Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1968

 Ein stets gern gesehener Referent war der seinerzeitige Leiter des Naturkundemuseums, Dr. Georg Aumann. Auch suchten wir ihn gerne in seinem Museum auf. Seine Vorträge waren nie langatmig und trocken, er verstand Sachkompetenz mit Humor zu verknüpfen.

 Dem Meer entstiegene Heimat

 Eine Rechtfertigung erfuhr beim Juli-Waldabend unser Bemühen um das geschichtsträchtige Kulturdenkmal Staffelberg. Daß sich an ihm Jahrmillionen unserer Erdgeschichte nachweisen lassen, bestätigte Dr. Georg Aumanns Lichtbild-Vortrag über die „Erdgeschichte des Coburger Landes". Er ging davon aus, daß das Bild einer Landschaft geformt wird durch das Wechselspiel der seit Anbeginn von innen und außen auf die Erdkruste einwirkenden geologischen Kräfte. Obgleich sich dieses Wechselspiel für den Menschen nicht wahrnehmbar über unvorstellbare Zeiträume von Jahrmillionen erstreckt, vermögen die Geologen eine vollgültige Erdgeschichte zu schreiben, denn ihr Ablauf spiegelt sich wider in den einzelnen Gesteinsschichten.

 Auch unsere Coburger Landschaft unterliegt den Gegebenheiten ständigen Werdens und Vergehens. So war es in den Anfangsperioden des Erdaltertums vom Meer bedeckt. Erst in der Steinkohlenzeit wurde dieses Gebiet Festland vom Charakter einer leblosen Fels- und Tonwüste. Millionen Jahre später versank es erneut im Meer. Im Erdmittelalter sammelten sich dann im damals bestehenden großen Europäischen Becken - teils auf dem Festland (Buntsandstein und Keuper), teils im Meer (Muschelkalk) - jene Materialien an, aus denen sich die Gesteine unserer heutigen Landschaft bildeten. Der Beginn der Erdneuzeit (vor ca. 60 Millionen Jahren) schließlich brachte für das inzwischen endgültig zum Festland gewordene heimische Gebiet gewaltige Umwälzungen, die zu großen Brüchen (Verwerfungen) und Neigungen der einzelnen Gesteinsschichten, aber auch zum heute so reizvoll abwechslungsreichen Oberflächenbild unserer Heimat führten.

 Dr. Aumanns Lichtbilder veranschaulichten u. a. im Lauf der Zeit aufgefundene Zeugnisse für die Entwicklung der Erdgeschichte. Manche der gezeigten Versteinerungen wurden hierzulande entdeckt und tragen deshalb auch den Namen Coburgs. Nicht unerwähnt ließ der Referent, daß verschiedene Gewerbe- und Industriezweige letztlich nur deshalb entstehen und lebenswichtige Bedeutung für unsere Heimat gewinnen konnten, weil eben die geologischen Verhältnisse die Rohstoff-Voraussetzungen hierzu schufen.