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Das „Donnerloch“ bei Drossenhausen

Bei der Durchsicht der „Heimatkundlichen Lesebogen für das Coburger Land“, H. Stubenrauch, Ihl. Verl. 1957 stieß ich eher per Zufall über einen außerordentlich anschaulich und lebendig geschriebenen Artikel über das sog. Donnerloch in der Nähe unseres Wanderweges von Oberlauter nach der Sennigshöhe.

Die Autorin, Margarete Glinka aus Coburg, hebt die rein sachlich Beschreibung auf die Ebene einer Erzählung in die „Ich“-Form einer erstmaligen persönliche Anschauung des Phänomens und lässt darin die damals zur Verfügung stehenden Erkenntnisse einfließen. Die Schriftenreihe „Heimatkundliche Lesebogen“ war für Schüler bestimmt; die Texte sollten anschaulich und nicht zu sachich-trocken wirken.

Auszugsweises Zitat:

Margarete Glinka, Coburg

Die Geschichte vom Donnerloch

Im Sommer gingen mein Vetter und ich einmal von Oberlauter hinauf nach dem Dorf Drossenhausen. „Pass gut auf, wenn du auf der Höhe bist", sagte mein Vetter. „Da kannst du mitten auf dem Feld eine Fichte ohne Stamm aufragen sehen."……… Neugierig eilte ich hinzu; da stand ich vor einem Erdloch, das wie ein riesiger Kessel aussah. Und tief aus seinem Grund wuchs der Stamm der Fichte herauf…

„Zehn Meter tief ist das Loch", sagte der Vetter, „und acht Meter weit ist es mindestens von unserem Rand bis zu dem gegenüber."

„Aber wie kommt sie denn da hinein?" fragte ich, „und wie ist überhaupt so ein Loch da mitten auf den Acker gekommen?" „Das ist doch das Donnerloch", belehrte mich der Vetter. Und nun erzählte er mir die aufregende Geschichte von dem Loch, das sich hier vor 200  Jahren ganz plötzlich in der Erde auftat.

Da ist doch noch an jenem Oktobermorgen ein Mann mit seiner Schubkarre gerade über diese Stelle gefahren, aber da war sie noch ganz glatt. …..

 Als aber der Schäfer kehrt machte und die Herde heimtrieb, ist das Vieh an dieser Stelle stehengeblieben und hat erschrocken geglotzt. Da sah der Schäfer ein Loch, wie eine große Fensteröffnung vielleicht, aber so tief, dass er sich gar nicht hineinzuschauen getraute.

Der Schäfer trieb seine Herde zur Eile an, um gleich alles im Dorf zu erzählen…… Aber wie unheimlich wurde ihm erst, als er am nächsten Morgen nach dem Loch sehen ging und entdeckte, dass es über Nacht noch viel breiter und tiefer geworden war! Jeden Tag stürzte mehr Erde in die Tiefe, bis das Loch so breit war wie heute, aber dazu drei oder vier Mal so tief. Als dann endlich die Erde stillstand, hat die Gemeinde Drossenhausen einen Holzzaun um die Öffnung machen lassen, damit Mensch oder Vieh nicht an dieser Stelle zu Schaden kämen.

Ein paar neugierige junge Leute aber machten sich daran, die Tiefe ordentlich zu messen.(1) Da wurden von überall Seile herbeigebracht und zusammengeknüpft und an ihr Ende ein Stein gebunden. Dann warf einer mit Schwung den Stein in die Tiefe. Mehr als 80 m (2) Seil sollen dabei verbraucht worden sein; aber als das Messen noch einmal gemacht wurde, sind es sogar über 40 gewesen (3). Die Buben natürlich warfen auch immer wieder Steine in die Tiefe, wobei sie zählten, bis der Stein aufklatschte. Bis 15, hieß es, konnte man damals zählen, während heute das Loch doch schon sehr zugefallen ist.

Das war einmal eine abenteuerliche Geschichte! Ich konnte gar nicht genug davon hören. …Doch jetzt wollte ich natürlich wissen, wie das alles überhaupt hatte geschehen können. Mein Vetter lief ein Stückchen weiter, um mir eine Stelle zu zeigen, wo früher auch schon einmal ein Loch gewesen sein soll, aber ganz schmal und schräg in die Tiefe der Erde gehend, - etwa wie eine Kanalröhre.

Ein ganz alter Mann, so erzählte er, habe damals die Leute zu diesem Loch geführtund gesagt, das sei das alte Donnerloch, und von dem käme der neue Einsturz. Denn da führe ein unterirdischer Gang unter den Äckern hin bis halb nach Oberlauter, gerade in den Orteisgraben hinein. In seiner Bubenzeit nämlich sei einmal ein Schaf in dieses Loch gefallen und verschwunden. Nach drei Tagen hätten dann die Leute von Oberlauter an einem Erdloch, das sich zum Orteisgraben öffnete, das tote Schaf gefunden. Er und noch andere Buben wollten das natürlich nachprüfen und hätten in Regenzeiten, wenn eine Menge Wasser in das Loch schwemmte, besonders gezeichnete Holzstückchen da hineingeworfen. Wirklich wahr, er selber hätte mehr als einmal sein eigenes Hölzchen beim Ortelsbach wieder herauskommen sehen. (4)

Das alles, so endete mein Vetter, hätte ein Pfarrer in Meeder genau in sein Kirchenbuch eingetragen, damit wir Menschen von heute etwas von den alten Zeiten wüssten…….

 Auch unsere Langen Berge bestehen aus Kalkgestein. Nur bedauerten wir beide recht, dass sie nicht groß und hoch genug seien, um für solch mächtige Höhlen Raum zu lassen. Dass aber unter unseren Füßen tief in der Erde unterirdische Wasser liefen, war uns nun gewiss. Wohin sie aber heute führen mochten, wusste wohl niemand genau. Denn der Abfluss zum Orteisgraben, den der ganz alte Mann noch gekannt hatte, war ja nun schon seit mehr als 200 Jahren zugefallen.

„Da könnte es doch jeden Tag geschehen, dass irgendwo wieder die Erde über einer Höhle einstürzte", rief ich aus.

„Vielleicht, gerade heute", meinte der Vetter, „während wir auf dem Nachhauseweg sind? Und dann - was meinst du wohl, wie das wäre?" (5)

„Komm, bloß zurück nach Oberlauter", sagte ich. „Da sind doch wenigstens keine Höhlen unter der Erde!"

Zitat Ende

Eine Publikation des Naturmuseums stellt auch eine Verbindung zu dem damaligen Ereignis in Schmalkalden her.

(www.naturkunde-museum-coburg.de.../NP_Donnerloch_04112010)

Zur Autorin: Dem Verfasser ist die Autorin und ihr Ehemann Bruno noch ebenso persönlich bekannt wie vielen anderen Coburgern. Der beim Lesen  dieses und zumindest eines weiteren Beitrages in den „Heimatkundlichen Lesebögen“ entstehende Eindruck, es handle sich um Alteingesessene, täuscht – es handelte sich um Heimatvertriebene aus Ostpreußen. Genannt wird Bruno Glinka „und Frau“ als Lehrer in Frohnlach (www.frohnlach.de..../Ein langer Schulweg).

Ein Bruno Glinka veröffentlicht am 18.4.1964 im „Ostpreußenblatt“, Hamburg: „Später Frühling in Balga“. Balga = Ort am „Frischen Haff“.

 

Anmerkungen:

 

1) Lt. amtl Geotopkataster 473R001 genau am 19. Okt. 1779; ebenso der Internet-Dienst des LRA Coburg „Region Coburg“ v. 4.11.2010

 (2) Offenbar ein Druckfehler; erste Messung 80 m Nachmessung 40 m; außerdem wohl schon damals übertrieben 

(3) Lt. Geotopkataster a.a.O. sind es 8 m Tiefe; Länge und Breite je 14 m

 (4) Von diesem Phänomen ist in anderen Quellen nicht die Rede.

 (5) Solche Einbrüche sind auch heute noch im Coburger Land nicht gänzlich auszuschließen, sagt Dr. Eckhard Mönnig, Diplomgeologe und kommissarischer Leiter des Naturkundemuseums Coburg lt. www.region-coburg.de/nachrichten/doline-donnerloch/ downl. 17.02.2011

 

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