Deutscher Wandertag in Freiburg

Das hat seit Jahrzehnten beim Thüringerwald-Verein Coburg einen ganz besonderen Klang. Erinnerungen werden wach, Erinnerungen an den Deutschen Wandertag in Freiburg (Breisgau) des Jahres 1964. Wir, der kleine Thüringerwald-Verein Coburg spielte damals neben dem Veranstalter - Schwarzwaldverein  - die wichtigste Rolle, stellten wir doch die Wimpelwandergruppe von Coburg, dem Austragungsort des Wandertages 1963 nach Freiburg. Mehr als 600 Kilometer wurden vom  14. August bis 3. September 1964 zurückgelegt, die Wimpelgruppe war 16 Köpfe stark. Die Busfahrt mit zwei (! ) Bussen dauerte vom 30. August bis 8. September (!), volle zehn Tage also. Über dieses Ereignis wurde szt.  in der Lokalpresse Coburgs ausführlich berichtet, dafür sorgte damals schon Wfr. Werner Ungelenk, hauptberuflicher Journalist und Redakteur am „Coburger Tageblatt“.  Über Mitgliederschwund und steigenden Altersdurchschnitt brauchte sich der Vorstand damals nicht zu beklagen.  Diese Wimpeltour war für die Teilnehmer ein nachhaltiges Erlebnis („der Urlaub des Lebens“), der Kern blieb dem Verein zeitlebens erhalten und beflügelte dessen Arbeit.

Auch in diesem Jahr 2010 unternahmen wir eine Fahrt zu einem Deutschen Wandertag in Freiburg. Diesmal es nicht um die Wimpelgruppe, für die Teilnehmer war die fünftägige Fahrt dennoch ein sehr schönes Erlebnis. Zu den Coburgern gesellten sich Wanderfreunde der Zweigvereine Arnstadt und Bad Blankenburg.

Die Reiseleiter hatte in bewährter Weise Wfr. Wilhelm Bauer übernommen; an der Vorbereitung waren massgeblich die Wfr. Hannelore und Rudolf Hartmann beteiligt. Die Hartmanns hatten viele Jahre in Baden-Württemberg gelebt und dabei ausgezeichnete Kenntnisse über Land und Leute erworben.

Am Freitag, 6. August konnten wir pünktlich um 6 Uhr starten. Wir erreichten mit dem komfortablen Reisebus Stuttgart über  Autobahnen und Landstraßen.  Zunächst ein Rundgang im Höhenpark  „Killesberg“, trotz eines leichten Nieselregens so recht angenehm nach dem langen Sitzen im Bus. Auch Stuttgarts Altstadt mit Stiftskirche, Altem und Neuen Schloss wurde ein Besuch abgestattet, im „Ratskeller“ genossen die Wanderer schwäbische Spezialitäten. War nun die Landeshauptstadt doch vielen schon bekannt, traf dies beim nächsten Ziel, dem Schloss Glatt im gleichnamigen Tal, einem idyllischen Nebenfluss des Neckar, nicht mehr zu.  Hauptattraktion die „Schwarzwälder Kirchtorte“ im Schloss-Restaurant. Inzwischen war die Sonne durchgebrochen.

Ab Glatt fuhr uns der Bus über Täler und Höhen des Hochschwarzwaldes in unser Quartier in Unterharmersbach, dem Hotel „Eckwaldblick“. Das Haus gehört zu einer lokalen Hotelkette, den „Bären-Hotels“ mit dem Hauptsitz im benachbarten Oberharmersbach. Der Harmersbach ist ein Zufluss zur Kinzig. Historisch gibt es über das Tal eine Kuriosität zu berichten: es war zeitweise reichsunmittelbar als „Reichstal Harmersbach“.

Am nächsten Morgen herrschte schon früh strahlendes Sommerwetter. Unser Bus fuhr uns zunächst zum Schwarzwälder Freilichtmuseum „Vogtsbauernhof“. Eindrucksvoll wird hier das bäuerliche Leben vergangener Zeiten im Schwarzwald geschildert, sachkundig erläutert durch eine Führerin. Leider ist für nähere Ausführungen hier nicht der Raum.

Viel zu früh hieß es schon wieder, Abschied zu nehmen – nicht jedem gelang dies – und zum nächsten Ziel aufzubrechen, den Triberger Wasserfällen. Dies war schon im Jahre 2001 Ziel einer Gruppe des Thüringerwald-Vereins, damals auf dem Weg zum 1. Europäischen Wandertag in Straßburg.  Wir genossen dieses grossartige Naturschauspiel auf dem gut 1 km langen Fußweg vom oberen Parkplatz an der „B 500“ der Gutach entlang bis in den Ort Triberg. Dort wartete schon die Mittagseinkehr auf uns.  Dann galt es aufzubrechen und das nächste Ziel, Sankt Märgen anzusteuern. Der Luftkurort Sankt Märgen liegt auf über 800 m Höhe und war ursprünglich ein Kloster mit Marienwallfahrt. Die Kloster- und Wallfahrtskirche ist erhalten und hat eine barocke Ausstattung. Die Zeit reichte für einen Besuch der Kirche und einen kurzen Ortsrundgang. Auf der Terrasse eines Gasthofs genossen wir den weiten Blick über die Schwarzwaldlandschaft zwischen Feldberg und Kandel. In der Ferne war die Kette der Hochvogesen-Berge auszumachen. Über Täler und Höhen des Schwarzwalds mit oft höchst eindrucksvollen Blicken in die Landschaft erreichten wir dann unser Quartier in Unterharmersbach. An diesem Abend wurde im Speisesaal sogar musikalische Unterhaltung geboten.

Am nächsten Tag, dem Sonntag, stand Freiburg auf dem Programm.

Auch diesmal erreichten wir das Tagesziel auf einer besonders ausgesuchten, interessanten Wegesstrecke. Wir sind zu Dank verpflichtet einmal den „Hartmanns“ , welche die Fahrroute ausgesucht hatten, aber auch dem Busfahrer, der die manchmal recht schwierigen Strecken auch bewältigt hat. In der Großstadt Freiburg konnte der Bus nicht in der Nähe zur Altstadt auf Dauer parken, sondern nur kurz zum Aussteigen halten. Die historische Altstadt rund um das Münster ist verhältnismäßig klein und überschaubar. Auf dem Münsterplatz und dem Rathausplatz pulsierte das gewohnte Wandertagsleben mit Ausschank und Verpflegung, Ausstellungen und Informationsständen. Besondere Bewunderung fanden und verdienten die einheimischen Trachtengruppen. Die wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten sind natürlich das Münster und der umgebende Platz, dann das Rathaus, St. Martin und das Schwabentor.  Das Wetter war aber nicht mehr so strahlend wie am Vortag. Tief beeindruckt vom Besuch im Münster, wurden wir beim Verlassen desselben von einem heftigen Platzregen überrascht . Wir mussten unter der steinernen Altane am Südportal des Münsters Zuflucht suchen. Der Münsterplatz hatte sich geleert, auch weil viele Gruppen schon zur Aufstellung des Festzuges eilten. Etliche unserer Leute fanden sich in der Terrasse eines Restaurants am nördlichen Münsterplatz ein, um von dort aus dem Festzug zu erleben. Der Regen hatte aufgehört. Wir ahnten ja noch nicht, dass es der regenreichste Sommer des Jahrzehnts werden sollte.

Nach dem Festzug war noch Zeit, langsam zum Treffpunkt zu schlendern. Es fanden sich alle rechtzeitig zur Rückfahrt ein.

Ein weiterer Glanzpunkt war für den Montag vorgesehen, nämlich eine Fahrt in das benachbarte Elsaß mit Colmar und Riquewihr. Hierzu war ein Reiseleiter aus der Region verpflichtet worden. Das Wetter war wiederum strahlend schön. Über das Harmersbachtal  und das Rheintal, vorbei am „Kaiserstuhl“, erreichten wir den Rheinüberang bei Breisach. Heutzutage können wir die Grenze passieren ohne Formalitäten. Auch im Jahre 1964 hat eine Elsaßfahrt auf dem Programm gestanden, damals war aber mit Ausweiskontrollen auch in Reisebussen durchaus zu rechnen. So fuhren wir an Neuf-Brisach vorbei und erreichten Colmar, die Hauptstadt des Departements „Haut-Rhin“. Von einem Bus-Parkplatz aus war es nicht weit bis zu dem zentral gelegenen „Place des Unterlinden“. Die weltberühmten Gemälde in dem Museum „Unterlinden“ suchten wir aber nicht auf. Der Fremdenführer geleitete uns durch die überaus malerischen Straßen, Plätze und Gassen der Altstadt. Zurück am „Place des Unterlinden“, stärkten wir uns im „Pfeffel“ für die weitere Fahrt. Das Wetter war weiterhin sehr gut.

Das Ziel war nun die Elsässische Weinstraße und hier Riquewihr. Manche sagen, der Ort sei der schönste an der elsässischen Weinstraße oder im Elsaß überhaupt. Darüber wird man streiten können; meiner Meinung nach sind Kaysersberg oder Turckheim ebenso bemerkenswert. Jedenfalls kenne ich diese Orte von einem Aufenthalt schon in den 70er Jahren; reizvoll waren sie damals natürlich ebenso, hatten sich aber etwas von der Ursprünglichkeit bewahrt, waren noch nicht so auf Tourismus ausgerichtet. Kaysersberg hatten wir übrigens schon 2001 anlässlich der Fahrt zum Europäischen Wandertag in Straßburg besucht. Glücklicherweise hatten wir eine Tageszeit erwischt, in welcher Riquewihr nicht ganz so überlaufen ist, so versicherte uns jedenfalls der Reiseführer. Nach wie vor kann man sich dort in eine Märchenbuch-Illustration von Ludwig Richter versetzt fühlen.

Dann fuhren wir weiter über die Elsässische Weinstraße und schließlich zurück über den Rhein zum Quartier in Unterharmersbach. Wir verbrachten den letzten Abend in unserem Hotel.

Am nächsten Morgen herrschte noch immer schönes Wetter, ich betone dies ausdrücklich, denn in der Wahrnehmung mancher Leute war der gesamte Sommer verregnet. Das erste Zwischenziel war nicht weit entfernt,Gengenbach im Ortenaukreis. Auch diesen Ort kannte von unserer Reisegruppe wohl niemand außer den „Hartmanns“. Gengenbach hat ein überaus reizvolles Ortsbild und auch eine interessante Geschichte. Ähnlich wie Zell am Harmersbach war Gengenbach einst Reichsstadt und wurde mehrfach zerstört. Interessant ist auch die Geschichte des einstigen Benediktinerklosters, gehörte es doch durch Schenkung Kaiser Heinrichs II zeitweise zum Bistum Bamberg. Gengenbach verfügt noch über fünf erhaltene Tortürme der einstigen Stadtbefestigung. Sehenswert ist die Engelgasse mit den schönen Fachwerkhäusern, aber auch der große „Narrenbrunnen“ im Winzerhof Zilly. Reizvoll anzusehen war auch der zufällig an diesem Tag stattgefundene Flohmarkt vor dem Rathaus.

wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

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