Dr. Harald Bachmann

Der Alexandrinenturm

Vor 90 Jahren eingeweiht – vor 60 Jahren gesprengt

In: „Coburger Geschichtsblätter“ 3/1996

Dr. Bachmann ist seit langem einer der besten Kenner der Regionalen Geschichte. Er hat sich als langjähriger Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Coburg einen Namen gemacht. Bachmann   befasste sich zum  90. Jahrestag der Einweihung des Alexandrinenturms  intensiv anhand Studiums der Akten im Staatsarchiv mit der nur 30jährigen Lebensdauer dieses Aussichtsturms.

Er beginnt seine Darstellung mit dem 3. Mai 1902, als anlässlich des 50. Jahrestags der Verfassungsgebung in den Herzogtümern Coburg und Gotha ein „Verein patriotischer Männer“ gegründet wurde. Dies wird als entscheidender Anstoß für den Bau dieses Aussichtsturms  gesehen. Die Herzogin-Witwe Alexandrine erteilte  am 25. Juni 1904 die Zustimmung zur Verwendung ihres Namens. Anschließend galt es, die erforderlichen Mittel aufzubringen. Es gab einen Spendenaufruf, gerichtet u. a. an den Thüringerwald-Verein – Hauptverein mit dem Sitz in Eisenach. Diese sagte auch 500 Mark zu, allerdings an die Auflage geknüpft, auch in Coburg einen Zweigverein ins Leben zu rufen. Tatsächlich kam es zur Gründung, allerdings erst am 25. Mai 1907.

Ein Komitee zur Errichtung des Alexandrinenturms wurde gebildet, Vorsitzender war der Coburger Kaufmann Max Appel. Am 20. April 1905 reichte Appel den Bauantrag ein, die Pläne hatte Stadtbaurat Max Böhme gefertigt. Nach Rückfragen und Anforderung statischer Berechnungen folgte die Baugenehmigung am 10. Juni 1905. Alsbald  konnte der Bau begonnen werden, die Einweihung war bereits am 27. Mai 1906 möglich. Die mit dem Turm zu ehrende Herzogin war allerdings bereits am 20. Dez. 1904 verstorben.

Auch Dr. Bachmann liefert eine Schilderung der Einweihungsfeier und stützt sich auf einen Bericht von Hermann Langbein, dem ersten Biographen der Herzogin und Augenzeugen der Einweihung.

Dabei werden selbstverständlich auch die heftigen Regengüsse erwähnt, poetisch formuliert: „Der Himmel weinte Ströme von Tränen….“

Bald in den Jahren nach dem I.  Weltkrieg wurde über die zunehmenden Schäden am Turm berichtet, u.a. von Emil Rädlein, Gründer und langjähriger Vorsitzender des Thüringerwald-Vereins Coburg.

Bereits am 26. Aug. 1920 ordnete das Landratsamt (heutiger Sprachgebrauch) Absperrungs- und Sicherungsmaßnahmen an.

Am  17. Sept. dieses Jahres erstellt Baurat Reichenbach nach eingehender Besichtigung für das Landbauamt – Außenstelle Coburg ein ausführliches Gutachten für die Wiederinstandsetzung für einen Kostenaufwand von 5-6000 Mark.

Es kam auch  zu einer Verurteilung wegen mutwilliger Sachbeschädigung; dies wird ja von manchen Quellen auch als Hauptursache für die Beschädigung genannt.

Bachmann erwähnt, dass die Eigentumsfrage durchaus unklar war. Ursprünglich soll Eigentümer der Fremdenverkehrsverein Coburg gewesen sein.

Max Appel, auf dessen Initiative der Turmbau zurückzuführen war, bemühte sich nun um Spenden und Finanzierungsbeiträge.

In den folgenden Jahren war über eine Vielzahl von Aktivitäten mit Bezug auf den Alexandrinenturm, seinen Zustand und mögliche Maßnahmen zur Erhaltung und der Finanzierun zu berichteng, die aber allsamt zu keinem greifbaren positiven Ergebnis geführt haben. Außer Absperr- und Sicherungsmaßnahmen scheintr nichts konkretes unternommen worden zu sein. Es zeigt sich aber, dass diesen Fragen eine hohe Priorität zukam. Öffentlich-rechtliche Körperschaften und Dienststellen, namhafte Firmen und Vereine und natürlich die Zeitungen  waren mehr oder weniger intensiv beteiligt.

Um 1931, also mehr als ein Jahrzehnt nach den ersten Schadensmeldungen, begann sich abzuzeichnen, dass die Instandsetzung nicht in Betracht kam – Gutachten des Landbauamts vom 8. März 1931. Dennoch konnte von Bestrebungen berichtet werden, den Alexandrinenturm unbedingt zu erhalten.

Eine spezielle bürgerlich-rechtliche Frage wurde noch öffentlich erörtert, nämlich das Eigentum am Grundstück und dem Bauwerk. Selbstverständlich ist hierfür der Eintrag im Grundbuch maßgeblich, und dies lautete auf den Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs e. V. in Coburg. Es gibt aber die Möglichkeit, das Eigentum aufzugeben. Bei beweglichen Sachen ist dies alltäglich: das Wegwerfen oder korrekter die Entsorgung, das BGB spricht in § 959 von der Aufgabe des Besitzes in der Absicht, auf das Eigentum zu verzichten. Auch bei Grundstücken gibt es diese Möglichkeit, höchstwahrscheinlich wird selten davon Gebrauch gemacht. In diesem Falle ist die Aufgabe des Eigentums vor dem Grundbuchamt zu erklären (§ 928 BGB). Und von diesem Recht ist im Falle Alexandrinenturm Gebrauch gemacht worden, und zwar bereits am 21. April 1926. Der Fiskus kann Eigentümer werden, wenn er sich seinerseits als Eigentümer eintragen lässt, davon ist aber in der hier verfübaren Quelle, nämlich Coburger Tageblatt vom 15. Mai 1931 nicht die Rede.  Übrigens scheint dies keine Möglichkeit zu sein, sich etwa Altlasten - Grundstücke billig loszuwerden, hier hat wohl der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben.

Am 7. Juni 1935 wurde vom Bezirksamt (Landratsamt) Coburg eine Auskunft über die Durchführung einer Sprengung eingeholt.

Am 23. Dez. 1935 erstellte das Landbauamt Bamberg - Außenstelle Coburg - Gutachten und Pläne zur Errichtung einer Schutzhütte zu geschätzten Kosten von 5000 - 6000 RM.

Zwei Aufrisszeichnungen sind in dem betreffenden Aufsatz publiziert; unter anderem deswegen habe ich nochmals Einsicht in die Akten beim Staatsarchiv genommen. Es sind wirklich hochinteressante, alternative Pläne für die anstelle des Alexandrinenturms zu errichtende Schutzhütte. Sobald die Publikationsgenehmigung vorliegt, werde ich diese hier veröffentlichen. Es zeigen sich schon einzelne Stilelemente, die später auch in dem realisierten Entwurf des Architekten von Berg eingegangen sind. Über diesen war bisher leider nichts näheres zu erfahren.

Bachmanns Aufsatz schließt mit dem Hinweis, dass am 20. März 1936 die Anweisung des Bezirksamts zur Sprengung ergeht. Die Ausführung obliegt der Technischen Nothilfe, Leiter Studienrat Kayser. An einem Sonntag, dem 22. März 1936 war es dann soweit.

Berichte hierüber in dem “Coburger Tageblatt” vom 25. März 1936

siehe: (anklicken) Coburger Tageblatt 25. 03.1936

sowie der “Coburger Nationalzeitung” vom gleichen Datum. 1

Quellen: Staatsarchiv LRA 10793, Coburger Landestiftung Nr. 560

sowie Werner Ungelenks Chronik aus dem Jahre 1982

Anmerkung: “Technische Nothilfe”

Vorgängerorganisation des “Technischen Hilfswerks” in den Jahren 1919 - 1945, unterstand dem Reichsinnenministerium.

Aufgabenbereiche zunächst Einsatz in bestreikten, als lebenswichtig eingestuften Betrieben, später Katastrophenschutz und Luftschutz.

(Quelle WIKIPEDIA, 12.02.2011) 

 

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