Brunnen im Inneren Schlosshof der Residenz Ehrenburg

Im Jahr 2011 - Themen aus “Max und Moritz” von Wilhelm Busch.

Diese Bildergeschichten waren bereits im Jahre des erstmaligen Erscheinens - 1865 - heftig umstritten wegen der Drastik und Grausamkeit des Geschehens. Der Siegeszug beim Publikum hat denn auch verhältnismässig spät eingesetzt. Immerhin handelte es sich neben vergleichsweise harmlosen Streichen auch um gemeingefährliche oder gar terroristische Anschläge (Steg angesägt, Sprengstoffanschlag). Die Versuch der Rache und die Vollendung fallen exzessiv barbarisch aus. Tatsächlich war der Verkauf des Buches an Jugendliche zeitweise verboten.

Die Zeichnungen erweisen Busch als Meister der Vereinfachung, bis hin zur Abstraktion. Mit wenigen Strichen gelingt es ihm, die Lebensumstände der dargestellten Personen anschaulich zu schildern, beispielsweise die bescheidene Behaglichkeit im Heim des Lehrers Lämpel. Viele sehen Busch daher als Vorläufer der wenige Jahrzehnte später in den USA erscheinenden “Comic strips”.

Die Gestalter des Brunnens haben dem schrecklichen Ende die Mahnung gegenübergestellt, “So weit darf es nicht kommen!”

Wenn wir genau hinsehen: auch die Architektur der Ehrenburg, die Renaissance-Altane von Bonallino, birgt Monster. 

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Wilhelm Busch hat noch weithin unbekannte Seiten, die in dieser Brunnengestaltung verständlicherweise keinen Niederschlag finden konnten. Da wäre der Maler von des bäuerlichen Lebens und der Landschaft, diese Werke weisen keine Ähnlichkeit mit den Bildergeschichten auf. Da wäre der Sammler von Märchen und Sagen - z. T. greift er auf die gleichen Quellen wie die Gebrüder Grimm zurück, doch inhaltlich oft recht derb und grausam (“Der Mordgraf”). Am erstaunlichsten sind die beiden Erzählungen “Der Schmetterling” und “Eduards Traum”. Besonders die letztere ist wohl ein  Vorläufer des Surrealismus. Der Einfall, im Traume zum Punkt zu schrumpfen und die Welt zu erkunden, hätte auch von Kafka stammen können, wäre da nicht die leichtfüssige, stets heitere  Ironie und das glückliche Ende. Busch ist Zeitgenosse von Lewis Carroll, wird im gleichen Jahre 1832 geboren, überlebt ihn aber um fast genau 10 Jahre. Der Einfall vom Kohlfeld, aus dem schmetterlingsfangende Menschen wachsen, und von Käfern als Gärtner hätte auch von Carroll sein können. Immerhin erschien “Der Schmetterling” 30 Jahre nach “Alice im Wunderland”. Die massiven Derbheiten in “Der Schmetterling” wäre aber bei dem Engländer nie in Betracht gekommen.

Übrigens, ohnhin hat Wilhelm Busch den einen oder anderen Einfall “übernommen’” von einem lange vor ihm lebenden Liebhaber rauher Scherze: Till Eulenspiegel. Bei ihm findet sich der Einfall mit den Hühnern (“Max und Moritz”) ebenso wie den Bienendieb, der einen “bemannten” und daher besonders schweren Korb mitnimmt (“Schnurrdiburr”.),

Golo Mann
Die Leute genossen die Werke des nur scheinbar heiteren, unergründlich boshaften, menschenfeindlichen Humoristen mit nie versagender Freude. Sie fühlten sich von ihm erkannt, aber auf eine Weise, die ihnen gefiel.
...Busch kämpfte mit Bismarck ...gegen die katholische Kirche, indem er nie aufhörte, auf Pfaffen, ausgepichte Jesuiten, alkoholische Eremiten....seinen gezeichneten um gereimten Spott auszugießen....ein selbstquälerischer, grundgescheiter, mitleidender Sadist.... Wer etwas erfahren will vom Geist des deutschen Bürgertums in der Bismarckzeit, der kann es in den Busch-Alben besser als in manchen gesellschaftswissenschaftlichen Traktaten.

(Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts)

Drum soll ein Kind die weisen Lehren

Der alten Leute hochverehren!

Die haben alles hinter sich

Und sind, gottlob! recht tugendlich!

...

Das Gute, dieser Satz steht fest -

Ist stets das Böse, was man läßt!

Ei, ja! - Da bin ich wirklich froh!

Denn, Gott sei Dank! ich bin nicht so!!!

(“Die fromme Helene”)

Der kleinste Stein, der vom Dache fällt, erschüttert die Welt (Wilhelm Busch: Schicksal)