Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1976

 

Bemerkenswert sind die Ausführungen bezüglich der „Führungsrolle“ der Wandervereine, gemeint sind Bestrebungen nach Alleinmarkierungsrecht usw., wie sie zumindest damals in einigen Regionen Deutschlands durchaus gegeben waren.

Davon sind wir heute mehr denn je entfernt. Auf dem Gebiet tummeln sich immer mehr die Tourismusverbände und – gerade im „Internet“ immer mehr Organisationen, deren kommerzieller (oder gemeinnütziger?) Charakter nicht klar zu durchschauen ist. Auch die Naturparkverwaltungen sind recht aktiv, gerade beim Internet-Angebot von Wanderrouten usw. Die oft seit Jahrzehnten von unseren Verbandsvereinen angelegten Wanderwege werden dabei gewissermaßen als “gemeinfrei” behandelt.

-hdb-

 

Wann endlich kommt Ordnung in Bayerns Naturschutzgesetzgebung?

Verbandstag erinnert an Voraussetzung: „Führungsrolle" der Wandervereine

 

„In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister". Bayerns Landesverband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine zieht aus solcher Goethe-Erkenntnis die Konsequenz, wenn er sich 1977 mit einer Frühjahrs-Arbeitstagung seiner Funktionäre (am 26. März in Nürnberg) und mit nur einem mehrtägigen Wandertreffen seiner Verbandsgemeinschaft (Mitte Oktober im Fichtelgebirge) begnügt. So jedenfalls hat es jetzt im unter-fränkischen Hofheim die zweite diesjährige Vertreterversammlung beschlossen.

 

Wiederholt begeisterte die Tagungsteilnehmer eine wahrhaft beglückende Repräsentation heimatbewußter Brauchtumspflege im und durch den gastgebenden Haßbergverein. Ein halbes Dutzend mitreißend musizierende und tanzende Spiel- und Trachtengruppen — brillant unterstützt von Hofheimer Sängern und vom humorigen Königsberger Mundartdichter Karl Eisentraut — bezeugten folkloristisdb.es Erfolgswirken des nahezu 50jährigen Haßbergvereins.

 

Ein wenig der Korrektur bedarf der Eindruck, den das Referat des Ebracher Regierungs-Forstrates Wolfgang Zink über „Kennzeichnung der Wanderwege in den Naturparken" erwecken konnte. Er widersprach sich selbst, als er der „enormen Zunahme der Wanderbewegung" den nach seiner Ansicht „selten gewordenen Rucksackwanderer" gegenüberstellte. Sein Plädoyer für ein sinnvolles und übersichtliches Wegenetz zugunsten „oft recht unerfahrener Wanderer" orientierte sich an einer Überbewertung des Autotourismus. Im Interesse des Schutzes unserer Wälder wäre ein eindringlicher Appell an die für Wanderparkplätze zuständigen Instanzen umso notwendiger gewesen. Kaum bedurft hätte es hingegen einer Belehrung der bewährten, weil erfahrenen Praktiker unserer Wandervereine, wie Wanderwege zu erschließen, anzulegen und zu bezeichnen sind. Sehr berechtigt jedoch seine Kritik an dem — von Wandervereinen keineswegs verschuldeten! — Kreuz- und Quer-Markierungs-Wirrwarr und an der Verzögerung einer Ordnung schaffenden Novellierung des Bayerischen Naturschutzgesetzes. Ohne diese Voraussetzung bleibt die „echte Führungsrolle", die Bayerns Wandervereinen auch jetzt wieder zuerkannt wurde und endlich    Vollzugsgewicht erhalten sollte, unerfüllbar.[1]

 

Alfred Dick, der Präsident des Landesverbandes, leitete nicht nur die Vertreterversammlung, der Geschäftsführer Bertl (München) und Schatzmeister Heinrich (Kulmbach) Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte präsentierten und wertvolle Arbeitshilfen zu geben hatten. In seiner Eigenschaft als Staatssekretär im Ministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, dem es mit Vorrang um Zugewinn an Freizeit- und Erholungswerten geht, folgte Dick auch der Einladung zu einer Experten-Fahrt durch den Naturpark Haßberge. Mit dem Besuch am Königsberger Regiomontanushaus und auf dem dortigen Schloßberg mit seiner von Idealisten vorbildlich restaurierten Burgruine, an den Ruinen Rotenhan und Bramberg sowie in Baunachs 500jähriger Magdalenenkapelle verband sich die offizielle Freigabe des neuen, 1,2 km langen Wanderlehrpfades im Laimbachgrund bei Gerach. Er ist in ein 55 km langes Wanderwegenetz der Gemeinde eingebunden und mit Quellrastplatz, Blockhütte, Sitzgruppen und Anschauungs- bzw. Informationstafeln wohlausgestattet. Schulkinder steuerten zur Erstbegehung eine kleine Pilzausstellung bei.[2]

Die in solche Projekte investierte Kleinarbeit wurde von Dick hoch anerkannt. Er wertete den Lehrpfad, auf dem die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Biotopkartierung berücksichtigt sind, als „dankenswertes Bemühen, zurückzufinden zu einem echten Naturverhältnis mit dem Ziel, die Natur vor dem Menschen für den Mitmenschen zu schützen!"

 

An dieser Maxime orientiert sich das dem Allgemeinwohl verpflichtete Wirken unserer Wandervereine seit jeher. Es findet seine Grenzen aber leider dort, wo die auf Neuanlagen beschränkte staatliche Finanzhilfe (der Waldlehrpfad ist mit 12 452 DM bezuschußt) die Folgelasten der Erhaltung ignoriert, die in der Regel unseren Vereinen überlassen bleibt. Hier einen die Wandervereine nicht länger überfordernden Weg zu finden, wäre gewiß einer klärenden Diskussion im Rahmen der Verbandstagung wert gewesen.

 

Werner Ungelenk


[1] Man muss allerdings sagen, dass im Steigerwald zu dieser Zeit eine Vielzahl von Wanderwegen angelegt war, zumeist von Fremdenverkehrsvereinen usw. angelegt. Kenntlich waren diese an der Markierung schwarz (Symbol Waldtier wie Hase usw.) auf gelbem Grund.  Mit liegt noch eine „Kompass“-Wanderkarte „Steigerwald-Nord“ aus zu Anfang der 70er Jahre vor – damals schon Rundwanderwege um Ebrach, Markierung rote Zahl in rotem Rechteck auf weißem Grund. Spätere Auflage „Fritsch“ zeigt hier Tier- und Pflanzensymbole, schwarz auf gelbem Grund.

Von der von W. U. angemahnten Führungsrolle sind wir heute noch weiter als damals entfernt.

[2] Heute sind gerade in den Haßbergen auch zahlreiche Wanderwege von der „Naturpark“ – Organisation angelegt worden.