Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1965

  Am Eichbrunnen herrscht wieder Leben

 

Coburger Postbeamte erneuerten Anlagen in freiwilligem Arbeitseinsatz

 Der Quellen-Rastplatz im Eichholz zwischen Neukirchen und der Zonengrenze hat gewiss seit vielen Jahren nicht mehr so viele Gäste gesehen wie in den letzten Wochen. Ihre große Zahl erinnert an die (allerdings wärmeren) Sommermonate des Jahres 1908, in denen die Brunnenanlage — wahrscheinlich auf Anregung der Herzogin Alexandrine — geschaffen und alsbald stark besucht wurde.

 Leider fehlte dem Eichbrunnen ein ständiger Betreuer. So blieb er denen ausgeliefert, die sich nicht wohlfühlen, wenn sie nicht zerstören können. Noch im Juli sah es dort böse aus. Steintisch, Sitzgelegenheiten und Einfriedungen waren verdreckt und beschädigt, das Ablaufrohr der Quelle derart verstopft, daß das mächtig nachdrückende Wasser sich neue Wege suchen mußte. Dabei wurde das Mauerwerk auseinandergetrieben. Das große Überlaufen führte zu Überschwemmung und Versumpfung, da auch der Abfluss ruiniert war.

 Die Waldraststätte war also sinnloser Zerstörungswut zum Opfer gefallen und als Ausflugsziel nicht mehr gefragt. Wenn sie das jetzt umso mehr ist, so ist das das Verdienst von vier Coburger Postbeamten. Siegfried Vetter, der ganz selbstverständlich seinen Pkw zur Verfügung stellte, Siegfried Stegner und Peter Kohles haben in den Sommermonaten wochenlang ihre Freizeit geopfert, um mit dem Wegemeister des Thüringerwald-Vereins, ihrem Kollegen Otto Treuter, nicht nur die Quelle wieder in Ordnung zu bringen, sondern der ganzen Anlage ein neues Gesicht zu geben. Fünf Stunden harte Arbeit haben sie allein damit zugebracht, den inzwischen verquollenen Holzstab aus dem Quellrohr herauszulösen, der zusätzlich noch mit einem Eisenkeil verrammelt war. Ebenso viel Mühe machte die Säuberung des völlig vermoorten Abflußrohrs. Es mußten ferner die auseinandergetriebenen Steine neu gesetzt, der Abflußgraben erneuert, rund 100 Meter des in die Lauter fließenden Eichbächleins gereinigt und reguliert, Tisch und Steine des Rastplatzes mit -Spachtel und Drahtbürsten entmoost und ansehnlich gemacht und die zusammengebrochene Holzbank renoviert werden.

 Die zuständige Forstverwaltung (Neustadt/ Taimbach) mit dem sehr aufgeschlossenen Forstmeister Schwarz an der Spitze hat sich über diesen Arbeitseinsatz von insgesamt 50 Stunden (!) nicht nur sehr gefreut; sie hat ihn durch Fahrerlaubnis bis zur „Baustelle" ebenso unterstützt wie dadurch, daß sie ausreichend Holz zur Verfügung stellte, so daß eine zusätzliche Birkenbank aufgestellt und das Geländer, das die Anlage einfriedet, wesentlich erweitert werden konnte.

 Zusätzlich haben die naturfreudigen Postler den Weg von Neukirchen über die alte Handelsstraße durchs Eichholz zur Quelle neu beschildert. Auch vom oberen Dorf wird noch eine Markierung zum Eichbrunnen geschaffen. Das ist der Wunsch der Bevölkerung von Neukirchen, die sich über die Arbeitsleistung der Coburger sehr gefreut hat.

 Das sollen alle Naturfreunde, wenn sie künftig Walderholung am Eichbrunnen suchen und finden. Mögen sie die Anlage aber auch so schonend behandeln und sauber halten, wie es der beispielhafte freiwillige Arbeitseinsatz der vier rührigen Waldgeister vom Coburger Postamt verdient.

 

Dazu passte folgende Anekdote, die auch schon anderweitig ähnlich wiedergegeben worden ist.

 Pfarrer und Köhler zugleich

 Der den Lautergrund im Norden umschließende Forst, dem das stattliche Pfarrdorf Rottenbach seinen Namen gegeben hat, birgt in seinem Zentrum eine heimat-historische Kostbarkeit, die selbst unter den passionierten Waldwanderern nur wenige kennen: Die Kohlersfichte nahe dem idyllisch gelegenen Pfaffenteich, dessen Bezeichnung ihn als ehemaligen Pfarreibesitz ausweisen dürfte. Die stattliche Köhlersfichte (heute mindestens 45 Meter hoch und nur von vier langarmigen Männern zu umspannen) kennzeichnet ihren Standort als einstigen Platz eines Kohlenmeilers, dem man eine - wenn auch nur bescheidene -lukrative Bedeutung für den in früheren Jahrhunderten offenbar recht armselig honorierten Ortsgeistlichen nachsagt. Einer Überlieferung aus der nachcasimirianischen Zeit zufolge soll der Rottenbacher Pfarrer hier nebenbei dem Köhlerhandwerk notgedrungen und so intensiv gehuldigt haben, daß er an einem Sonntag darüber seine Predigerpflicht versäumte. Just an diesem Sonntag gesellte sich zu der vor verschlossener Kirchentür der Andacht harrenden Gemeinde der regierende Herzog. Als er vom nebenberuflichen Eifer des Pfarrers erfuhr, veranlasste er ein Sturmgeläut, das den ein Unglück befürchtenden Geistlichen tatsächlich im Nu herbeizauberte. Der gestrenge Fürst zwang ihn so, wie er vom Meiler kam, zur Erfüllung seiner Gottesdienerpflicht, die der Pfarrer fortan niemals mehr verletzt haben dürfte. Immerhin aber soll ihm das Malheur die höhere Einsicht einer dringend notwendigen Einkommens-Aufbesserung alsbald eingebracht haben. Womöglich ist die heute unter Naturschutz stehende Köhlerfichte sichtbares Zeichen seiner Dankbarkeit dafür, daß er aus dem Zwiespalt irdischer Existenzsorgen erlöst wurde.

 

Am wieder munter sprudelnden Eichbrunnen

 Die wieder einladende Anlage des Eichbrunnens im Norden des Taimbacher Forstes (über ihre Instandsetzung berichten wir auf Seite 6; Anmerkung: an dieser Stelle: oben) hat am 12. September mit 37 Thüringerwald-Vereinlern zugleich eine stattliche „Konsum"-Betriebsgruppe angelockt. Auch sie folgte ab Neukirchen bei Nieselregen der Wegweisung Franz Reinhardts über die leuchtende Heide beiderseits der alten Handelsstraße durch das Eichholz. Dem kurzen Instruktionsbesuch am wieder munter sprudelnden Quell schloß sich ein Bahndamm-„Gänse-marsch" zum Muck'l-Brünnle an. Dort erwartete die ThWVler das 86jährige Tremersdorfer Mitglied Edmund L i n d n e r. Der Wanderführer sprach ihm offiziellen Dank dafür aus, daß er den unlängst um eine massive Schutzhütte bereicherten Rastplatz mit unentwegtem Idealismus betreut. Nach einem Blick zum Standort der 1961 von Vopos abgebrochenen Weihersmühle und zum Jenseits der Zonengrenze sichtbaren Truckendorf ging es am einstigen Görsdorfer Bahnhof vorbei hart an der Grenze hin zum malerisch herbstbunten Pfaffenteich, zum nahen Röstenteich, der an die hier einst betriebene Flachsrösterei erinnert, und zum grenzunmittelbaren Harrasteich (so benannt nach seinem ehemaligen Besitzer). Dazwischen lag ein Besuch an der neben einer stattlichen Kiefer tief im Wald versteckten Köhlersfichte (Näheres siehe Seite 6), von der aus der bewundernswert ortskundige Wanderführer den kürzesten Forstweg zur Mittagseinkehr in Rottenbach einschlug. Am Nachmittag stiegen die Wanderer über die Mirsdorfer Kuppe zur Alexandrinenhütte hinauf. Sie erreichten ihr Wanderheim in dem Augenblick, als es der Coburger ADAC verließ, der hier den Höhepunkt seiner „Steig aus und wandre!"-Unternehmung erlebt hatte. Nach einem sangesfroh ignorierten Platzregen eilten unsere Wanderer in zwei Gruppen zu den Bus- und Bahnhaltestellen in Tremersdorf und Meeder, die sie trotz wiederholter Wildbeobachtung einigermaßen regenverschont erreichten.

 

Anmerkung: Diese Wanderung im Herbst des Jahres 1965 berührte einen Bereich, der viel später, lange nach der „Wende“ für Schlagzeilen sorgen sollte, nämlich die ehemalige Werrabahntrasse. Inzwischen ist längst der Weihersbachgrund unter „FFH“-Schutz gestellt ebenso wie die Feuchtgebiete um Rösten- und Harrasteich. Die Köhlersfichte steht noch immer.