Nochmals auf dem „Steinlegendenweg“
Nach dem 3. April führte H.D.Bürger nochmals auf dem „Steinlegendenweg“, der vergangenes Jahr im Bereich der Gemeinde Großheirath neu angelegt worden war.
Aber während im April schon Sommerwetter geherrscht hatte, erwarteten die 10 Wanderer am 26.Juni „April-Wetter“. Da half es auch nicht, dass der Wanderführer den Wetterspruch zitierte: „Vor Johanni bitt‘ um Regen, nachher kommt er ungelegen!“. In diesem Jahr war es zumindest bei uns leider umgekehrt.
Ausgangspunkt war der Wanderparkplatz bei Buchenrod. Zunächst führte der Weg durch diesen Ortsteil der Gemeinde Großheirath. Buchenrod zeigt ein wirklich sehenswertes Ortsbild mit zahlreichen vorbildlich instandgehaltenen Fachwerk- und Schieferhäusern. Eines davon dürfte eine wirklich einmalige Bauweise haben: ein Säulenvorbau ist auf dem Land ziemlich ungewöhnlich. Sehenswert auch ein ganz aus Stein erbautes Brunnenhäuschen. Am Ortsausgang die erste Steinskulptur: der „Runenstein“. Der Künstler Peter Plentz aus Watzendorf gibt gelegentlich Rätsel auf: vorne die nordgermanische „Teiwaz“-Rune, rückseitig christliche Rosen-Symbolik, ergänzt um den Namen Maria, zu Füßen ein Hundekopf. In nördlicher Richtung geht es nun weiter, begleitet von zahlreichen, als Wegpunkte markierten Wegweisern. Im Bereich der Wegpunkte 6 – 7 öffnet sich in östlicher Richtung eine Sichtachse über das Schloss Ziegelsdorf bis hin zum Schloss Hohenstein. Bei einer Mitwanderin lösten sich hier die Sohlen von den Schuhen und mussten provisorisch fixiert werden – tatsächlich hielt es den gesamten Weg von ca. 17 km! Es setzte Nieselregen ein.
Der Steinlegendenweg durchquert nun ein Wäldchen, die nächste Skulptur ist ebenfalls rätselhaft: die „Wassergöttin“. An den Wegpunkten 16-17 bogen wir links – südwestlich – ab und umgingen für diesen Tag den Ulrichstock mit dem „Taufstein“ und den Heidhügel mit dem Teufel. Stattdessen war der „Zauberer“ die nächste Station. Nun war es nicht mehr weit bis nach Watzendorf zur Mittagseinkehr im Gasthaus „Ehrlich“.  Recht flott wurden alle zur höchsten Zufriedenheit bewirtet und es konnte weitergehen, der Nieselregen hatte sich verdichtet. Der angedachte „Turmweg“ wurde links liegen gelassen, es ging ein Stück der Fahrstraße in Richtung Seßlach entlang. Am Ortsausgang eine prächtige Blühwiese. Bei den Wegpunkten 27-28 bogen wir links in den Waldweg ab. Nun war es nicht mehr weit bis zum „Gerichtshügel“ und zur „Tierellerhütte“. Der Gerichtshügel erinnert an die alte Überlieferung von der Gerichtsbarkeit der „Eigendörfer“. Diese ist aber historisch nicht belegt, zumindest nicht die Gründung durch Kaiser Heinrich II. Nicht auszuschließen ist nach Ansicht von Lokalhistoriker eine Gerichtsstätte in früherer, germanischer Zeit.
Nicht weit davon sind „Zigeunertafel“ und „Zigeunerjunge“. Die Zigeunertafel ist historisch belegt, sie beruht auf dem einstigen Landesverbot für Landfahrer, mit härtesten Strafen belegt. Solche Verbote hat es nicht nur im Herzogtum Coburg gegeben. Später wurde das „Zigeunerleben“ romantisch verklärt gesehen, Operetten und viele Wanderlieder, die Anfang des 20. Jhdt. entstanden, zeugen davon. Ein Nachzügler ist vielleicht der Schlager „Zigeunerjunge“ der 70er Jahre.

In Richtung Neuses a. d. E. eine weitere Steinskultpur: sie erinnert an eine andere örtliche Überlieferung. Demnach stand einst in der Watzendofer  Kirche ein wundertätiges Gnadenbild der Gottesmutter Maria. Als diese protestantisch wurde, war kein Platz mehr für sie und sie wurde auf den Dachboden verbannt. Von dort brachten sie Seßlacher Handwerker heimlich in ihre Kirche, sie kehrte aber auf wundersame Weise zweimal an den alten Standort zurück. Erst als sie feierlich durch eine Prozession nach Seßlach verbracht wurde, verblieb sie bis auf den heutigen Tag dort.
Unweit dieser Stelle ist heute eine weitere Skulptur zu bewundern, sie gehört aber zu dem ebenfalls neu angelegten Wallfahrtsweg Seßlach – Vierzehnheiligen.
Von Neuses a. d. E. ging es nun auf dem gleichen Weg wie im April zurück an den Ausgangsort, vorbei an „Mühlbergmädchen“ und „Flöterich“. Die festgezurrten Sohlen hatten tatsächlich bis hierhin gehalten.
Inzwischen hatte der Regen aufgehört, und es wurde auch deutlich wärmer. Bis zum Mittwoch setzte eine Hitzewelle ein. Diese wäre für den Wandertag auch nicht gut gewesen, denn der Weg verläuft überwiegend in offenem, nicht beschattetem Gelände.
-hdb-

Weiterführende Hinweise - anklicken-

Steinlegendenweg

Runenstein

Wassergöttin

Buchenrod

Watzendorf

Variante