Der nachfolgende Text stammte - natürlich - von Werner Ungelenk. Als sein Nachfolger konnte ich einerseits darauf aufbauen, habe mir aber bei verschiedenen Gelegenheiten die Freiheit genommen, dies zu ergänzen. Dies hat Niederschlag in verschiedenen Ausgaben des “Farnkraut” der 90er Jahre und dann natürlich bei den großen Jubiläen der Jahre 2007 und vor allem 2011 seinen Niederschlag gefunden.

Hierzu die “internen links”

Alexandrinenturm

75 Jahre Alexandrinenhütte

Cob Zeitung 29. Mai 1906

Coburger Tageblatt 25. 03.1936

Herzogin Alexandrine

Die Zusammenfassung der Geschichte    des    Thüringerwald-Vereins   ist   ein   vordringliches   Anliegen   dieser Zeitschrift.   Daß   wir   diese historische   Aufgabe   einleiten mit einer Übersicht über die    Entwicklungsgeschichte unserer   Alexandrinenhütte, hat seinen aktuellen Anlaß in der Tatsache, daß unsere Hütte      Mittelpunkt      der Schlußkundgebung   des   64. Deutschen  Wandertages  am 6.  Mai 1963 sein wird.  Es hat seinen Grund aber auch darin, daß der 1905 auf der Sennigshöhe gelegte Grundstein identisch ist mit dem Grundstock,   aus   dem   sich unser Coburger Zweigverein entwickelt hat.


Unsere Alexandrinenhütte

Blenden wir zunächst zurück in das Jahr 1902. Am 3. Mai dieses Jahres feierte das ganze Coburger Herzogtum die 50. Wiederkehr des Tages, an dem Herzog Ernst II. seinem Land eine Verfassung gegeben hat. Aus diesem Gedenken heraus ist der Plan entstanden, auf der Sennigshöhe (523 Meter über dem Meeresspiegel), dem höchsten Punkt im Coburger Land, einen Aussichtsturm zu errichten. Dieser Plan hat seinen Niederschlag gefunden in der folgenden Urkunde:

Ein historisches Dokument
 

Durchlauchtigste Frau Herzogin! Gnädigste Fürstin und Frau!
Als am 3. Mai 1902 zur Erinnerung an den 'Tag, an welchem 50 Jahre zuvor unser hochseliger Herzog Ernst seinem Land eine Verfassung gegeben hatte, von den Höhen unserer Berge Freudenfeuer loderten, da gedachten am Fuße der Sennigshöhe, in Meeder, eine große 2ahl treuer, patriotischer Männer ebenfalls unseres verewigten, um sein Land so hoch-verdienten Fürsten und unserer von allen Coburgern innig -verehrten und geliebten Herzogin Alexandrine.
Aus diesem Gedenken heraus entstand der Plan, auf der benachbarten Sennigshöhe, der höchsten Erhebung in unserem Lande, einen Aussichtsturm zu bauen und ihn mit dem Namen zu ehren und zu schmücken, der in allen Herzen unserer Heimat den freudigsten Widerhall findet: mit dem Namen Ew. Hoheit.
Nach mancherlei Vorbereitungen ist ein aus den Unterzeichneten gebildetes Comite mit der Ausführung des Planes beauftragt worden. Wir erlauben uns daher an Ew. Hoheit die ehrerbietigste Bitte zu richten:
Ew. Hoheit wolle aller gnädigst gestatten, daß dem auf der Sennigshöhe bei Meeder zu erbauenden Aussichtsturm der Name
„A l e x a n d r i n e n t u r m" beigelegt wird.
Coburg und Meeder, am 21. Juni 1904.
Ew. Hoheit ehrerbietigst, untertänigst ergebenes Comite zur Erbauung eines Aussichtsturmes auf der Sennigshöhe.
Max Appel,                        Gottl. Römhild,
Vorsitzender.             stellvertretender Vorsitzender
E. Altenstädter,                         R. Tischer
Schriftführer                           Kassierer
Dr. Gebhardt,           Günzlein,              Pf. Kettels,
Beisitzer.
 

Genehmigung   durch   Herzogin   Alexandrine   am 25. VI. 04 erteilt.

Am 8. XI 04                     500 M Zuschuß bewilligt

Der Anstoß zur Vereins-Gründung
 

Umfangreiche Vorarbeiten waren zu leisten, erhebliche finanzielle Schwierigkeiten zu meistern, ehe der stattliche Turm, der bald zu einem der schönsten Aussichtspunkte unserer Coburger Heimat werden sollte, am 27. Mai 1906 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Um dieses Werk auch finanziell erfolgreich abschließen zu können, hatte sich der seinerzeitige „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs e. V. Coburg" u. a. an den Thüringerwald-Hauptverein in Eisenach, dessen korporatives Mitglied er war, mit der Bitte um einen Zuschuß gewandt. Der Bitte wurde durch die Bewilligung des damals erheblichen Betrages von 500 Mark entsprochen. Allerdings knüpfte der Hauptvorstand in Eisenach an diese Bewilligung die Erwartung, daß nunmehr auch in Coburg der Thüringerwald-Verein einen Zweigverein erhalte. Der Vorsitzende des Alexandrinenturm-Comites, Kaufmann Max A p p e l, hat diese Erwartung des Eisenacher Hauptvereins unverzüglich dem wanderfreudigen Coburger Turnlehrer Emil Rädlein unterbreitet und in ihm sofort einen begeisterten Befürworter der Eisenacher Anregung gefunden.

Bereits am 25. Mai 1907, genau ein Jahr nach der Einweihung des Alexandrinenturms also, konnte die Gründung des Zweigvereins Coburg im Thüringerwald-Verein vollzogen werden. Dieser Gründungsakt ist demnach eine unmittelbare Folgeerscheinung der Errichtung des Alexandrinenturms, dessen Pflege im Allgemeininteresse fortan auch zu einem •wesentlichen Anliegen der Coburger Thüringerwäldler geworden ist.
 

Coburgs begehrtestes Wanderziel

Freilich reichte die bescheidene Finanzkraft des im ersten Jahr auf 180 Mitglieder angewachsenen Thüringerwald-Vereins nicht aus, die nicht unerheblichen Mittel zur Erhaltung des Turmes entscheidend zu stärken. Der herrliche Ausblick, den dieser Turm zu den Höhen des Frankenwaldes, des Fichtelgebirges, der Berge des Main- und Haßgaues und zum Thüringer Wald hinüber bot, hat ihn sehr schnell zu einem begehrten Wanderziel vor allem der Schuljugend werden lassen.
Schon bald stellte sich heraus, daß bei der Wahl des Materials zum Turmbau einer solch enormen Beanspruchung nicht genügend Rechnung getragen worden war. Die Witterungsverhältnisse auf der exponierten Sennigshöhe taten ein übriges, die Standfestigkeit des markanten Turmes zu erschüttern. Es kam hinzu, daß die nicht vorauszusehenden Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse die erforderliche Pflege des Turmes in Frage stellten.
 

Nach 30 Jahren bereits gesprengt

Als schließlich eine gefahrvolle Baufälligkeit festgestellt werden mußte, entschloß sich der Coburger „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs" am 27. April 1926, auf sein Eigentumsrecht zu verzichten. Der dadurch herrenlos gewordene Turm, um den sich nun niemand mehr kümmerte, war damit sehr bald der Einsturzgefahr ausgesetzt, so daß sich das Coburger Landratsamt als Aufsichtsbehörde zu umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen entschließen mußte. Der Staat, der den Turm schließlich als „Sorgenkind" in seinen Besitz genommen hatte, veranlaßte dann auf Grund von Sachverständigen-Gutachten, daß der Turm am 22. März 1936, also knapp 30 Jahre nach seiner Einweihung, durch Coburgs Technische Nothilfe gesprengt wurde.

Die Hütte — ein Werk Carl Eschers
 

In diesem Augenblick ergriff der damalige Regierungsinspektor Carl E s c h e r , seinerzeit bereits 1. Vorsitzender des Thüringerwald-Vereins, die Initiative zu dem Vorschlag, aus dem Material des gesprengten Turmes eine Schutzhütte für Wanderer errichten zu lassen und den Thüringerwald-Verein mit der Betreuung dieser Hütte zu beauftragen. Eschers seinerzeitiger Amtsvorstand, Bezirksoberamtmann D e h l e r , hat, ebenso wie sämtliche Mitglieder des Kreistages, diesem Vorschlag von vornherein großes Interesse entgegengebracht.

Architekt Max von Berg wurde alsbald beauftragt, nach den Vorschlägen Eschers einen Entwurf vorzulegen. Mit Hilfe der tatkräftigen Mitarbeit heimischer Handwerker, an ihrer Spitze Maurermeister Enno Geisthardt, Meeder, Baumeister Eichhorn, Unterlauter, Schreinermeister Bischoff, Meeder, Klempnermeister Eichhorn, Meeder, und Brunnenbohrer S c h e l e r , Rossach, war es möglich, im Zeitraum von knapp vier Monaten eine massive und architektonisch wirkungsvolle Schutzhütte auf den Turmfundamenten zu errichten und die Alexandrinenhütte bereits am 18. Juli 1936 ihrer Bestimmung zu übergeben. Dieses Ereignis stand im Zeichen außerordentlich starker Beteiligung der Coburger Stadt- und Landbevölkerung, an deren Spitze das Coburger Herzogspaar dem Weiheakt beiwohnte.

Ehrenvoller Betreuungsauftrag

Die Frage der Hüttenbetreuung fand ihre Lösung alsbald darin, daß der Landrat in Anerkennung der Initiative Carl Eschers dem von ihm geführten Thüringerwald-Verein diese Aufgabe übertrug. Sehr schnell verstand es der Verein, auch die ideal gelegene Hütte zu einem der anziehendsten Wanderziele im Coburger Land zu machen. Die (mit Ausnahme der Kriegs- und Nachkriegs jähre) alljährlichen Hüttenfeste sind seitdem ein Ereignis, das weiteste Kreise anspricht. Der Ausdehnung der Besucherzahlen bei diesen Hüttenfesten konnte nur Rechnung getragen werden dank der Bereitschaft der Mirsdorfer Gutsbesitzer N o e und Gräfin Martha von Z e d w i t z , ihre an die Hütte angrenzenden Waldungen als Erholungsstätten zur Verfügung zu stellen.

Hausbesitzer durch Geschenk

Nachdem der Thüringerwald-Verein die Hütte 16 Jahre lang als Pächter betreut hatte, wurde sie ihm am 31. August 1952 vom Landkreis Coburg auf einstimmigen Beschluß des Kreistages zum Geschenk gemacht. Seitdem pflegt der Thüringerwald-Verein sein nunmehr eigenes Heim nicht nur zur Freude seiner Mitglieder, sondern auch zum Wohle der Allgemeinheit und zum Segen der heranwachsenden Wanderjugend.
Im Beisein der Gräfin von Z e d w i t z , der Kreisräte Willi Puff, Wiesenfeld, und Max Q u e c k Oeslau, der Bürgermeister und Gemeinderäte von Mirsdorf und Ottowind, des Vorsitzenden der Sektion Coburg des Deutschen Alpenvereins, Erich Schneider, und des Bezirksschulrats H o f m a n n , Stadtsteinach, als Vertreter des benachbarten Frankenwaldvereins stellte Landrat Rudolf K a e m -m e r e r bei der Übereignungsfeier auf der Sennigshöhe fest, daß dieser Akt der Schenkung nicht nur die Anerkennung der fürsorglichen Obhut darstelle, die der Thüringerwald-Verein der Alexandrinenhütte seit ihrem Bestehen habe angedeihen lassen. Es komme darin auch der Wunsch des Kreistages zum Ausdruck, dem Verein auf diesem grenznahen Boden eine Heimstätte zu geben, von der aus sich seine Aufgabe fruchtbar entfalten könne, in der Pflege des Wanderns und der Naturliebe, des Heimatgedankens und des in ihm wurzelnden Kulturbewußtseins weitesten Kreisen die Schönheiten unseres Landeszu erschließen.


Der Hütte dienen von Herzen gern

Carl E s c h e r übernahm als neuer Hausherr mit herzlichen Dankesworten die Schutzhütte in die Obhut des Thüringerwald-Vereins, in dessen Auftrag er dem Landrat für dessen Dienststelle eine Großaufnahme der Alexandrinenhütte überreichte. Ebenso dankbar gedachte Escher des Bezirksoberamtmanns Dehler, der die Verwirklichung des Hüttenprojekts ermöglicht hatte.

Die Vereinsjugend, die mit Spiel und Gesang trotz Wind und Regen die Übereignungsfeier an der mit Tannengrün und Heide geschmückten Hütte umrahmt hatte, gab anschließend die Versicherung, ihrerseits „der Hütte zu dienen von Herzen gern". Die ersten Glückwünsche zum eigenen Heim konnte der Thüringerwald-Verein von den Vertretern des Alpenvereins und des Frankenwaldvereins entgegennehmen.

Blockhaus brachte Entlastung
 

Knapp zwei Jahre nach diesem Ereignis sah sich der Thüringerwald-Verein infolge der nicht mehr ausreichenden Raumverhältnisse veranlaßt, durch Baumeister Eichhorn, Unterlauter, hinter der Schutzhütte ein Blockhaus errichten zu lassen, das am Himmelfahrtstag 1954 seiner Bestimmung übergeben wurde. Das Blockhaus trug zunächst der Notwendigkeit Rechnung, als Abstellraum die räumlich beengte Schutzhütte zu entlasten. Sehr bald schon aber ging der Verein noch einen Schritt weiter und ließ durch Schreinermeister Hugo R o t h , Rodach, das Blockhaus in einen zusätzlichen Aufenthaltsraum mit landschaftsgebundener Einrichtung verwandeln.

Hüttendienst — ein Ehrenamt    -
 

Dem zunehmenden Besucherstrom ließ der seit Errichtung der Schutzhütte von treuen Wanderfreunden ehrenamtlich übernommene Hüttendienst jederzeit eine mustergültige Betreuung angedeihen. Das Amt des Hüttenwartes hat Carl E s c h e r als Vereinsvorsitzender bis zum Jahre 1959 selbst geführt. Von ihm hat Claus D i e r c k s die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen, die er infolge beruflicher Veränderung an Horst E g g e r t weitergeben mußte. Nunmehr versieht Hilmar M a n d l e r den arbeitsreichen Posten des Hüttenwarts, wie seine Vorgänger tatkräftig unterstützt von seiner Gattin und von der Hüttengemeinde innerhalb des Vereins, deren Mitglieder zum Teil bereits jahrzehntelang mit großem Idealismus ihren ehrenamtlichen Dienst versehen. Dieser turnusmäßig vergebene Dienst beginnt jeweils am Samstag mittag und endet am Sonntag abend.

Jedermann kann sich erfrischen
 

Es ist die Aufgabe dieses Hüttendienstes, für die besuchenden Vereinsmitglieder und vereinsfremden Wanderer die Hütte stets in gastlicher Bereitschaft zu halten und bei gutem Wetter die im Hüttenkeller aufbewahrten Tische und Bänke im Schatten der Ulme vor dem Haus oder auf der zwei Meter breiten überdachten Veranda der Hütte aufzustellen, um hier im Bedarfsfall weit über 100 Menschen Sitzgelegenheit zu bieten. Darüber hinaus sorgt der Hüttendienst für Sauberkeit und Ordnung im gesamten Hüttenbereieh, zu dem auch die Raum zu Zeltlagern bietenden angrenzenden Waldungen gehören; er trägt die Verantwortung für alle notwendigen kleineren Reparaturen; und selbstverständlich sorgt er für Erfrischung, notfalls sogar für eine warme Suppe, wenn Wandersleute Zuflucht vor Sonne oder Regen in dieser Schutzhütte suchen.

Ein Werk der Gemeinschaftshilfe
 

Alles, was diese Hütte birgt, hat der Thüringerwald-Verein in Gemeinschaftshilfe zusammengetragen, angefangen bei der stets aktionsbereiten Hausapotheke bis zur gesamten Innenausstattung der behaglich holzverkleideten Gästestube im altdeutschen Stil und der freundlichen kleinen Küche. Es fehlt bei dieser zweckmäßigen Einrichtung weder der Gaskocher, noch der Kühlschrank, noch der Kohleherd. Es fehlt auch nicht die von der Propangasflasche gespeiste Beleuchtung und es fehlt vor allem nicht an einem Schlafraum mit ausreichend Betten für Hüttenwart und Hüttengemeinde. Auch die aus 32 Meter Tiefe schöpfende Wasserpumpe vor der Hütte ist der Vereins-initiative zu verdanken. Im Rückblick auf die Geschichte der Alexandrinenhütte kann nicht verhehlt werden, daß der Thüringerwald-Verein mit der Betreuung   dieses dem Allgemeinwohl  dienenden  Wanderzieles eine nicht leichte Aufgabe übernommen hat. Auch der Krieg ist nicht spurlos an dieser Hütte vorübergegangen. Aber die Idealisten des Vereins haben es verstanden, alle Wunden zu heilen und stets opferbereit dafür zu sorgen, daß der Besuch auf der Sennigshöhe für jeden, den es dorthin zieht, um seine Blicke weit über das fränkische und das thüringische Land schweifen zu lassen, zu einem nachhaltigen heimatlichen Erlebnis wird.
 

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