Aus dem „Farnkraut“ Nr. 3/1981, also meinen Anfangsjahren als Schriftleiter dieses Blatts:

Künstler unserer Heimat

Herbert Stefan Ott

Eine meiner ersten Arbeiten für das “Farnkraut”. Ich habe damals Herrn Ott noch persönlich aufsuchen können und von ihm für diesen Beitrag und auch sonst einige seiner Arbeiten zum Abdruck bekommen. Ich werde mich bemühen, dies auch für diese “Internet”-Publikation zu erreichen.

Viele unserer Leser werden „einen Ott" zu Hause haben, einen Holzschnitt, eine Radierung oder vielleicht eine Zeichnung. Ott ist nun aber kein „heimischer Künstler" in dem engen Sinne, nur Städteansichten und Landschaften zu produzieren. Er hat nicht nur, sondern auch unsere Heimat meisterhaft dargestellt und zwar eben nicht in jenem platten Realismus, der dem Genre gelegentlich anhaftet oder nachgesagt wird.

Ich kann und will mich hier nicht zum Kunstkritiker aufschwingen, empfehle aber doch, einmal zu vergleichen! In vielen Fremdenverkehrsorten werden Städteansichten und Landschaften angeboten, als Stich, Holzschnitt usw. Halte eines jener Reiseandenken neben einen Ott und stelle fest, daß ein Werk von Ott mehr ist als nur eine schöne Ansicht.

Manchem Leser ist Herbert Ott sicher auch als Zeichenlehrer an der Oberrealschule in Neustadt (bis 1952) oder der (lewerbeschule in Coburg (1952 bis 1978) hekannt. Ott - 1915 in Kulmbach geboren - lebt seit Kriegsende im Coburger Land.

Nach einer Lehre als Lithograph in Kulmbach ging Ott an die Akademie der leidenden Künste in Nürnberg. Als Meisterschüler von Max Körner empfing er entscheidende Einflüsse.

Herbert Appeltshauser führte vor einigen Jahren anläßlich einer Ausstellung von Werken Herbert Ott's im Coburger Kunstverein aus:

„In den Nürnberger Jahren erarbeitete sich der Künstler eine Holzschnittechnik, die seiner natürlichen handwerklichen und zeichnerischen Begabung bis heute vollendeten Ausdruck verleiht. Er verzichtet dabei auf das übliche Instrumentarium der Holzschneider und Graveure. Mit einem einzigen, virtuos geführten Breitstichel gewinnt er dem Holzstock alle Möglichkeiten des Schwarzweiß ab, dünne Linien werden mit dem auf die Kante gestellten Werkzeug gezogen. In dieser Zeit entstanden auch etwa 25 Exlibris, die ersten von vielen Hunderten. Denn kaum ein anderer Künstler hat wohl je in Deutschland diese besondere graphische Gattung ein Leben lang mit solcher Hingabe gepflegt wie Herbert Ott. In diesen kleinen Blättern hat er sich alle Bereiche des Darstellbaren mit scheinbar nie versiegender Erfindungskraft zu eigen gemacht; sie sind es, die in Sammlerkreisen seinen europäischen Ruf begründen.

Arbeiten von Herbert Ott waren auf Ausstellungen in der Bundesrepublik und in der DDR, in Japan, Spanien, Italien, Jugoslawien, Ungarn und Polen zu sehen...

Doch Herbert Ott hat sich nicht ausschließlich der Kleingraphik zugewandt, sie ist nur ein Teil seiner Leistung.

Nach dem Verlust seiner Nürnberger Wohnung, die 1945 mit einer ersten, kostbaren, 6000 Blätter alter Exlibris umfassenden Sammlung in Flammen aufging, wohnt der Künstler in Oeslau. Neben seiner künstlerischen Arbeit als freier Graphiker widmet er einen Großteil seiner Zeit dem Ausbau seiner enormen und wohlgeordneten Sammlung von Exlibris und Klein- und Familiengraphik. Sie besteht heute aus 30 000 Originalen namhafter Künstler aus aller Welt.

Herbert Ott kann heute auf eine mehr als 40jährige künstlerische Produktion zurückblicken. In langer, zielsicherer Entwicklung hat er die ihm eigene Formensprache gefunden. Er ist dabei im Innersten ein Hand-Werker geblieben, ein Meister im besten Sinne des Wortes, in dessen Wesen sich Redlichkeit und Werktreue, Fleiß und Geduld mit Gedankenreichtum und schweifender Phantasie in glücklicher Weise vereinen."

Gelegenheiten, Arbeiten von Herbert Ott zu erwerben, bestehen u. a. bei vielen Ausstellungen des Coburger Kunst-Vereins und bei ihm selbst (Rödental-Oeslau, Schalkauer Str. 64).

Hans D. Bürger

bezieht sich auf das Erscheinungsjahr in der 1981 gedruckten Ausgabe des “Farnkraut”

 

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