Natur und Umwelt
Wurstpapier-Ökologie
Es stand (Anm. : 1993) in der Zeitung, auf Seite 3: oben ein riesiges Foto über 4 Spalten. Es zeigt eine Teilansicht aus einem Coburger Metzgerladen. Nicht gar so gewaltig war der dazugehörige Text, immerhin auch noch ein 4-Spalter. Darin stand zu lesen, was die Umwelt in diesem unserem Lande zu retten vermag.
Das hat schon immer brennend interessiert und so nahmen wir zur Kenntnis: der Verzicht auf das sonst übliche Einwickelpapier in der Metzgerei. Es geht also im Wortsinne um die Wurst. Des Deutschen nach dem Sauerkraut liebste Speise soll demnach in vom Kunden mitzubringende Behältnisse  - im Bericht sind diese genauer als Töpfe oder Schüsseln definiert -unmittelbar abgefüllt werden. Lt. Überschriftsoll dies für "Schmorbraten" gelten. Ob das Verfahren für Eisbein anwendbar ist, bleibt der Kombinationsgabe des Lesers überlassen. Auf diese Weise soll Verpackungsmaterial eingespart werden.

Ach ja, und dann stand noch etwas auf dieser Zeitungsseite. Nicht so groß aufgemacht, gerade mal ein 2-Spalter mit wenigen Zeilen. Dafür eingerahmt wie eine Todesanzeige. Überschritt: "A 73": Innenministerium prüft Ost- und Westumgehung Coburgs. Die Öffentlichkeit reagierte auf die nunmehr neuerlichen Umweltzerstörungspläne erstaunlich gelassen. Kein vergleichbarer allgemeiner Aufschrei wie beim "ICE" . Wo immer die Autobahn gebaut werden soll, es geht nicht nur um einige Dutzend Bäume, sondern sicherlich um hunderte von Hektar Wald, die zubetoniert werden sollen.
Nun bin ich kein prinzipieller Gegner von Straßenneubauten. An dieser Stelle habe ich vor nunmehr 10 Jahren mich für die Verlängerung des Frankenschnellwegs bis Coburg ausgesprochen, was nicht nur Zustimmung gebracht hat. Den Anschluss des Coburger Landes an das Autobahnnetz halte ich nach wie vor für notwendig.
Etwas anderes ist aber die Zerschneidung des Coburger Landes und des Thüringer Waldes durch eine Transit-Autobahnstrecke. Eine solche kann gar nicht so viel an wirtschaftlichen Vorteilen bringen wie sie zerstört, besonders bei derart unglaublich monströsen Planungsvarianten wie der "Trassenbündelung" ("ICE" und Autobahn würden nebeneinander verlaufen).
... Im Übrigen zeigen die Erfahrungen der gegenwärtigen Rezession, daß erstklassige Verkehrsanbindungen keineswegs ein Allheilmittel gegen strukturbedingte Arbeitsmarktprobleme sind. Macht es eigentlich Sinn, ob "Gleichmacherei" in dem Sinne anzustreben ist,
daß etwa die Verhältnisse im Umkreis des Leverkusener Kreuzes oder der Großräume Frankfurt und München bundesweit hergestellt werden?
Ja zu einer regionalen Strukturpolitik, die angemessene Erwerbsmöglichkeiten für die ortsansässige Bevölkerung ermöglicht. Aber nicht Wachstum um jeden Preis, wo zu den unmittelbaren Belastungen durch den Landschafts- und Naturverbrauch noch ein weiterer Strom von Pendlern kommen würde!
Die Autobahnpläne werden uns, so scheint's, noch länger beschäftigen, für diesmal habe es hiermit sein Bewenden.
Um nun nicht missverstanden zu werden: natürlich ist es richtig, gegen die Verpackungsflut anzugehen. Nur gibt es weitaus problematischere Verpackungsformen als gerade die Wurst- oder auch Brotpapiere.
Hans D. Bürger
 

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