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Dr. Ingo Krauß in:

Die Epitaphien und Grabmäler der St. Moritzkirche in Coburg und was sie erzählen“

Coburger Heimatkunde und Heimatgeschichte, herausgegeben von der Coburger Landesstiftung und dem Coburger Heimatverein

Erster Teil: „Die Epitaphien des Herzogs Johann Casimir und seiner Eltern.  Eine heraldisch-genealogische Studie“

Zweiter Teil: „Was außer den herzoglichen Epitaphien noch vorhanden ist, und was verloren ging, dazu die Fürstengruft

 

Coburg 1929 – 1933 bei A. Roßteutscher

 

In der Einleitung hebt der Verfasser hervor, dass im Schrifttum bis dahin  die heraldisch-genealogischen Bezüge dieser Denkmäler noch nie analysiert worden waren. Mir selbst scheint, auch danach nicht. Erst in neuester Zeit auf der Website „Dr. Bernhard Peter - heraldik-peter“.

Der Verfasser Dr. Krauß hält es daher für nötig, dem Leser zunächst die Funktion dieser jeweils 16 Wappenbilder zu erläutern. Es handelt sich um „Ahnenproben“. Die Abkunft der jeweiligen Person aus hochadeligem Geschlechte sollte zurückverfolgbar sein, bis in das 4. Glied, also bis zu den Ur-Urgroßeltern. Daher handelte es sich in diesem Falle 16 Personen.

Die Anordnung der Wappen sei nicht gleichgültig, sondern aus der Reihenfolge sollte der Verwandtschaftsgrad ablesbar sein.

Er hält das folgende Schema bei einer 16gliedrigen Ahnenprobe für Johann Friedrich II für richtig:

Acht Ur-Urgroßväter

  • (optisch) links Pos. 1       Sachsen:             (Vater-  dessen Vater-dessen Vater – dessen Vater)
    Friedrich II, Kurfürst von Sachsen, 1412 -1464
  • (optisch) rechts  Pos 1 Jülich-Berg         (Mutter-deren Vater –dessen Vater –dessen Vater )
    Johann I, Graf von der Mark,  1419 - 1481
  •   links Pos 2                       Mecklenburg    (Vater –dessen Mutter – deren Vater – dessen Vater)
    Heinrich III, Herzog von Mecklenburg, 1436 -1477-
  •   rechts Pos 2                   Ravensberg        (Mutter – deren Mutter – deren Vater – dessen Vater)
    Gerhard II , Graf von Jülich-Berg, 1417 - 1475
  •   links    Pos. 3                  Bayern                (Vater – dessen Vater – dessen Mutter – deren Vater)
    Albrecht III, Herzog von Bayern 1401 -1460
     
  •   rechts Pos. 3                 Hessen                 (Mutter – deren Vater – dessen Mutter – deren Vater)
    Heinrich III, Landgraf von Hessen, 1441 - 1483
  •   links Pos.    4                 Pommern            (Vater – dessen Mutter – deren Mutter deren Vater)
    Erich II, Herzog von Pommern , 1425 - 1474
  •   rechts Pos. 4                 Brandenburg (Mutter – deren Mutter – deren Mutter – deren Vater )
    Albrecht „Achilles“, Markgraf von Brandenburg, 1414 – 1486
  • links Pos.     5                 Österreich               (Vater – dessen Vater – dessen Vater – dessen Mutter)
    Margaretha, Erzherzogin von Österreich, 1416 – 1486, Gemahlin von 1)
  • rechts Pos.  5                Burgund              (Mutter – deren Vater – dessen Vater – dessen Mutter)
    Elisabeth von Burgund, um1439 – 1486,                          Gemahlin von 2)
  •                links Pos.     6                Brandenburg        (Vater – dessen Mutter – deren Vater – dessen Mutter)
    Dorothea von Brandenburg, 1420 – 1491,                      Gemahlin von 3)
    tatsächlich steht hier Braunschweig – Anna siehe Nr. 13
  • rechts Pos. 6                 S.-Lauenburg       (Mutter – deren Mutter – deren Vater – dessen Mutter)
    Sophie von Sachsen-Lauenburg, 1444 – 1473,              Gemahlin von 4)
    tatsächlich steht hier Katzenellenbogen – Anna siehe Nr. 14
  • links Pos.    7                 Braunschweig…..(Vater – dessen Vater – dessen Mutter – deren Mutter)
    Anna von Braunschweig, 1420 - 1474,                        Gemahlin von 5)
    tatsächlich steht hier Brandenburg, Dorothea siehe Nr. 11
  • rechts  Pos.7                 Katzenellenbogen (Mutter – deren Vater – deren Mutter – deren Mutter)
    Anna von Katzenellenbogen, 1443-1494                       Gemahlin von 6)
    tatsächlich steht hier Sachsen-Lauenburg – Sophie siehe Nr. 12
  • links Pos.    8                 Pommern (Vater – dessen Mutter – deren Mutter – deren Mutter)
    Sofia von Pommern-Wolgast  ca. 1435 -1497            Gemahlin von 7)
  •               optisch rechts Pos. 8     Sachsen (Mutter – deren Mutter – deren Mutter – deren Mutter)
    Anna von Sachsen, 1436 – 1512                                      Gemahlin von 8)

Die Reihenfolge könnte man auch so darstellen (V= Vater, M = Mutter)

Reihenfolge genealogisch:

1

V

V

 V

 V

2

M

 V

 V

 V

3

V

 M

 V

 V

4

M

 M

 V

 V

5

V

 V

 M

 V

6

 M

V

 M

 V

7

V

 M

 M

 V

8

M

 M

 M

 V

9

V

 V

 V

 M

10

M

 V

 V

 M

11

V

 M-V

 V-M

 M

12

M

 M-V

 V-M

 M

13

V

 V-M

 M-V

 M

14

M

 V-M

 M-V

 M

15

V

 M

 M

 M

16

M

 M

 M

 M

 

Wir erkennen hier an der Abfolge “V” (= Vater) bzw. “M” (=Mutter)  sofort eine gewisse Gesetzmäßigkeit. Die Zahl 16 entspricht der maximalen Kombination aus den gegebenen Gliedern. Man könnte die Zahl der Generationen auch noch steigern, auf 32 Ahnen usw.
 

Nun stellt Krauß fest, dass auf der optisch linken Seite die Positionen 11 und 13 sowie auf der rechten Seite 12 und 14 vertauscht sind, also Brandenburg mit Braunschweig und Katzenellenbogen mit Sachsen-Lauenburg. In der Tabelle oben sind die Abweichungen rot gezeichnet.

Im weiteren stellt Krauß fest, dass auch auf dem Epitaph für die Gemahlin Elisabeth die Positionen 11 und 13 sowie 12 und 14 vertauscht sind.
 

Krauß unterstellt hier eine Absicht oder eine eigene, gleichsam  speziell coburgische Ordnung.
 

Er beschäftigt sind ferner mit dem Alabaster-Epitaph, welches ebenfalls Ahnenproben enthalte, und zwar für Johann Friedrich II selbst sowie seine beiden Gemahlinnen. Auch diese würden der besonderen Ordnung folgen, dies sei aber heute nicht mehr ohne weiteres feststellbar, weil bei Renovierungsarbeiten usw. die Wappenschilder nicht mehr in der ursprünglichen Ordnung wiedergegeben worden seien.

Auch Dr. Bernhard Peter bemerkt in seiner Website die besondere Anordnung auf der Bronze-Grabplatte für Herzog Johann Friedrich, für ihn aber ist die Reihenfolge bei den Gemahlinnen korrekt, während bei den Herren sich die Rangfolge danach richte, wie nahe eine Dynastie an dem Probanden stehe. Die Mecklenburger seien bei der 4. Ebene, der 3. und auch 2. Ebene vertreten (hier allerdings handelt es sich um die Großmutter väterlicherseits), daher gehe diese Dynastie vor die Wittelsbacher („nur“ 4.und 3. Ebene).

Nun zu der bronzenen Grabplatte für Herzog Johann Casimir.

Hier ist die Reihenfolge der Ahnenwappen

(Seite immer vom Betrachter aus gesehen):

Oben links:
 Sachsen – Mecklenburg – Bayern – Pommern

Richtig wäre aber:
Sachsen – Mecklenburg – Cleve – Jülich
fehlen Cleve und Jülich

Zum Vergleich: Bei Johann Friedrich II ist die Folge, links oben:
Sachsen-Mecklenburg-Bayern - Pommern

Unten links
Österreich – Braunschweig – Brandenburg – Pommern

Richtig wäre aber:
Bayern – Pommern – Hessen – Brandenburg
fehlt Hessen

Bei Johann Friedrich II ist die Folge; links unten
Österreich – Braunschweig – Brandenburg - Pommern

Oben rechts:
Pfalz – Baden – Nassau – Katzenellenbogen

Hier müsste stehen:
Pfalz – Baden  - Brandenburg – Bayern
fehlt also Brandenburg und Bayern

Bei Elisabeth von der Pfalz; linke Seite  oben
Pfalz – Baden – Nassau - Katzenellenbogen

Unten rechts
Geldern – Heinsberg – Österreich – Nassau

anstatt:
Nassau – Katzenellenbogen – Polen – Österreich
fehlt, zumindest an dieser Stelle: Katzenellenbogen und Polen

Bei Elisabeth von der Pfalz, linke Seite unten
Geldern – Heinsberg –Österreich – Nassau

Für die „richtige“ Folge der Ahnen ist Quelle insoweit: Ingo Krauß a. a. O. Der Verfasser bezieht sich dabei auf einen Brief des Herzogs Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar mit beigefügter, künstlerisch gestaltetem Stammbaum; datiert vom 30. März 1594. Dieser Stammbaum ist in dem bezeichneten Buch als „Tafel III“ mit abgedruckt.

Endgültig fehlen:

Jülich, Cleve, Hessen, Polen,

an anderer Stelle:

Brandenburg, Bayern, Katzenellenbogen

Zusätzlich: Geldern

Herzog Johann Casimirs letztes Geheimnis

Dr. Ingo Krauß folgert, dass an der bronzenen Grabplatte in der Morizkirche (heute im Chorraum an der Wand) nicht die eigene Ahnenprobe dargestellt wird, sondern die seiner Eltern Johann Friedrich II sowie Elisabeth von der Pfalz, und zwar jeweils väterlicherseits (S. 5 a.a. O.) und jeweils mit den bereits beschriebenen Abweichungen in der Reihenfolge.

Für diesen Verfasser stellt sich aber anscheinend nicht die Frage nach dem „warum?“, vielmehr befasst er sich in der unmittelbaren Textfolge ausführlich mit dem Alabaster-Epitaph. Auch eine Beschreibung eines jeden Wappens ist beigefügt. Es folgt ferner ein Abschnitt „Charakterbilder –Herzog Johann Casimir und seine Vorfahren“ mit Zitaten nach Gruner, Sagittarius, Beck, „Deutsche Biographie“ u.a.

Relativ breiten Raum nimmt auch das Thema „Ahnenverlust“ ein. Gemeint ist damit, dass die selbe Person zweifach in der Ahnenreihe auftritt, weil es irgendeinmal zu einer Ehe zwischen (entfernteren) Verwandten gekommen war, im erlaubten Grenzfall also zwischen Vetter und Base. Unter dem rassenbiologischen Doktrin der damaligen Zeit wurde dies offenbar besonders betont, aber auch heute wird dies durchaus in der ernsthaften Wissenschaft noch beachtet (siehe WIKIPEDIA- Stichwort „Ahnenverlust“).

Ebenfalls dem Zeitgeist der 30er Jahre geschuldet ist offensichtlich der Hinweis bei Krauß a. a. O. S. 39 über  die „Zuflüsse nicht germanischen Blutes, nämlich aus den Häusern Mecklenburg, Pommern und Jagello, Burgund und Portugal, Capet und Visconti.
 

Wörtliches Zitat: „Die Reinheit der Rasse dürfte also bei fast allen Regentenhäusern in Zweifel zu ziehen sein“.

Vererbt seien demzufolge  aus der 4. Generation „landesväterliche Tugenden“, Jagdleidenschaft, aber auch die Neigung zum Trunke,  Jähzorn, Grausamkeit (insoweit Markgraf Kasimir von Kulmbach, der so trefflich durch den Maler Hans Suess von Kulmbach porträtiert worden ist). Damals glauben auch ernsthafte Wissenschaftler, dass mit den “Rassen” typische Verhaltensmuster verknüpft seien.

Aber auch diese Hinweise auf den sog. Ahnenverlust wie auch negative   Charakter-Vererbungen lassenkeinen Hinweis  zu, dass bestimmte Adelshäuser aus der Ahnenreihe getilgt sein sollten.

Ich habe nun versucht, die Frage mit der Hilfe von Orginal-Urkunden zu lösen. Tatsächlich gibt es im Staatsarchiv Coburg eine Akte über das Grabdenkmal des Herzogs Johan Casimir, und zwar sehr wohl zeitgeössisch. Problem nur: Lesbarkeit der damaligen Handschrift. Also hat mich dies nicht wirklich weiter geführt, das Geheimnis der Grabplatte für Herzog Johann Casimir zu lüften. Richtungsweisend wäre hier gewesen, wer eigentlich die Anordnung für die Gestaltung dieses Kunstdenkmals szt. gegeben hatte. Bekanntlich hatte Johann Casimir keine Abkömmlinge, keine Leibeserben. Für einige Jahre war sein Bruder Johann Ernst an der Regierung.