ..... mit der Regierungszeit des Herzogs Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg – Saalfeld (1724 – 1800). Zugegeben, mir war dieser Regent Coburgs zunächst kein Begriff, aber ich konnte mich informieren, u.a. bei  Walter Schneier: „Coburg im Spiegel der Geschichte“, Coburg 1984. Demnach wäre an der Darstellung im besagten „np“-Artikel vom 1. Mai einiges zu ergänzen.

Der unbefangene Leser könnte aus den Ausführungen von ... schließen, Coburg wäre erst 1764 unter Herzog Ernst Friedrich Residenzstadt geworden.  Aber: schon im Mittelalter hatte Coburg den Rang einer Hauptstadt  der „Neuen Herrschaft“ des Hauses Henneberg, später als „Pflege Coburg“ oder auch „Sächsische Ortlande in Franken“  bezeichnet und so von den Wettinern übernommen. Ab 1586  war Coburg dann ein eigenständiger Territorialstaat, Folge des Verfalls der Macht der ernestinischen Fürsten und Teilung ihres  Staatsgebietes. Anmerkung: Von “Residenz” im eigentlichen Sinne wird im allg. aber der Zeit gesprochen, in welcher der Wohnsitz des jeweiligen Regenten von einer Höhenfestung u. dgl. in die Stadt verlegt wurde, im Falle Coburg also von der Veste in die “Ehrenburg”. In der Folgezeit kam es dann immer wieder erneut zu Teilungen, aber auch Zuerwerben in  Erbfolge. Staaten wurden neu gebildet und aufgelöst, sodass wir heute 11 ehemalige Residenzstädte der Ernestiner kennen. Zweimal war der Thron in Coburg verwaist, vorübergehend wurde das Herzogtum von anderen Regenten mitverwaltet, zuletzt von 1699 – 1735. Die gesellschaftlichen und administrativen Strukturen einer Residenzstadt lösen sich nicht von einem Tag auf den anderen in Luft auf. Das wäre aber durch Forschen in den Archiven aufzuklären. Praktisch aber war ohnehin Coburg schon 1729 wieder Regierungssitz, der hier (Anmerkung: und nicht etwa in Saalfeld) unterhielt Herzog Franz Josias (1697 – 1764), der Vater von Ernst Friedrich, seine „beschauliche Residenz“. Anmerkung: diese Formulierung stammte vom Verfasser des Artikels in der Tageszeitung. Franz Josias war es, der die sog. Primogenitur einführte und damit die ständigen Erbteilungen beendete.

An weiteren wesentlichen Aussagen über die Regierungszeit des Herzogs Ernst Friedrich vermisse ich:

.... erwähnt „jüngere Brüder“, des Herzogs Ernst Friedrich, die Militär-Dienste in auswärtigen Armeen leisteten. Einer davon war immerhin Friedrich Josias, als kaiserlicher Generalfeldmarschall einer der berühmtesten Coburger überhaupt. Dieser Hinweis fehlt!

Walter Schneier betont, dass die schlechte Finanzlage Folge der ungünstigen Umstände war, nicht persönliches Verschulden. Unter anderem kam es zu Missernten und extremen Teuerungen, die Herzog Ernst Friedrich auszugleichen versuchte. Überdies ist zweifelhaft, ob damals ein so kleines Staatsgebilde unter den damaligen vorindustriellen Verhältnissen eine gesunde ökonomische Basis bilden konnte. Anmerkung: der Kürzung, die ich selbst noch vorgenommen hatte, fiel der Hinweis auf einen Erbschaftsprozess zum Opfer. Ein gewisser Fürst Heinrich von Schwarzburg-Sondershausen hatte Ernst Friedrich zum Universalerben seines offenbar beträchtlichen Privatvermögens gemacht, diese Verfügung wurde aber angefochten, letztlich zum Nachteil des Coburg-Saalfelder. Dieser Fürst Heinrich scheint recht exzentrisch gewesen zu sein (Hinweis auf die entsprechenden Artikel in “WIKIPEDIA” sowie auch Deutsche Biographie, downl. 05/14.

Walter Schneier hebt insbesondere hervor, dass Herzog Ernst Friedrich in seiner Regierungszeit Versuchungen widerstand, sich Einnahmequellen durch den im 18. Jhdt. verbreiteten, berüchtigten „Soldatenhandel“, also dem „Verkauf“ junger Männer aus seiner Bevölkerung als Soldaten an fremde Mächte, zu verschaffen. Ausdrücklich lehnte er ein diesbezügliches Ersuchen aus Hannover ab.

Außerdem hätte noch etwas die „np“-Leser interessiert: Die „Pyramide“ am Siemauer Berg (eigentlich ein Obelisk) erinnert an das 50jährige Ehejubiläum von Herzog Ernst Friedrich u. Sophia Antoinetta. Das Denkmal wurde im April 1799 errichtet, ziemlich genau also vor 215 Jahren.

 

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