Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1990

 Dies war die erste Jahreshauptversammlung nach der „Wende“ und hatte deshalb eine ganz besondere Bedeutung. Die Zeichen standen schon damals auf der Neugründung des Thüringerwald-Vereins in Thüringen. Überhaupt hatten wir große Erwartungen in die Zukunft, nicht nur, was die künftige Entwicklung des Thüringerwald-Vereins anging, sondern selbstverständlich auch die wirtschaftliche Entwicklung im bisherigen Zonenrandgebiet.

 Aufbruchstimmung

 Diese Jahreshauptversammlung war anders als die allermeisten der vorherigen. Eigentlich wäre alles nur Routine gewesen, denn etwa Neuwahlen oder Satzungsänderungen standen nicht an.

Doch die neue Epoche in unserem Verhältnis zu Thüringen drückte unübersehbar der Versammlung ihren Stempel auf. Dies zeigte sich vor allem an den recht stattlichen Abordnungen neugegründeter oder neuzugründender Ortsgruppen des Thüringerwald-Vereins aus der DDR.

1. Vorsitzender Wolfgang Süße konnte Abordnungen aus Neuhaus a. R., Schleusingen, Eisfeld und Saargrund begrüßen.

 Unter den Delegationen von „drüben" bemerkte man verhältnismäßig viele jüngere Leute. Er gab den Beschluß des Vorstands bekannt, daß Mitglieder des Thüringerwald-Vereins Coburg mit Wohnsitz in Thüringen bis 31. 12. 1991 beitragsfrei sind.

 Süße erinnerte in einem kurzen historischen Rückblick an den Entschluß, nach 1945 als Thüringerwald-Verein weiter zu bestehen und sich nicht etwa dem Frankenwaldverein anzuschließen. Daher habe sich der Thüringerwald-Verein auch die 1984 verliehene Eichendorffplakette verdient. Die Bemühungen um eine Wiedergründung des Thüringerwald-Vereins „drüben" konzentrierten sich auf den 24. März. An diesem Tag vor 110 Jahren war in Eisenach der Thüringerwald-Verein gegründet worden.

 Gegen das von Renate Haenel verlesene Protokoll der letzten Hauptversammlung gab es keine Einwendungen.

 Waldemar Barnickel berichtete als Naturschutzwart über die ökologischen Aktivitäten des Vereins. Unter anderem machte er sich die auch schon von anderer Seite erhobene Forderung zu eigen, den ehemaligen Zonengrenzstreifen als Biotop zu erhalten.

Aus dem Bericht von Hauptwegemeister Günther Peter klang die Sorge darüber hinaus, daß die Wegemeisterei unterbesetzt und überaltert sei. Etwa 410 km an Wanderwegen würden betreut, die meisten Mitarbeiter seien über 70 Jahre alt. Aktuell sei ferner das Problem der Markierung evtl. grenzüberschreitender Wanderwege. In diesem Zusammenhang schaltete sich auch ein Wanderfreund aus der DDR ein und berichtete über die Unterschiede in der Betreuung zwischen den bisher staatlich unterhaltenen und sonstigen Wegen. Die staatlich unterhaltenen Wanderwege seien in Ordnung, andere seien verfallen und müßten eventuell anhand alter Karten rekonstruiert werden.

Hauptwanderwart Wilhelm Bauer berichtet über das abgelaufene Wanderjahr und gab einen Überblick auf die Planungen für 1990. Im Mittelpunkt des Berichts von Hüttenwart Günter Völk stand der Neubau der Blockhütte. Diese Maßnahme habe ein entsprechendes Loch in die Hüttenkasse gerissen. Er dankte den freiwilligen Helfern für ihren Einsatz. Der Pressewart H. D. Bürger berichtete-über die Tätigkeit bei der Herausgabe des Farnkraut".

 Weiterhin erstatteten ihre Berichte der 2. Vorsitzende in Vertretung von Ingrid Probst als Kulturwart sowie Emil Türk als Inventarwart.

Einen geordneten Kassenbericht konnte Schatzmeisterin Hilde Hahn vorlegen. Die Ordnungsmäßigkeit wurde von Revisor Kurt Reißenweber bescheinigt. Auf seinen Antrag hin wurde dem Gesamtvorstand die Entlastung erteilt. Zum Abschluß des offiziellen Teils überreichte Wfr. Ludwig Wächter (Saargrund) zur Erinnerung ein Bild des Panoramahotels Oberhof.

 Wegen des übervollen bisherigen Programms  mußte  der  Jahresrückblick   in Form einer  Diaschau  zeitlich recht  gedrängt durch Wilhelm Bauer erfolgen.