Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1965

 Franz Geßlein hat unschätzbare Verdienste

 Überwältigender Vertrauensbeweis für seinen Nachfolger Ernst Eckerlein

 »Es ist nicht einfach, Nachfolger eines Franz Geßlein zu sein." Mit diesen Worten hat Ernst Eckerlein in der sehr gut besuchten Jahreshauptversammlung am 19. Januar das Amt des 1. Vorsitzenden übernommen, das Franz Geßlein wegen seiner neuen beruflichen Verpflichtungen außerhalb Coburgs hat abgeben müssen. Wir sind jedoch überzeugt, daß unserem Wanderfreund Eckerlein die Amtsführung erleichtert wird durch den überzeugenden Vertrauensbeweis seiner nahezu einstimmigen Wahl und durch die Unterstützung, die ihm die bewährte Mitarbeiterschar des Gesamtvorstandes zugesichert hat. In ihr ist neu nur Wegemeister Otto Treuter. Er hat Siegfried Meyer abgelöst, dessen beruflicher Wirkungskreis jetzt ebenfalls außerhalb Coburgs liegt.

 Nachdem die Hauptversammlung der alten Mannschaft durch einstimmige Wiederwahl ihr uneingeschränktes Vertrauen bestätigt hat, setzt sich der Gesamtvorstand nunmehr wie folgt zusammen:

Ernst Eckerlein (1. Vorsitzender), Arno Völk (2. Vorsitzender), Lothar Haenel (Schriftführer), Cläre Leipold (Schatzmeisterin), Mile Reichardt (Hauptjugendwartin), Klaus Ehrlicher (Wanderwart), Otto Treuter (Wegemeister), Hilmar Mandler (Hüttenwart), Emil Türk (Inventarwart), Werner Ungelenk (Pressewart).

In den Hauptausschuß wurden berufen: Ehrenwegemeister Karl Köhler, Franz Reinhardt als Naturschutz- und Vergnügungswart, August Marr als Vertreter des Kleinen Wanderkreises, sowie die Mitglieder Dr. Fritz Schumann, Max Schwämmlein, Ernst Köhler, Franz Geßlein und Jürgen Linhardt. Zu Kassenprüfern wurden Karl Eger und Otto Hollandt bestimmt.

 Einmütiger Dank und Anerkennung

 Die Amtsübergabe an den neuen Vorstand vollzog sich im Zeichen einmütiger und dankbarer Anerkennung der Verdienste, die sich Franz Geßlein um den Thüringerwald-Verein und die deutsche Wandersache erworben hat. Als Wahlvorstand würdigte sie Paul Fischer mit der Feststellung, daß der Name Geßleins, in dessen sechsjähriger Amtszeit sich der Mitgliederstand von 370 auf 660 erhöht hat, ebenso einen Ehrenplatz in der Vereinsgeschichte behaupten werde wie die Namen Emil Rädlein und Carl Escher.

Im Rückblick auf die außerordentlichen Anforderungen, die vor allem in den Jahren 1963/64 mit den Wandertagen in Coburg und Freiburg an den Thüringerwald-Verein gestellt waren, bestätigte Ehrenvorsitzender Carl E scher dem scheidenden 1. Vorsitzenden, daß die Erwartungen nicht enttäuscht worden sind, die man schon frühzeitig in die Nachfolgerqualitäten des „tüchtigen kleinen Geßlein" gesetzt habe. Mit dem Ausdruck des Dankes für alle Mühe und Treue verband er die Überzeugung, daß Ernst Eckerlein so „mit ganzem Herzen bei der Sache" bleiben werde, wie er es bisher war. Auch er habe das volle Vertrauen und finde tatkräftige Unterstützung aller Wanderfreunde.

In ihrem Namen überreichte Ernst Eckerlein seinem Amtsvorgänger als äußeres Zeichen der Dankbarkeit das zur Naturverbundenheit durch Wandern anreizende Buch „Deutsche Naturparke". Er stellte zugleich fest, daß ihn — gestützt auf den verpflichtenden Vertrauensbeweis der Hauptversammlung — die bewährte Mitarbeiterschar zu der Überzeugung berechtige, dem von Franz Geßlein zu enormer Höhe geführten Verein zu weiterem Erfolgswirken verhelfen zu können.

 Carl Escher - Seele des Vereins

 Seinen Glückwunsch zu dieser Vertrauenskundgebung verband Geßlein mit dem Ausdruck der Zuversicht, daß es mit dem Thüringerwald-Verein und seiner in breitester Öffentlichkeit dankbar anerkannten Arbeit zum Wohle der Wandersache, zum Schutze der Natur und zur Pflege unserer geliebten Heimat auch unter Ernst Eckerlein weiter bergauf gehen werde. Die ihm bekundete Dankbarkeit übertrug Geßlein abschließend auf den Ehrenvorsitzenden Carl Escher, „der auch in Zukunft bleiben wird, was er uns immer war: Die Seele und das Gewissen unserer Vereinsfamilie".

Herzliche Zustimmung fanden die Dankesworte des 2. Vorsitzenden Arno Volk für die unschätzbare Arbeit im Stillen, die Elfriede Geßlein an der Seite ihres Mannes für den Verein und die Wandersache geleistet habe. Mit dem gemeinsamen Gesang des „Deutschen Wanderliedes" klang die Amtsübergabe und damit der Wahlakt aus. 

Aus den Jahresberichten, die zur Hauptversammlung erstattet wurden, ist folgender Extrakt zu ziehen:

                     Zehnprozentiger Mitgliederzuwachs 1964

 Um 60 (also genau 10 v. H.) hat sich der Mitgliederstand im Berichtsjahr auf 660 erhöht. Er setzt sich zusammen aus 603 ordentlichen Mitgliedern (darunter der Ehrenvorsitzende, der Ehrenwegemeister und ein Ehrenmitglied), 5 korporativen Mitgliedern (Bezirkstag Oberfranken, Coburger Landesstiftung, Neue Presse GmbH Coburg, Heimatverein Mönchröden, Gemeinnütziger Verein e. V. Rodach) und 52 Jugendlichen in den „Sperber"- und „Spatzen"-Gruppen der Wanderjugend. Im neuen Jahr 1965 hat der Verein bereits weitere sechs Mitglieder gewonnen.

In Dankbarkeit sei auch an dieser Stelle noch einmal der sechs Vereins- und heimattreuen Wanderfreunde gedacht, die 1964 ihre letzte Wanderung angetreten haben: Julius Herzog, Ernst Volz, Wilhelm Jacobi, Paul Wischniowsky, Helene Walter und Rudi Mentzner, der sich als unentwegter Naturfreund die „Königswürde" erwandert hat, die Auszeichnung aber nicht mehr erleben durfte.

 Wanderjahr im Zeichen des Wandertages

 Das Wandern als Primäraufgabe des Vereins stand 1964 im Zeichen der besonders anspruchsvollen Bewährungsaufgabe, den Wandertagswimpel über eine Wanderstrecke von mehr als 600 km von Coburg nach Freiburg zu tragen. Hohes Können im Vollzug dieser Organisations- und Führungsaufgabe sowie im Umgang mit Karte und Kompaß hat die Wimpelgruppe unter Franz Geßleins Führung bewiesen. In die Anerkennung, damit eine bisher noch von keinem deutschen Verein erreichte Wanderleistung vollbracht zu haben, teilen sich: Harald und Herbert Döbrich, August Dötsch, Klaus Ehrlicher, Siegfried Fischer, Franz Geßlein, Brigitte Kopsch, Hilmar Mandler, Siegfried und Ursula Meyer, Johanna Mnich, Hildegard Pollitzer, Walter Renner, Otto Treuter, Gisela Volk und Günther Wöhner. 

Unvergessliche Wandererlebnisse

 Eine weitere außergewöhnliche Bewährungsaufgabe ist mit der neuntägigen Wanderfahrt durch den Kaiserstuhl, die Vogesen und den Schwarzwald zum 65. Deutschen Wandertag in Freiburg verbunden gewesen. Für die 67 Teilnehmer ist sie dank Ernst Eckerleins hervorragender Organisation und vorbildlicher Führung zum unvergesslichen Erlebnis geworden.

Außer der siebentägigen verbandsoffenen Ferienwanderung durch das Coburger Land, von Ernst Eckerlein organisiert und bewährten Vereins-Wanderführern betreut, wurden unter Beteiligung zahlreicher Gäste insgesamt 43 Wanderungen des Hauptvereins — darunter je eine Zwei- bzw. Eineinhalb-Tageswanderung, sechs Halbtagswanderungen und je eine Morgen-, Nacht- und Sternwanderung— durchgeführt. 1539 Wanderer — das sind 380 mehr als im Vorjahr und 33 im Rekord-Durchschnitt — haben sich an diesen erlebnisreichen Unternehmungen im Coburger Land und darüber hinaus bis weit in den Frankenwald, den Frankenjura, die Haßberge und das Grabfeld beteiligt und durch ihr tadelloses Auftreten für die Sache des Wanderns, der Heimat- und der Naturpflege geworben. Sie haben bei einem Durchschnitt von 24 km je Tageswanderung insgesamt 972 km (ohne Freiburg) zurückgelegt.

 Bewährtes Wanderführeraufgebot

 Durch sorgsame Planung und Vorbereitung der Wanderungen sowie durch sichere und lehrreiche Wegweisung haben sich als Wanderführer wiederholt bewährt oder erstmalig mit Erfolg erprobt: Ernst Eckerlein (6 Wanderungen), Klaus Ehrlicher, Franz Geßlein, Franz Reinhardt, Max Schwämmlein (je 4), Walter Renner (3), Horst Ronniger, Heinrich Sorge, Ernst Köhler, Arno Völk (je 2), August Dötsch, Siegfried Meyer, Dr. Fritz Schumann (je 1). Außerdem führten verschiedene Halbtagswanderungen Ernst Eckerlein, Franz Reinhardt und Arno Volk.

 62mal mit dem „Kleinen Wanderkreis"

 Mit 536 Wanderfreunden, die jeweils an den Planwanderungen des Hauptvereins nicht teilnehmen konnten, hat der „Kleine Wanderkreis" an allen Sonn- und Feiertagen des Jahres 1964 insgesamt 62 Kurzwanderungen über eine Gesamtwanderstrecke von 664 km durchgeführt. Vor allem Wanderfreund August Marr hat sich viel dankbar anerkannte Mühe gemacht, die kleinen Streifzüge durch das Coburger Land heimatkundlich interessant zu gestalten und in ihrem Ergebnis als heimatgeschichtliche Beiträge durch die Vereinszeitschrift zu vermitteln.

 Waldabende fanden wachsenden Zuspruch

 In familiär-geselliger Gemeinsamkeit waren im Laufe des Jahres 18 Verar staltungen vorwiegend der kulturellen Arbeit des Vereins gewidmet. Beim 57. Stiftungsfest, dem im Februar ein recht stimmungsvoller Faschingswaldabend vorausgegangen war, sangen sich die „Spatzen" mit frischfrohen Wanderliedern in die Herzen aller Wanderfreunde, bevor Ludwig Thomas vergnüglicher Bauernschwank „Die Brautschau" ein mitreißendes Beispiel der Pflege des Laienspiels im Verein gab. Außer dem Julabend… fanden noch 16 Waldabende statt, davon je einer in M«schenbach und Neustadt bei Coburg. Insgesamt 1789 Teilnehmer — das entspricht dem vorjährigen Rekord-Durchschnitt von 112 Besuchern an jedem Waldabend — zollten den durchwegs hervorragenden heimatkundlichen und naturwissenschaftlichen Lichtbildvorträgen von Gerhard Amm, Horst Ronniger, Hermann Schmidt-Nürnberg, Ernst Köhler, Karl Arnold, Rolf Gareis und Rektor Andreas Stubenrauch sowie den Wandertags- und Wanderjahres-Bildberichten von Günther Wöhner und Ernst Eckerlein dankbarste Anerkennung. Da der Besuch der Wald-abende durch das geringe Fassungsvermögen des Vereinslokals beeinträchtigt wurde, das sich ohnehin als Kriterium unseres Vereinslebens erwies, mußte die Wahl eines neuen Vereinslokals ins Auge gefaßt werden.

 Tatenfrohe Markierungsarbeit

 Im Vordergrund der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins stand 1964 die des Wegemeisters Siegfried Meyer und seiner selbstlosen Helfer. Sie haben nicht nur in freiwillig übernommener Patenschaft die Markierung aller Vereins-Wanderwege überprüft und erneuert bzw. verbessert, sondern als Beitrag zur Aktion „Steig aus und wandere" für Auto-Wanderer auch fünf Rundwanderwege in den Gebieten Lahm, Rodach, Mönchröden, Göritzenquelle und Hohenstein neu angelegt und einheitlich markiert. Die Vollendung eines sechsten Rundwanderweges im Neustadter Muppbergbereich steht bevor. Echte Schaffensfreude hat diese Arbeit ausgezeichnet, zu der Ernst Eckerlein wesentliche organisatorische und Karl Köhler verdienstvolle technische Hilfe geleistet haben. Möge diese der Allgemeinheit zugutekommende Arbeit nunmehr ihre Krönung finden in der vom Landratsamt zugesagten Anlage der jeweiligen Wanderparkplätze zu diesen Rundwanderwegen.

 Vorbildliche Hüttenbetreuung

 Daß Hüttenwart Hilmar Mandler zum Jahresschluß eine schuldenfreie Bilanz aufstellen konnte, will viel bedeuten nach dem erheblichen finanziellen Aufwand von über 6 000 DM, den die unvermeidliche Erneuerung des Hüttendaches erforderlich gemacht hat. Dank gebührt auch an dieser Stelle allen Spendern und Arbeitshelfern zum gelungenen Werk. Dank aber auch dem Hüttenwart-Ehepaar und dem Hüttendienst (einschließlich der hüttenbegeisterten Jugend), die in unserem Wanderheim insgesamt 33 reguläre und fünf Sonder-Dienstleistungen bei Besuchen von Behörden und Organisationen auf sich genommen und die Alexandrinenhütte wie ihr persönliches Zuhause gepflegt haben. Der Wunsch, ihnen in Zukunft Sondereinsätze an Werktagen zu ersparen, ist verständlich. Das beeinträchtigt nicht ihre Freude am Hüttendienst und ihre Liebe zur Hütte, die sie auch 1965 als das Werk unseres Ehrenvorsitzenden zu pflegen und in Ordnung zu halten bereit sind.

 Verantwortungsvolle Naturschutzarbeit

 Den Aufgaben des Natur- und Landschaftsschutzes ist der Verein umso mehr verpflichtet, als Naturschutzwart Franz Reinhardt sein verantwortungsvolles Aufgabengebiet mit seiner Arbeit als ehrenamtlicher Kreis-Naturschutz-Inspektor zu koppeln vermag. Die von ihm zu betreuenden Objekte — markante Bäume, Baumgruppen, Felsen, Teiche, Pflanzen usw. — gehen in die Hunderte und befinden sich zu 80 % in bester Ordnung. Der Rest wird zusammen mit neuen schutzwürdigen Objekten auch in Zukunft Reinhardts pflegliche Bearbeitung finden, wobei ihm seine naturverbundenen Wanderfreunde im Einsatz gegen alle der heimischen Landschaft drohenden Gefahren tatbereite Helfer sein werden.

 Vorzügliche Kassenordnung

 Den nun einmal unvermeidlichen geschäftlichen Aufgaben des Vereins waren 1964 sechs Vorstands- und Beiratssitzungen gewidmet, die sich durch verständnisvolle und damit fruchtbare Zusammenarbeit und starke Arbeitsintensität ausgezeichnet haben. In vorzüglicher Ordnung sind nach der Feststellung des Kassenprüfers Paul Kostka sowohl die Hüttenkasse wie auch die Vereinskasse, mit der Cläre Leipold nach langer, schwerer Krankheit eine für sie zunächst ungewohnte und zudem umfangreiche und verantwortungsvolle Arbeit übernommen hat. In problemlosem Zusammenwirken mit dem Vorstand wurden die Kassengeschäfte in beiden Fällen durch sparsames Wirtschaften positiv entwickelt und zu einer Erfolgsbilanz geführt. Nichts bestätigt das eindeutiger als die Feststellung des Kassenprüfers, daß sich der Verein eine bessere Schatzmeisterin und einen besseren Hüttenwart nicht wünschen kann.

Es besteht also alle Veranlassung zu einem dankbaren Rückblick auf die Gesamtarbeit des Vereins im Jahre 1964, in der sich besondere und mit der silbernen Ehrennadel anerkannte Verdienste erworben haben: Cläre Leipold, Marie Türk und Else Mandler. Die nicht minder anerkennenswerten Verdienste um den Kleinen Wanderkreis wurden den Wanderfreunden August Marr und Ludwig Berghof durch Buchprämien bescheinigt. Weitere Ehrungen erfuhren Helene Lieb und Louis Rattel für ihre 40jährige sowie Gustav Daum, Ilse Hopf, Armin Jakob, Friedel Lützelberger und Herbert Schulz für ihre 25jährige Vereinstreue. Ihrer aller Beispiel wird der Arbeits- und Wanderfreude unserer gesamten Mitglieder auch im kommenden Jahr neuen Auftrieb geben.

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