-Fortsetzung-

Um den Gesamtumfang der Website und damit die Download- und Seitenaufbauzeiten in Grenzen zu halten,

wird künftig der Chronik abwechselnd mit Teil I und Teil II gezeigt. Teil II beginnt  um 1966, also nach dem Dt. Wandertag 1964 und der Wimpelwanderung 1965.

Ständiger Ausbau unseres Wanderwegenetzes

 

Was Emil Rädlein und Fritz Kreutzberger mit Hilfe ihrer Wegemeister Georg Geißel, Fritz Kleinow und Karl Köhler mutig in Angriff genommen hatten, um unsere engere Heimat als erholsames Wanderland zu erschließen, das hat nach Carl Escher auch Franz Geßlein konsequent vorangetrieben: den Ausbau eines umfassenden Wanderwegenetzes zwischen Frankenjura und Thüringer Wald. Seine heutige Ausdehnung auf mehr als 400 Kilometer mit Anbindung an die Europäischen Fernwanderwege 3 (Atlantik - Ardennen - Böhmer Wald) und 6 (Ostsee - Wachau - Adria) sowie an den Main-Wanderweg und damit auch an die von ihm ausgehenden Main-Donau-Wanderwege ist dem unermüdlichen Fleiß der Markierer-Gilde unseres Vereins unter Wegemeister Otto Treuter zu verdanken. Nach 16 Jahren aufopfernder Arbeit für das Allgemeinwohl hat Treuter als nunmehriger Ehrenwegemeister seinem Nachfolger Günter Peter ein bundesweit anerkanntes Wegenetz und so-

mit einen verantwortungsvollen Betreuungsauftrag übergeben, ohne sich deshalb selbst als untätig erweisen zu wollen.

 Eine einschneidende berufliche Veränderung veranlasste Franz Geßlein, sein Vorstandsamt auf den

 

Kaufmann Ernst Eckerlein (1965 bis 1974)

 zu übertragen. Durch ihn erfuhr das bereits  weitgerühmte  Coburger Wanderland eine weitere Aufwertung. Dazu trug eine Neuauflage der Wanderkarte „OBERES  MAINTAL - Coburg/Lichtenfels/ Staffelstein" ebenso bei, wie die Erweiterung des Wanderwegenetzes vor allem um sieben Rundwanderwege mit Wanderparkplätzen     für    Auto-Touristen, Stark gefördert hat Eckerlein auch die vom Verband empfohlenen und ausgeschriebenen  Ferienwanderungen.    Sie haben zahlreiche Wander- und Heimatfreunde aus allen deutschen Gauen, aber auch aus dem benachbarten Ausland für unser Coburg und sein Umland interessiert und unserer Heimat neue Freunde gewonnen.

 lVereinseigener Wald am Wanderheim

 Besonders verdient gemacht hat sich unser heutiger Ehrenvorsitzender Ernst Eckerlein durch den vor allem sanitär vervollkommnenden Um- und Anbau der Alexandrinenhütte, durch Erweiterung ihres Umgriffes und Ankauf des nahen Waldes. Dieser nunmehr vereinseigene Erholungsraum mit Spielwiese und vielen Rastplätzen in einem Ausdehnungsbereich von dreieinhalb Hektar hat das bevorzugte Ausflugsziel hierzulande weiter aufgewertet.

Durch informative Presseinformation gibt Eckerlein, der als aktiver Wanderführer stets darauf bedacht war, Neuland zu erschließen und bleibende Eindrücke zu vermitteln, auch jetzt noch wertvolle Anregungen zu heimat- und naturbewußtem Wandern.

Mit seinen lehrreich unterhaltenden „Erzählungen aus der Heimatgeschichte" betätigt sich Ernst Eckerlein zudem als Buchautor ganz im Sinne seines Lehrmeisters Emil Rädlein.

 

Fortwirkende Gemeinsamkeit im Bekenntnis zu Thüringen

                                                                                          

Zu einer Festlichkeit, die ansteckenden Wanderfrohsinn ausstrahlte, ließ Eckerlein die 60-Jahr-Feier (1967) des Vereins im Festsaal unseres langjährigen Vereinslokals „Coburger Hofbräu" werden. Künstlerische Höhepunkte der von Volksmusik und Volkstänzen umrahmten Feier boten die beiden Theater-Solisten Gabriele Rienecker und Gustav Brunn als Mitglieder des Thüringerwald-Vereins und Karl Sibers köstlicher Schwank „Die Pferdekur". Die hierbei entfalteten Talente unserer Laienspielgruppe haben unter den vielen promine-ten Gästen auch den Intendanten des Landestheaters stark beeindruckt.

Die fortwirkenden Gemeinsamkeiten von Rennsteig- und Thüringerwald-Verein, die beide ihre Wurzeln im Thüringer Wald haben, unterstrich Dr. Julius Kober mit einem eindrucksvollen Bekenntnis zum unvergessenen Kulturland im Herzen Deutschlands.

 

Dr. Kobers Lebenswerk

 Dr. Julius Kober, dessen Lebenswerk in seiner Thüringer Heimatbücherei, in seinem bundesweit verbreiteten „Spruchbüchlein eines Wanderers" und in den Ergebnissen seiner Rennsteig- und Altstraßen-Forschungen im gesamtdeutschen Sprachraum bewahrt bleibt, ist geradezu Symbolfigur für die heimatbezogene Gemeinsamkeit von Rennsteig- und Thüringerwald-Verein. Solchem Verbundenheitbewußtsein huldigte er auch als Schulze (Bürgermeister) des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden, deren Wanderabteilungen er dem Thüringerwald-Verein korporativ zugeordnet hat. Sichtbarer Ausdruck der von ihm gepflegten Verbundenheit ist noch immer der als Ausflugsziel und Aussichtspunkt sehr beliebte Bergplatz hinter dem Jenaer Fuchsturm. Diesen Platz, der 1936 als „Weihestätte" angelegt wurde, begrenzen nach wie vor jene wuchtigen Gedenksteine aus allen thüringischen Berg- und Burgenbereichen, die Kober als Treubund-Symbolzeichen landsmannschaftlichen Heimatbekenntnisses hat setzen lassen.

 

 Postbeamter Arno Völk (1974 bis 1979)

 In Arno Völk hat Ernst Eckerlein einen Nachfolger gefunden, der sich in seiner bereits 32jährigen Zugehörigkeit zum Thüringerwald-Verein mit Vorrang der Jugendarbeit und der Pflege von Laienspiel und Brauchtum verpflichtet hatte. Verlässlichste Hilfe bot ihm, wie schon seinen Vorgängern, die Vorliebe seiner Gattin für kreatives Poetisieren. Ihre Märchenspiele haben insbesondere unsere Julfeiern bereichern helfen. 1952 gehörte Arno Völk zu den Mitbegründern einer Vereins-Jugendgruppe, die von 1955 bis 1972 in „Tante Mile" Reichardt ihre ideale Betreuerin hatte. Dass in diesen zwei Jahrzehnten auf den Fortbestand des Vereins bedachte Jugendarbeit geleistet worden ist, beweist der heutige Vereinsvorstand, dessen Mitglieder im Wesentlichen aus jener Jugendgruppe hervorgegangen sind. Bleibende Verdienste erworben hat sich Arno Völk auch durch die Förderung, die er dem „Amtsbotenweg" hat angedeihen lassen. Mit dieser direkten Wanderverbindung zwischen Coburg und dem unterfränkischen Königsberg trägt der Thüringerwald-Verein bei zur Pflege der Freundschaft, die beide Städte seit Jahrhunderten verbindet; gehörte doch das altfränkische Königsberg einst als Enklave zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.

 

Erinnerung an unser Ehrenmitglied Franz Reinhardt

 Der 70. Geburtstag unseres Vereins (1977) war für Arno Völk Anlass zu einem Jubiläums-Wandertag. Wiesenfeld war am 5. Juni 1977 das gemeinsame Endziel der Wanderungen, die prächtiges Frühlingswetter überstrahlte. Höhepunkt der Geburtstagsfeier, bei der unsere Wanderjugend wahre Sketch-Begeisterung entfachte, war die Ernennung des gerade 80 Jahre alt gewordenen Franz Reinhardt zum Ehrenmitglied des Thüringerwald-Vereins. Mit dieser Auszeichnung würdigte unser Verein die Verdienste, die sich der Suhler Landsmann und Wanderfreund Dr. Kobers sechs Jahrzehnte lang als vielseitiger Vorstandsaktivist, als heimat- und naturverbundener Wanderführer (auch beim Rennsteigverein) und Landschaftspfleger, als Naturschutzwart des Vereins und als ehrenamtlicher Naturschutzinspektor des Landkreises Coburg erworben hat. Bereits ein Jahr nach Zuerkennung der Ehrenmitgliedschaft, der die Verleihung des Verbands-Ehren-Zeichens in Silber vorausgegangen war, hat uns Franz Reinhardt für immer verlassen. Vergessen ist er so wenig, wie seine Schriftstellern de und dichtende Gattin Hedwig, die der kulturellen Brauchtumspflege im Verein viele Impulse gegeben hat.

Arno Völks verantwortungsbewusste Vorsorge für die Zukunft unseres Vereins kennzeichnet sein Bemühen, das Feld für einen Generationswechsel zu bereiten. Früher, als er selbst ahnen konnte, zwang ihn das Schicksal, die Führungsaufgaben seinem Stellvertreter

 

Journalist Horst Mitzel (1979 bis 1981)

 zu überlassen. Die Nachricht von Arno Völks unvorhersehbarem Ableben, die 1979 das Jubiläums-Treffen der Europäischen Wandervereinigung auf dem Raichberg der Schwäbischen Alb überschattete, gab Horst Mitzel das Vereinsruder vorzeitig in die Hand. Der passionierte Journalist mit Management-Aktivität im Bereich touristischer Freizeitinteressen setzte für die Vereinsarbeit neue Akzente, ohne bewährter Tradition abzuschwören, Mit seinem Engagement für den bundesweiten Umweltschutz-Mal Wettbewerb der Deutschen Wanderjugend verhalf er unserer Heimat zum Achtungserfolg eines Bundespreises. Errungen hat ihn die junge Katrin Schneider aus Weidhausen. Ihre Auszeichnung beim Deutschen Wandertag 1979 in Trier gab den Anstoß, mit den drei Bundessiegerinnen auch Verbandspräsident Konrad Schubach, die Wimpelgruppe seines Eifelvereins und den an der Porta Nigra begeisternden Aacher Kinderchor für 1980 nach Coburg einzuladen. Der Empfang und das öffentliche Auftreten der Gäste und das Wiedersehen mit dem Deutschen Wandertagswimpel auf seinem langen Weg von Trier nach Zwiesel im Bayerischen Wald gehörte zu den Höhepunkten der nur kurzen Amtszeit Mitzels, in der sich der Trend zum totalen Generationswechsel verstärkte. Vollzogen wurde er, als Mitzel größere berufliche Verantwortung übertragen bekam und dem Thüringenvald-Verein deshalb aktiv nicht mehr zur Verfügung stehen konnte. Der Führungsauftrag ging damit über auf Horst Mitzels Stellvertreter

 

Wolfgang   Süße, Bäckermeister

(1.Vorsitznder seit 1981)

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 Wolfgang Süße, hier beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Coburg während des 84. Deutschen Wandertages im Jahre 1984; links der damalige OB Karl-Heinz Höhn, rechts Bürgermeister Rolf Forkel

  

Im thüringischen Ummerstadt aufgewachsen, fühlt sich der gebürtige Berliner unserem Nachbarland zutiefst verbunden. Seine alljährlichen Wanderführungen im Thüringer Wald sprechen dafür ebenso, wie sein Bekenntnis zur Tradition des Thüringerwald-Vereins, für den er bereits viele neue Freunde gewonnen hat. Gleichgesinnt-aufgeschlossene Mitarbeiter stehen Wolfgang Süße zur Seite in seinen beiden Stellvertretern Hilmar Händler (zugleich Hüttenwart) und Reiner Probst, dessen Gattin Ingrid als Kulturwart dem Laienspiel neuen Auftrieb gegeben und für die Pflege der Geselligkeit neue Akzente gesetzt hat; in Schriftführerin Renate Haenel, Geschäftsführer Claus Diercks, Schatzmeister Günther Völk, Wanderwart Klaus Ehrlicher, Wegemeister Günter Peter, Jugendwart Wilhelm Bauer, Naturschutzwart Waldemar Barnickel, Pressewart Hans-Detlef Bürger, Inventarwart Emil Türk sowie in den Ausschußmitgliedern Peter Babel, Günter Kachel, Albert Schaarschmidt, Ehrenwegemeister Otto Treuter, Marie Türk und Werner Ungelenk; nicht zu vergessen Ehrenvorsitzender Ernst Eckerlein als erfahrener Ratgeber und die durch seine Schule gegangenen Wanderführer und Vollzieher vieler Ehrendienste für die Allgemeinheit.

 

Unschätzbare Ehrendienste

 

In der Entwicklungsgeschichte des Wandertourismus kommt dem Thüringerwald-Verein hoher Stellenwert zu. Dass er ehrenamtliche Dienstleistungen von unschätzbarem Wert für die Allgemeinheit erbringt, ist unbestritten. Sein ebenso traditions- wie fortschrittsbewußtes Wirken wird zweifellos auch künftig von dem Anliegen bestimmt, mitzuhelfen, dass unser Lebensraum vor zerstörendem Einfluss bewahrt bleibt, und allgemeinverständlich zu machen, dass es eine bessere Medizin als vernünftiges Wandern nicht gibt. Dabei kann sich Wolfgang Süße und sein Fuhrungsteam, das den mit Beginn des 75. Vereinsjahres vollzogenen Generationswechsel voll und ganz rechtfertigt, auf das uneingeschränkte Vertrauen seiner Gefolgschaft im Thüringerwald-Verein und seiner Freunde in der Verbandsgemeinschaft stützen.

Wolfgang Süße (Mitte) und seine beiden Stellvertreter (von links) Hilmar Mandler und Reiner Probst lenken die Geschicke des Thüringerwald-Vereins seit dem zum Auftakt des Jubiläumsjahres vollzogenen Generationswechsel.

 

 Soweit der Text von Werner Ungelenk aus dem Jahre 1982. Eine Bemerkung darf ich gleich aufgreifen. Wolfgang Süße ist noch immer unser 1. Vorsitzender, mittlerweile aber mehr als 25 Jahre!

 

Dieses Jahr 1982 war nicht nur wegen des 75jährigen Jubiläums bemerkenswert. Wir feierten übrigens damals im „alten“ Kongresshaus, für jeden Teilnehmer und Gast ein wohl immer bleibender Eindruck.

 
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 Erinnerung an unsere 75-Jahr-Feier 1982 im „alten Kongreßhaus“ . Rechts neben Wolfgang Süße der leider früh verstorbene damalige Hauptwanderwart, Rechtsanwalt Klaus Ehrlicher.

Bemerkenswertes Jahr 1982

 

Wir aber beschäftigten uns nicht nur mit der Vergangenheit. Wie alljährlich stand auch 1982 die Teilnahme am Deutschen Wandertag an. In diesem Jahr war dies  Anfang September in Eutin – (Schleswig-Holstein). In zweierlei Hinsicht war dieser Deutsche Wandertag gerade für uns  bemerkenswert.

 Dort fiel die Entscheidung für den Deutschen Wandertag 1984 in Coburg.

Außerdem aber gab es einen Rekord. Eine Rekord-Wanderung! Damals entsandten wir noch zu jedem deutschen Wandertag eine Fuß-Wandergruppe.

Von Coburg nach Eutin sind es auf kürzesten Fahr-Straßen-Weg heute über 500 km, allerdings teilweie durch die „neuen“ Bundesländer. Damals ging das natürlich nicht. Wanderstrecken sind meist länger, weil natürlich die Fahr - Straßen vermieden werden sollen. Die Fahrstraßen sind aber meist die historischen, kürzesten Verbindungen von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt. Also kamen einige Kilometer zu der kürzestmöglichen Strecke hinzu. Otto Treuter – das war der Organisator und Führer der Wanderung aber „rundete“ nicht nur auf 1000 Kilometer, sondern genehmigte sich einen „Zuschlag“ auf sage und schreibe 1.174 Kilometer, zurückgelegt in 42 Tagen ab 1. August. Das war und ist „Rekord“.

 Mit ihm waren: Rosel Habermann, Kurt Reißenweber, Christine Wacker, Peter Babel und Stefan Stegner.

 Erstmals fand 1982 ein Deutscher Wandertag im Norden statt. Eutin selbst liegt zwar im Binnenland, wir aber waren in Sierksdorf in einem Hotel direkt am Strand untergebracht – im September schon fast menschenleer! Wer hätte sich damals träumen lassen, dass er in 22 Jahren wieder zum Deutschen Wandertag an die Ostsee fahren würde, wieder im September, wieder  in ein Hotel am Strand, diesmal aber in Mecklenburg! Von Sierksdorf nach Wismar sind es heute knapp 65 Straßenkilometer; damals aber waren beide Orte durch Welten getrennt.

 

 Erstmals die „Joseph-von-Eichendorff-Plakette“

 Bundespräsident Karl Carstens hatte die „Joseph-von-Eichendorff-Plakette“ gestiftet für Wandervereine, welche auf mindestens 100 Jahre Bestand zurückblicken konnten. Wir gehörten zu den ersten, welche diese hohe Auszeichnung empfangen haben. Wolfgang Süße nahm sie direkt aus der Hand des Bundespräsidenten bei einem Staatsakt im Aschaffenburger Schloss entgegen.

Allerdings erhielten wir sie damals gewissermaßen stellvertretend für den Gesamt-Verein, denn nur dieser kam auf die 100 Jahre. Konsequenterweise haben wir die „Joseph-von-Eichendorff-Plakette nach Wiedergründung des Thüringerwaldvereins 1880 an diesen weitergegeben; seitdem wird sie in der Gechäftsstelle in Tabarz (Thüringen) verwahrt.

 Zum 100jährigen Gründungsjubiläum erhielten wir diese Auszeichnung erneut, Bundespräsident ist inzwischen Dr. Köhler, Staatssekretär Heike übergab die Plakette am 20. Mai auf der Sennigshöhe an Wolfgang Süße.

 

 84. Deutscher Wandertag vom  9. – 13. August 1984

 Zwei Jahre intensiver Arbeit lagen nunmehr vor uns. Selbstverständlich prägte dies das Geschehen im Verein nach der Rückkehr aus Eutin.

Die Deutschen Wandertage waren in den letzten Jahren größer geworden, erforderten professionelles Management. Waren wir dem mit unseren organisatorischen und logistischen Möglichkeiten gewachsen?

Die Ausrichter der Deutschen Wandertage waren meist erheblich größere Verbandsvereine, im nächsten Jahr 1983 beispielsweise der Rhönclub mit seinen damals über 30.000 Mitgliedern und hatten dementsprechend weit größere personelle Ressourcen. Andrerseits war in Coburg alles auf eine Stadt konzentriert, die verfügbaren Kräfte waren dementsprechend schnell und flexibel zusammenzutrommeln und zu aktivieren.

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 “Großbaustelle”  Alexandrinenhütte

 Zu den Wandertags-Vorbereitungen im weiteren Sinne zählte auch die bisher umfangreichsten Baumaßnahmen an der Hütte seit dem Bau im Jahre 1936. Das große Problem war nämlich viele Jahre die Wasserversorgung. Zwar hatten wir von Anfang an einen eigenen Brunnen, das Wasser erwies sich jedoch als gesundheitlich bedenklich, weshalb Trinkwasser in Behältern herangeschafft werden musste. Wolfgang Süße packte das Problem an, und mit einem gewaltigen Ausmaß an Eigenleistung bauten wir die Trinkwasser – Versorgungsleitung von der Hütte bis zum nächsten gemeindlichen Wasserbehälter und bei dieser Gelegenheit auch die Versorgungsleitungen mit elektrischer Energie und Telefon. Wohl schwer denkbar wäre dies ohne die tatkräftige Unterstützung unseres allzu früh verstorbenen Wfr. Helmut Gunsenheimer, von Beruf Bauingenieur gewesen. An sechs Wochenenden im zeitigen Frühjahr schaffte eine beträchtliche Anzahl von Helfern an den Tiefbau – Arbeiten.

 

Im nächsten Jahr wurden diese Arbeiten fortgesetzt; diesmal stand der Bau einer den Vorschriften genügenden Abwasseranlage an; eine Dreikammergrube mit anschließendem Rieselfeld. Auch diese Arbeiten wurden in Eigenleistung durchgeführt.

  

„Wandern über Grenzen“,

 so lautete das beziehungsreiche Motto dieses Wandertages. Die Nähe zur innerdeutschen Grenze; der feste Wille, diese eines Tages zu überwinden war also Programm. Niemand ahnte 1984, wie zeitlich nah der Fall der Grenzen folgen würde.

Die 100%ige Rückendeckung durch den damaligen OB Karl-Heinz Höhn, durch das damalige Fremdenverkehrsamt mit Detlef Höhn und den Einsatz all unserer aktiven Mitglieder ließ uns diese Herausforderung bestehen.

Am Donnerstag, 9. August 1984 war es dann so weit. Der 84. Deutsche Wandertag war eröffnet!

Besonders eindrucksvoll war schon der Eröffnungsabend im Landestheater.

Zum Ablauf eines Deutschen Wandertages gehörte damals auch jeweils am Samstag das offene Singen und Tanzen der Deutschen Wanderjugend mit dem anschließenden Empfang der Wimpelgruppe. Neuerdings wird dieser Empfang vorverlegt, ich bedaure das etwas, weil dieser Programmpunkt abgewertet wird. Auf unserem Marktplatz war der Samstagnachmittag jedenfalls großartig!

Am Höhepunkt des Wandertages, dem Festzug mit anschließender Hauptkundgebung, sollen mehr als 15.000 Gäste in der Stadt gewesen sein. Unvergesslich auch der großartige Eindruck der Schlusskundgebung im Hofgarten zu Füssen der Veste.

  

Mit dem Wimpel des Deutschen Wandertages von Coburg nach Osnabrück

 Kaum war der Deutsche Wandertag in Coburg vorbei, galt es schon, sich auf das nächste große Ereignis vorzubereiten, nämlich die traditionelle Wimpelwanderung zum nächsten Wandertagsort. In unserem Falle war dies Osnabrück. Wir hatten also eine beträchtliche Strecke vor uns, weit mehr etwa als unsere Rhöner Wanderfreunde von Fulda nach Coburg.

Genau 579 km waren ab 29. Juni bis 20. Juli 1985 zurückzulegen.

 Dies bewältigten:

              • Otto Treuter + als Wanderführer
              • Christine Wacker als Wimpelmädchen
              • Rosel Habermann
              • Hildegard Döbrich +
              • Renate Haenel
              • Kurt Reißenweber
              • Heiner Friedrich +
              • Günther Peter
              • Peter Babel +
              •  
              • und, als Verstärkung für die letzte Woche
              •  
              • Wilhelm Bauer
              • Stefan Bauer
              • Jürgen Speer
              • Siggi Speer
              • Günther Völk
              • und Detlef Bürger

 

Die Strecke verlief über Altenstein, Bayernturm, Saal, Oberelsbach, Grabenhöfchen, Fulda, Lauterbach, Alsfeld, Schwalmstadt, Bergfreiheit, Waldeck, Arolsen, Scherfede (hier der „Einstieg“ für die Verstärkung), Bad Driburg, Horn- Bad Meinberg, Oerlingshausen, Bielefeld, „Kahle Wart“, Ostercappeln – Osnabrück.

 Oder, anders ausgedrückt von Coburg über Haßberge und Grabfeldbau, die Rhön, Vogelsberg, Schwalm, Knüll, Waldecker Land, Egge und Teutoburger Wald.

Für jeden Teilnehmer – leider sind heute längst nicht mehr alle unter uns – war dies ein wohl unvergessliches Erlebnis.

Die Höhepunkte dieser Wimpelwanderungen waren wohl der Einzug in das Osnabrücker Rathaus sowie der Einzug in die große Stadthalle von Osnabrück anlässlich der Feierstunde am 27. Juli 1985 mit allen Ehrengästen, an der Spitze Bundespräsident Richard v. Weizsäcker.

Ein „Rendezvous“ mit dem Bundespräsidenten hatte vor allem unser Wimpelmädchen Christine Wacker, mit ihm allein  auf der großen Bühne vor tausenden von Gästen!

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 Abschied von der „Ratsschule“

 Das Jahr 1985 brachte auch die Entscheidung der Stadt Coburg zum Abbruch der „alten Ratsschule“ am Kirchplatz hinter der Morizkirche. Wir verloren damit unser altes Geschäftsstelle – Domizil, konnten aber in der Herrngasse 4 gleichwertigen Ersatz bekommen.

  

Karl Carstens wandert mit uns

 Es war unser Herzenswunsch gewesen, den wandernden Bundespräsidenten bei uns begrüßen zu dürfen. Carstens, (1914 – 1992) war Bundespräsident von 1979 – 1983. Seit Beginn seiner Amtszeit hat er die damalige Bundesrepublik Deutschland von der Ostesee bis zu den Alpen in Teiletappen zu Fuß erwandert. Natürlich war dies jeweils ein Medien – Großereignis, in einem Fall hatte er über 2000 Begleiter.

Ganz so schlimm war es bei uns nicht mehr, war er doch schon drei Jahre aus dem Amt geschieden. Am 26. April 1986 war es so weit.

Natürlich ließen es sich Lokal- und Kommunalpolitiker nicht nehmen, ihm, den Wanderern des Thüringerwald – Vereins vom Schlossplatz über Naturmuseum und Veste und dann durch den „Bausenberg“, vorbei am damaligen US-Waffendepot zur Fa. „Goebel“ zu folgen. Nach einem kurzen Empfang folgte eine Busfahrt zum „Rottenbacher Moor“. Vorbei an der damaligen DDR-Grenze ging es hinauf zur Sennigshöhe zu einem gemütlichen Ausklang dieses Tages. Vermutlich hätte dies alles, wäre er noch im Amt, nicht in so lockerer Atmosphäre stattfinden können.

 

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 Das Ende der „80er“

 

Die nächsten beiden Jahren verliefen in vergleichsweise ruhigen Bahnen. Im Jahre 1988 war der Wandertag ganz in der Nähe, in Bamberg. Ein Neuerung war die Gründung der Volkstanzgruppe. Es war dies ein Versuch, auch jüngere Leute für uns zu gewinnen, und zu Anfang war dies nicht ohne Erfolg. Es bildete sich eine jüngere Gruppe und eine in mittleren Jahren. Geprobt wurde in der Gaststätte „Juliusturm“ und auch bei Wolfgang Süße. Auftritt war bei den Stiftungsfesten und Julabenden 1987 – 1989, auch bei den Wandertagen 1987 – Eschwege – und 1988 – Bamberg, jeweils an den Festzügen. Es wurde sogar eine eigene Tracht angeschafft. Leider blieb der Erfolg nicht von allzu langer Dauer.

Bemerkenswert aus dem Jahr 1988 ist die Zerstörung des Traditionshauses „Weidmannsheil“ am Rennsteig durch Brandstiftung. Es war dies Gründungsstätte des Rennsteigvereins. Während die Brandruine noch die die „Wende“ überdauerte, erinnert inzwischen kaum noch etwas an diese Traditionsstätte.

 

Der 89. Deutsche Wandertag war im noch geteilten Berlin. Die Wandertags-Wimpelgruppe aus Bamberg allerdings konnte noch immer nur auf BRD-Gebiet wandern, bis Rudolphstein, es ging dann per Bus nach Berlin (West) . Bemerkenswert auch in diesem Schicksalsjahr waren auch erste Begegnungen auf Verbandebene zwischen dem Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine, dem Deutschen Alpenverein einerseits und dem damaligen „Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf“ der DDR.

 

Die „Wende“ war gekommen.

 

Im Spätherbst überschlugen sich dann die Ereignisse. Sie sind Geschichte geworden. Ermutigt durch eine neue Politik in Moskau, wagte die Bevölkerung in der DDR, sich gegen die Machthaber aufzulehnen. Es kam zu Protestkundgebungen, zu massenhaften Reisen in die damalige Tschechoslowakei, nach Ungarn in der Hoffnung, von dort aus in den Westen zu gelangen. Es geschah schließlich etwas, woran niemand so recht so glauben gewagt hatte.

Am 9. November öffneten sich die Grenzen. Es kam spontan  zu Begegnungen zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Grenze, zwischen Menschen, die sich jahrzehntelang bestenfalls aus der Ferne sehen konnten.

Bereits am 19. November 1989 wanderte eine Gruppe des Thüringerwald-Vereins eine Wanderung „drüben“, und zwar sogar im bisherigen Sperrgebiet, zur Veste Heldburg und nach Ummerstadt, in die Heimat von Wolfgang Süße also. Noch aber war Voraussetzung das gültige Tagesvisum für den „kleinen Grenzvekehr“. Besonders aber war dies für einen das einmalige Erlebnis, für Wolfgang Süße. Als erste Gruppe aus dem „Westen“ standen sie im Hof der Veste Heldburg, vor der Brandruine des „Französichen Baus“.

 

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Seitdem verstärkte sich der Austausch von Wanderfreunden von beiden Seiten der bisherigen Grenze. Schon bald kam der Wunsch nach einer Wiederbegründung des Thüringerwald-Vereins in Thüringen auf. Es erwies sich als ein Segen, dass der Thüringerwald-Verein in Coburg überdauert hatte und nun die Vorreiterrolle übernehmen konnte. Wir unterstützen die Wfr. aus Thüringen nach Kräften, es kam zu zahlreichen wechselseitigen Besuchen, bald auch zu Neugründungen von Zweigvereinen. In Erinnerung des Verfassers ist unter anderem ein Treffen im Frühjahr 1990 in Ilmenau.  Vor allem Wolfgang Süße fuhr von Sitzung zu Sitzung, von Gründungsversammlung zu Gründungsversammlung, oft bei schwierigen Bedingungen – vieles spielte sich im Winter 1989/90 ab. Oft aber auch suchten Wanderfreunde von drüben unsere Geschäftsstelle, unsere Veranstaltungen auf. Wie schon ausgeführt, wir brauchten ihnen nicht zu erklären, wie man wandert oder Wege markiert, es war die selbständige und eigenverantwortliche Vereinsarbeit, wo sie Rat suchten und fanden. Innerhalb eines Jahres seit der „Wende“ waren über 15 Zweigvereine neu gegründet. Es waren vor allem diese Aktivitäten, die zu einer späteren Ehrung führten: am „Tag der Einheit“ des Jahres 2006 wurde Wolfgang Süße auf der zentralen Veranstaltung in Kiel die „Einheitsmedaille“ verliehen.  Und natürlich gab es vermehrt Wanderungen „drüben“. Bald war dies ohne die anfangs noch erforderlichen Formalitäten möglich, insbesondere entfielen noch vor der staatlichen Vereinigung die Grenzkontrollen.

 

 Ein herausragendes Ereignis war auch die Wiedereröffnung des gesamten Rennsteigs am 28. 4. 1990.

 

Am 22. Sept. 1990 war es dann so weit:

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Die Wiedergründung des Gesamt-  Thüringerwald-Vereins wurde vom 1. Vorsitzenden des Thüringerwald-Vereins Coburg ausgerufen.

 

Coburg war vorübergehend Hauptsitz des Thüringerwald-Vereins.

 

Ehrendes Gedenken

 In der Zeit seit dem 75jährigen Jubiläum sind nicht wenige, uns teure Wanderfreundinnen und Wanderfreunde von uns gegangen. Es seien stellvertretend nur einige erwähnt:

 

Werner Ungelenk, langjähriger Schriftleiter und „Farnkraut“ – Gründer und darüber hinaus Mentor unseres Vereins. Er war auch im Hauptberuf Zeitungsmann.

 

Klaus Ehrlicher, Wanderwart, gelegentlich auch unser rechtlicher Berater, denn er war im Hauptberuf Rechtsanwalt.

 

Ernst Eckerlein, Vorsitzender von 1965 bis 1974. Er hatte wohl außerhalb unseres Vereins bei den Coburgern den größten Bekanntheitsgrad, einmal als Sohn des legendären „Schursch“ Eckerlein, dem unvergessenen Mundartdichter, dann aber vor allem auch wegen seiner eigenen, bis ins hohe Alter unermüdlichen Schaffenskraft als Heimatforscher und Heimatgeschichtskundiger Schriftsteller.

 

Mile Reichardt, in deren Obhut eine szt. blühende Wanderjugend stand, aus deren Reihen viele aktive Wanderer stammen.

 

Otto Treuter. War Ernst Eckerlein in Coburg bekannt, war „der Otto“ bei den Wanderern in unserem Verband Verband von Nord bis Süd, von West bis Ost, bekannt wie der sprichwörtliche „karierte Hund“.

 

Holger Bauer. Mit nur 28 Jahren erlag er einer schweren Krankheit. Häufig war er mit uns gewandert, ungeachtet der Einschränkungen, die ihm sein Leiden auferlegte.

 

Helmut Gunsenheimer. Auch er verließ uns früh. Mit ihm verlieren wir einen besonders tatkräftigen Mitarbeiter, der seine Befähigungen und beruflichen Qualifikationen als Bauingenieur uneigennützig in den Dienst unserer Sache. Ohne ihn wären die Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen der 80er und frühen 90er Jahre an der Alexandrinenhütte nicht zu bewältigen gewesen.

 

 Abschied vom Bausenberg

 

Der Julabend 2001 war unsere Abschiedsvorstellung im Traditions-Gasthof „Zum Bausenberg“ in Cortendorf, weil diese gastliche Stätte ihre Pforten schloss.

Seit 1967 hatten die Julabende – jeweils am Samstag vor dem 2. Advent – und lange Zeit auch die Stiftungsfeste dort stattgefunden.

Schon einmal hatten wir die Veranstaltungsstätte wechseln müssen – bis 1967 war der Gastgeber nämlich der „Saalbau Bätz“ am Kanonenweg gewesen.

Die Stiftungsfeste begehen wir seit 199x an der Alexandrinenhütte, die Julabende seit 2002 im Pfarrsaal von „Heiligkeuz“, Coburg, wobei wir vom Samstag Abend auf den Sonntag-Nachmittag gewechselt haben.

  

Autobahnbau auf der Sennigshöhe

 Etwas belastend für die Landschaft auf der Sennigshöhe war der Bau der „A 73“.

Bisher allerdings war die Lärmeinwirkung geringer als befürchtet.

Es erwies sich aber als notwendig, markierte Wanderwege umzuleiten, weil diese Straße natürlich nur an wenigen Stellen, wo Brücken vorhanden sind, überquert werden kann.

 

100-Jahr-Feier

 

Am 20. Mai 2007 war es endlich so weit. Bei strahlendem Wetter konnten wir das Jubiläums-Stiftungsfest auf der Sennigshöhe begehen.