Abenteuer in der Eifel

 

Pünktlich konnten wir am Donnerstag, 13. Juli früh um 6 Uhr ab Bahnhof starten. Erster positiver Eindruck: der äußerst komfortable Reisebus, gesteuert in bewährter Wiese von Rolf Dürrnagel.

Nach einigen Zusteigepunkten wurde die „B 303“, Richtung Schweinfurt – Würzburg angesteuert. Bei strahlendem Sommerwetter erreichten wir dann ohne Probleme die Raststätte Würzburg. Nach kurzer Pause ging’s weiter über die „A 3“  - Frankfurt – Limburg – Montabaur zur „A 48“. Bei Koblenz überquerten wir dann den Rhein. Nun war es nicht mehr weit bis zu unserem Zwischenziel „Maria Laach“, das wir gegen Mittag erreichten; zugleich ein erster Höhepunkt dieser Reise.

 Alle waren beeindruckt von der romanischen Abteikirche. Erstmals machten wir Bekanntschaft mit einer landschaftlichen Besonderheit der Eifel, den Maaren. Auch der Laacher See ist solches, vulkanischen Ursprungs. Entstanden ist das Laacher Maar bei einer Explosion vor etwa 13000 Jahren. Diese soll an Urgewalt etwa der des Ausbruches des Vesuv  79 n. Chr.    entsprochen haben, wobei bekanntlich die römischen Städte Pompeji und Herculaneum zerstört wurden. Der Unterschied: bei den Eifel-Maaren traf aufsteigende, heiße Magma auf große Mengen an Grundwasser.

Heute sieht es am Ufer des Laacher Maares friedlich aus. Bewunderung fand auch die Klostergärtnerei, die eine einzigartige Vielfalt des Angebots an Blumen, Stauden und Sträuchern zeigt (siehe Titelbild). Neben der Viehwirtschaft und der Fischwirtschaft gehört diese Gärtnerei zu den wirtschaftlichen Grundlagen des 850 Jahre bestehenden Klosters.

Nach der Mittagspause bestiegen wir wieder den angenehm klimatisierten Bus, um die letzten etwa 100 km zu bewältigen. Unterwegs in der Vulkaneifel zeigten sich Regenwolken, und es fielen ein paar Tropfen. Es sollten die einzigen während dieser Reise und der anschließenden Tage sein. Stattdessen erlebten wir den Anfang einer Hitzeperiode, die noch als „heißester Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen „ in die Geschichte eingehen sollten.

Nun näherten wir uns unserem Ziel Bitburg. Das Hotel liegt außerhalb dieser Stadt, auf einem ehemaligen Flugplatz der US-Luftwaffe. Es sind also Kasernen-Gebäude, die nach Schließung dieses Stützpunkts einer neuen Verwendung zugeführt wurden.

Wer von der Fahrt noch nicht zu müde war, traf sich im recht angenehmen Biergarten des Hauses.

 

Luxemburg

 

Am nächsten Früh wieder strahlender Sonnenschein. Pünktlich startete der Bus zu einem Tagesausflug in das benachbarte Großherzogtum Luxemburg. Bald war deren gleichnamige Hauptstadt erreicht.

Nach längerer Fahrt, vorbei an modernen Betonbauten, erreichten wir den „Place de la constitution“ mit dem Ehrenmal und dem phantastischen Blick auf die tiefe Talschlucht „Grund“ mit den malerischen Brückenbauwerken und den Bastionen der ehem. Festung. Dort stieg der einheimische Fremdenführer zu und begleitete uns zunächst auf einer Stadtrundfahrt, u. a. zu einem wahrhaft pittoreskem Blick über das Petrustal und Festungsbauwerke.

Als wir an den Ausgangspunkt zurückkehrten, um die Innenstadt zu Fuß zu erkunden, wurden wir von der Polizei an den Seitenstreifen dirigiert:

Es war gerade der  14. Juli, französischer Nationalfeiertag, der offensichtlich auch in Luxemburg feierlich begangen wird,  Kranzniederlegung am Ehrenmal usw.

Wir konnten aber die Stadtführung, ausgehend von der Kirche „Notre Dame“ zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt, fortsetzen.

 

Zur Mittagszeit lernten wir das doch recht beachtliche gastronomische Preisniveau kennen, u.a. in einem der vielen Lokale am „Place d’Armes“ mit musikalischer Begleitung.

Dann wurde die Busfahrt fortgesetzt. Wir lernten das wildromantische „Mullertal“ mit der kleinen „luxemburgischen Schweiz“ kennen. End- und Höhepunkt dieser Fahrt war Echternach.  Berühmt ist dieser Ort wohl durch die „Springprozession“ zu Ehren des Stadtheiligen Willibrord.  Dieses Ereignis knüpft an mittelalterliche Bußprozessionen an und führt alljährlich zu Pfingsten um die 15000 Pilger in den kleinen Ort an der Grenze zu Deutschland. Bei uns ist dieser Begriff allerdings eher negativ belegt als Kennzeichnung für unentschlossene, zaudernde Handlungsweise.

Weniger bekannt ist, dass dieser Ort bis in die Römerzeit zurückgeht. Das Benediktinerkloster wurde von St. Willibrord um 698 gegründet. Die ursprünglich romanische Abteikirche hat in der frz. Revolution und im 2. Weltkrieg gelitten, wurde aber wieder aufgebaut.

Uns beeindruckten besonders die farbigen Fenster, die  wegen der schon tiefer stehenden Sonne wundervolle Farbenspiele auf dem Boden und den Wänden des Gotteshauses erzeugten.

Unweit der Abtei ist die ältere Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ auf einem Felshügel zu sehen.

Ein Bummel durch die Altstadt sowie eine Einkehr in einem Café schlossen den Besuch in Echternach ab. Es ging nun an die Heimfahrt.

Am Abend lud wiederum der Biergarten zu einem Besuch ein.

Biergarten

Angenehmer  Biergarten.

Der Samstag brachte eine Bus-Rundfahrt durch die VulkaneifelDie einheimische Führerin, Frau Haus, stieg bereits vor dem Hotel ein. Zu Anfang dieser Rundfahrt zeigte und erläuterte sie die ehemaligen und noch vorhandenen Einrichtungen der US-Army, insbesondere der Air Force in diesem Bereich der Eifel.

Ein erster Höhepunkt war der Besuch beim „Wallenden Born“. Nun, von den Eifelmaaren hatte jeder schon einmal gehört, auch dass sie vulkanischen Ursprungs sind. Aber, dass es auch so eine Art von Geisyr gibt, das hatte von uns wohl niemand erwartet.

Allerdings spritzt dieser „Wallende Born“ nicht heißes, sondern kaltes Wasser in regelmäßigen Abständen aus.  Dennoch, ein eindrucksvolles Naturschauspiel.

Der „Brubbel“, wie er von den Einheimischen auch genannt wird, verdankt seine Entstehung eher einem Zufall: im Jahre 1933 wurde nach Mineralwasser gebohrt. Das Werk konnte aber wegen des Krieges nie gebaut werden. Die Bohrung schnitt eine Felskammer, in der sich aufsteigendes CO2-Gas sammelt. Dieses Gas steigt in weiten Bereichen der Eifel aus dem Untergrund, man schätzt das Aufkommen auf ½ - 1 Mio. t pro Jahr!. Im Falle des „Brubbel“ übersteigt der Gasdruck in regelmäßigen Zeitabständen den der Wassersäule im Bohrloch, und das Wasser schießt aus dem Boden.

WallenbornSW

Unsere Gruppe am „Brubbel“

Anschließend besuchten wir eine in der Nähe liegende Imkerei, deren Inhaber und Betreiber sich auch um den „Brubbel“ kümmern.

Weiter ging die Fahrt über die Höhen der Eifel. Was mir auffiel: in der Eifel wird viel Viehzucht betrieben. Erfreulicherweise scheint in der Rinderhaltung die „Mutterkuh-Haltung“ weit verbreitet, bei der die Kälber nicht nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt werden, sondern mit ihr im Herdenverband auf der Weide verbleiben. Die Idylle hat aber ein Ende: auf diese Weise werden i.d.R. Fleischrinder erzeugt.

Die „Dauner Maare“ waren nächste Station.

Unweit von Daun liegen gleich drei Maare, nämlich Gemündener Maar, Weinfelder Maar (auch „Totenmaar“ genannt und Schalkenmehrener Maar.

Mit einer Kurzwanderung umrundeten wir das Weinfelder Maar. Es sieht dort nicht etwa unheimlich aus, wie der Beiname vermuten lässt. Dieser rührt vielmehr davon, dass ein Friedhof mit Kapelle über dem See steht. Vielmehr rührt dies von der Erinnerung an das  „wüst gefallene“ ehem. Dorf Weinfelden her.  Die Kirche ist einziger Überrest von dem infolge Krieg, Pest oder ähnlichem ausgestorbenen Dorf (ähnlich wie Gelnhausen  bei Rodach). Nein, für uns zeigte sich das „Totenmaar“ als ein ausgesprochen idyllischer Ort, eine liebliche Landschaft. Für einen Samstag im Hochsommer war es auch ruhig, nur wenige Wanderer außer uns. Zudem Naturschutzgebiet, offiziell besteht Badeverbot im Gegensatz zum benachbarten GKapelle1emündener Maar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Gruppe an der Friedhofskapelle oberhalb des „Weinfelder Maar“

 

Weiter ging nun die Fahrt über Täler und Höhen der Eifel.

Bei den Manderscheider Burgen gab es einen weiteren, kurzen Aussichts- und Fotostop.

Insbesondere Niedermanderscheid sieht geradezu unrealistisch romantisch aus, geradeso als wäre sie einem Fantasy-Film entnommen.

Zur Mittagseinkehr suchten wir die „Heidsmühle“ bei Manderscheid auf. Der Betrieb ist seit 1885 in Familienbesitz, heute sind noch drei Generationen aktiv tätig. Der Gasthof liegt äußerst idyllisch im Tal der Kleinen Kyll. Besonders verlockend waren die im eigenen Betrieb gezogenen Forellen. Die vielen Teiche und Becken und der Mühlbach brachten angenehme Kühlung.

Kleine Episode: in den Gewässern lebte auch eine Junge führende Stockente. Aus irgendwelchen Umständen war sie von einem Teil der Jungen getrennt worden, die Kleinen konnten weder fliegen noch den Beckenrand überwinden. Einige unserer Gruppe wurden auf die Situation aufmerksam; Wfr. Frau Naase besorgte bei der Gastwirtschaft einen Fischkescher, Wfr. Gusikat konnte damit wenigstens einen Teil der piepsenden Entchen einfangen und der Mutter zuführen.

Nächste Station war das Meerfelder Maar. Es handelt sich um den größten aller Maar-Kessel  der Eifel, wenn auch die Fläche des Sees vermindert wurde. Hier hielten wir aber nicht, sondern steuerten das letzte größere Ziel an, die

Abtei Himmerod.

Weltabgeschieden noch heute, verkörpert sie das Ideal dieses Reformordens. Bewusst wurden diese Klöster in abgelegenen Tälern gegründet. Der Lebensraum war durch Rodung zu gewinnen, was dem Prinzip „beten und arbeiten“ entspricht. In der Architektur war Schlichtheit gefordert, die Kirchenräume sollten zur Meditation anregen.  Himmerod im Tal der Salm (ein kleiner Mosel-Nebenfluss) soll das älteste Zisterzienserkloster in Deutschland sein. In unserer Region wären als Beispiele Sonnefeld (Frauenkloster) und Ebrach zu nennen. Den drei Kirchenbauten gemeinsames Erkennungsmerkmal: der Dachreiter anstelle der sonst üblichen Kirchtürme.

Himmerod

In der Abteikirche von Himmerod

 

Nette Episode bei unserem Besuch: eine Hochzeit.

Der Bräutigam war offensichtlich aktiver Feuerwehrmann, die Braut Karnevalsgardistin. Entsprechend das Spalier beim Auszug aus der Kirche. Vor der Kirche wurde gerade der Brauch des gemeinsamen Stammsägens ausgeübt. Dass sich die Ordensleitung darauf verstand (der Orden ist wiederbelebt!) beweist, dass man keineswegs weltfremd ist. Berühmt ist die Orgel, die nach dem Wiederaufbau der Kirche 1962 von Klais gebaut wurde, wir konnten uns bei unserem Besuch überzeugen (Bild).

Nach diesem erlebnisreichen Ausflug fuhren wir wieder in unser Hotel zurück.

Am Abend ein zusätzliches Angebot: Fahrt in die Stadtmitte von Bitburg mit einem Weinfest.

 

Deutscher Wandertag in Prüm

Am nächsten Morgen stand der Höhepunkt des Deutschen Wandertages in Prüm statt. Wir fuhren auf kurzem Weg nach der Wander-Hauptstadt.

Auf dem weitläufigen Parkplatz strömten schon die Reisebusse heran, ein ganz erstaunlicher Ansturm für einen in Deutschland doch dezentral gelegenen Ort.

Prüm wird ganz von der Abteikirche mit ihrer Barockfassade beherrscht. Im Wandertagsbüro und an den Info-‚Stellen herrschte der übliche Hochbetrieb, ebenso an den Getränke- und Verpflegungsständen. Es wurde wieder sehr heiß an diesem Tag, und manche zogen es vor, sich in den schattigen Stadtpark zurückzuziehen.

Dann zum Höhepunkt: der große Festzug. Bei glühender Hitze war dies eine Belastung für alle, zumal er sich diesmal sehr in die Länge zog.  Besonders nach der Ehrentribüne riss die Zugfolge immer wieder ab. Wir konnten den Zug letztlich nur etwa zur Hälfte sehen, dann fuhren wir wieder zurück nach Bitburg.

Die Nacht von Sonntag auf Montag verlief vergleichsweise ruhig.

Am nächsten Morgen stand die

 

Rückreise

an. Bald war alles gepackt und verstaut, und es konnte losgehen. Zum letzten Male das „Guten Morgen, Frisch auf!“ von Dieter Schubert, zum letzen Male auf dieser Reise trug Renate Völk ihren „Spruch des Tages“ vor, herzlichen Dank an dieser Stelle für diese Bereicherung des Programms. Über das schattige Kylltal führte die Fahrt in Richtung Mosel, die wir bei Trier – Ehrang erreichten. Bei wiederum herrlichem Wetter ging es nun immer der Mosel entlang, die Namen der Ortschaften lasen sich wie eine Weinkarte. In Bernkastel legten wir eine kurze Pause ein. An den Anlegestellen zahlreiche Fahrgastschiffe, neben Ausflugsschiffen auch ein modernes Luxus – Kreuzfahrtschiff: die „MS Amadeus Symphony“. Danach steuerten wir Koblenz zur Mittagseinkehr an.

Diese letzte Mittagseinkehr im „Königsbacher Brauerei – Ausschank“ war noch einmal ein echter Glanzpunkt.

Angenehme Räumlichkeiten – Blick über das Rheintal – gute Speisen und Getränke zu fairen Preisen, qualifiziertes Personal – so macht das Reisen Spaß, so sollte es überall sein!

Der vorletzte Halt dann am  „Deutschen Eck“ an der Mündung der Mosel in den Rhein.

Der Name soll auf das Mittelalter zurückgehen, als sich Deutschordensritter dort niedergelassen haben. Im Jahre 1897 wurde das Denkmal für Kaiser Wilhelm I errichtet. Es waren die gleichen Künstler tätig wie am Kyffhäuser –Denkmal: Bruno Schmitz (Architekt) und Emil Hundrieser (Bildhauer). Aber während die sowjetischen Besatzungstruppen das Denkmal am Kyffhäuser erhielten (auch gegen Demontage-Absichten von deutscher Seite!) wurde das Kaiser-Wilhelm-Standbild von US-Truppen zerstört.

Der Sockel blieb erhalten und wurde 1953 von Bundespräsident Heuß neu eingeweiht. Es soll dies der erste offizielle Anlass gewesen sein, bei dem nach 1945 die deutsche Nationalhymne öffentlich aufgeführt worden ist. Im Jahre 1993 wurde dann das Reiterstandbild rekonstruiert und wieder aufgesellt, Kaiser Wilhelm blickt wieder wie in alten Zeiten Richtung Berlin.

Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir weiter in Richtung Heimat. Fast ohne Stau erreichten wir dann das Rasthaus „Wirtshaus im Spessart“ zu einer letzten Pause.

Früher als erwartet erreichten wir wieder die Vestestadt und die verschiedenen Ausstiegspunkte.

Fünf unvergessliche Tage voller Erlebnisse lagen hinter uns.

Unser Dank gilt den Organisatoren; insbesondere Wilhelm Bauer und Renate Völk sowie dem ausführenden Reiseunternehmen, hier besonders den ausgezeichneten Fahrer Rolf Dürrnagel.

hdb-

Weitere Fotos, die im gedruckten Heft szt. nicht untergebracht werden konnten: