Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1965

 

Die bekannteste Wüstung (aufgegebene, verlassene Siedlung) im Coburger Land ist zweifellos Gellnhausen bei Bad Rodach. Dass dies nicht die einzige ist, bewies unser „Rodach-Experte“ August Dötsch. August Dötsch selbst war Rodacher, dort wohlbekannt als Ofensetzer. Er nahm auch an der legendären Wimpelwanderung von Coburg nach Freiburg im Jahre 1964 teil.

Neu war mir, dass es im Coburger Land außer dem Bausenberg, den ich erblicke, sobald ich aus dem Fenster schaue, noch eine Erhebung gleichen Namens gibt, nämlich im Bereich des Callenberger Forstes. Der Fahrweg von Schlettach nach Mährenhausen führt über den 390 m hohen Bausenberg

 

Wüstungen auch im Callenberger Forst

 

Dem Interesse an Wüstungen, das er unlängst im Gellnhäuser Grund geweckt hat, trug August Dötsch auch bei der Quellen-Wanderung durch den Callenberger Forst am 1. August Rechnung. Von Breitenau her führte er sie im dichten Morgennebel über den Marienberg und durch das Tiefental, aus dem Mährenhausen sein Wasser bezieht,  zunächst zum Kühlen Born, nach kurzer Rast unter der dortigen Wettereiche weiter zum Eichbrunnen nahe der Schlettacher Zonengrenzspitze. Dann wurde studienbeflissen das Hügelgräbergebiet des Bausenbergs begangen, in dem noch Spuren eines Kohlenmeilers feststellbar sind, sowie das ostwärts angrenzende Köllnholz. Auch der Name dieser Korporationswaldung erinnert an eine der über 40 wegen Wassermangels oder schlechter    Bodenverhältnisse    untergegangenen Siedlungen im Coburger Raum.  1298 ist sie als Weiler     Collne nachgewiesen,  200 Jahre später bereits als Wüstung Kölen (Köllen) im Erbbuch vermerkt.   Vom  gepflegten   Hirschbrunnen   im Köllnholz, der ebenso wie der nahe (leider versumpfte) Kleinaufsbrunnen den Tambach speist, ging es über den Tannenberg hinweg zu den Hofmannsteichen. Nach wohlverdienter Rast brachte August Dötschs wiederum sehr sichere Wegweisung die nach und nach auf 24 Teilnehmer angewachsene Gruppe bei strahlendem Sonnenschein über die Wildfuhr und die Herbartsdorfer Höhe hinweg zum Kirchberg, an dessen Fuß ein seit 400 Jahren verschwundenes Dorf gleichen Namens gelegen   hat.   Die  Wanderung,   die   nach einem Kurzbesuch an der Jagdhütte einer Teilnehmerin in ihrer Schlussphase bis Großwalbur von herrlicher Sicht zu den Gleichbergen und über die Langen Berge begünstigt war, bot reichlich Gelegenheit zu interessanten Wildbeobachtungen. Im Übrigen wurde viel gesungen, wobei die weibliche Jugend mitreißend den Ton angab.