„Schweizerei Rosenau“

-         für uns  keine Neuigkeit

 

In großer Aufmachung brachte das „Coburger Tageblatt“ am 29. Mai 2013 einen Bericht über die Geschichte der „Schweizerei Rosau“; betitelt „Der Wichtigste fehlte an der Tafel“.

Der Wichtigste, damit war Altbürgermeister Ferdinand Fischer gemeint, der krankheitsbedingt verhindert war.

Was ist eine Schweizerei? (so beginnt der Zeitungsartikel) – das  sollte man eigentlich wissen. Zugegeben, diese Bezeichnung „Schweizerei“ für die Abteilung Milchwirtschaft in einem großem landwirtschaftlichen Gut ist und die Berufs-Bezeichnung „Schweizer“ ist heute nicht mehr sehr verbreitet. Die erste Schweizerei in diesem Sinne soll auf dem markgräflich - ansbachischen Landgut Triesdorf eingerichtet worden sein. Genauer: zunächst – 1740 - hieß es „Holländerei“, nachdem sich das aus den Niederlanden stammende Vieh jedoch in Franken nicht bewährt hatte, wurden 1757 schwarzbunte Rinder aus Bern und Fribourg eingeführt und seither wurde in Triesdorf von einer „Schweizerey“ gesprochen (soweit „WIKIPEDIA“; downl. 05/13). Triesdorf ist noch heute als Sitz einer landw. Fachhochschule bekannt.

Beim Thüringerwald-Verein Coburg wurde dieses Thema „Schweizerei Rosenau“ schon vor Jahrzehnten behandelt, so auf einer von Max Schwämmlein (Einberg) im Jahre 1965 geführten Wanderung (siehe „Das Farnkraut“ Nr. 4/1965) sowie von August Marr 1967 (siehe 2/1967). Der Beitrag aus dem Jahre 1967 befasste sich vornehmlich mit Frau Margarete „Gritli“ Boren, eine der aus der Schweiz von Herzog Ernst I angeworbenen Fachkräfte.

Die Gründung der „Schweizerei“ Rosenau hat übrigens auch ein literarisches Denkmal. Der in Coburg geborene Schriftsteller Friedrich Hofmann (1813 – 1888) veröffentlichte in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ im Jahre 1866 die Erzählung „Das Heimweh“. Dort wird berichtet, dass im Dezember 1826 drei Männer und zwei Frauen aus der Schweiz im Coburger Land eingetroffen waren sowie „viel Vieh“, vom Herzog Ernst I im Berner Oberland eingekauft. Zweck: Errichtung einer „Schweizerei“. Diese Leute seien von dem Einheimischen als Fremdlinge wahrgenommen worden, obwohl sie aus einem deutschsprachigen Kanton stammten. Der Dialekt, den die Schweizer damals sprachen, wurde hier nicht verstanden.

 Keineswegs war eine solche  „Schweizerei“ eine Coburger Besonderheit, wie man aus dem Bericht im „Tageblatt“ schließen könnte. Vielmehr wurde oft die Milchviehwirtschaft im Rahmen eines großen Landwirtschaftsbetrieb bezeichnet und als „Schweizer“ die dort beschäftigten Fachleute, auch wenn sie nicht oder längst nicht mehr aus der Schweiz stammten. In anderen deutschen Regionen wurde in diesem Zusammenhang auch von „Holländereien“ gesprochen. Heute ist diese Berufsbezeichnung wohl nicht mehr gebräuchlich, wir finden sie aber noch in historischen Wörterbüchern oder Lexika (so z. B. „Brockhaus  Conversations-Lexikon“ von 1894 – 1896):

Holländerei, in Norddeutschland eine Milchwirtschaft (Meierei) oder das Gebäude, in welchem dieselbe betrieben wird. Holländer heißt der Leiter der Wirtschaft. Die Bezeichnung stammt aus dem 11. und 12. Jahrh., wo sich Holländer, welche mit der Milchwirtschaft vertraut waren, mehrfach in Deutschland ansiedelten und gewisse Vorrechte erhielten. In andern Gegenden Deutschlands spricht man in ähnlichem Sinn von Schweizereien. Quelle: retrolib; downl. 05/13.

Wir erkennen daraus, dass es schon damals notwendig sein konnte, Fachleute aus dem Ausland für dauernd oder vorübergehend anzuwerben, in diesem Falle je nachdem Holländer oder Schweizer.

Lt. heutigem „Duden“-Wörterbuch: „kleine private Molkerei auf dem Land“. Auch im „Kleinen Duden“: Schweizer = u.a.  „Melker“

Bei Hofmann ist nachzulesen, dass die Schweizer nach drei Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Also anders als etwa in der „Oeslauer Chronik“ von Gundermann zu lesen ist.  Ausnahme: Margarete Boren, die „Gritli“. Offenbar waren die einheimischen Arbeitskräfte nun in der Lage, künftighin selbst  diese „Schweizerei“ zu betreiben.

Im Mittelpunkt der Erzählung von Friedrich Hofmann steht aber „Gritli“. Sie lernte einen Einheimischen – den Erzähler „Christian“ (…. Ludwig Barth? so jedenfalls bei August Marr, „Das Farnkraut“ 1967) kennen und heiratete ihn. Aber das Heimweh überwältigte sie und sie wurde gemütskrank. Eine Reise in die Heimat – allein angetreten – schien zumindest vorübergehend Heilung zu bringen, und sie lebte dann noch 26 Jahre. Die Geschichte lässt offen, in welchem Alter sie starb. Lt. August Marr a. a. O. war dies im Jahre 1862, sie sei im ehemaligen Festungs-Friedhof, etwa an der Stelle des späteren Forsthauses bestattet worden.  

Der neuerdings in der „Schweizerei“ zu Rosenau angebrachten Tafel ist ausgeführt, dass die Rosenau im Jahre 1920 nach Abdankung des Herzogs „Staatsgut“ geworden sei – „Coburger Landesstiftung“. Dies steht aber in einem gewissen Widerspruch zum Wortlaut der Stiftungsurkunde vom 7. Juni 1919, wonach die Schweizerei Rosenau ausdrücklich von der Übertragung ausgenommen sei. Es wurde lediglich der Stiftung oder dem Land ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Auch in der erst im vergangenen Jahr veröffentlichten Schrift „Oeslau 850 Jahre“ liest es sich anders. Demnach wurde das Grundeigentum erst nach 1945 abgegeben. Noch 1928 hatte demnach Carl Eduard auf seine Kosten das „Schweizerhaus“ umgebaut.

An gleicher Stelle, dieser 850er Chronik wird auch ausgeführt, dass die Gebäude nicht komplett aus dem Berner Oberland hierher versetzt worden seien. Belege hierfür werden aber ebenso wenig genannt wie für die gegenteilige Behauptung.

 

 

 

 

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