Wir wandern ja überwiegend im bewaldeten Gelände, das wird niemanden überraschen. Diese Wälder interessieren  uns keineswegs nur so beiläufig, sondern wir nehmen gerne kompetente Informationen wahr, sei es mit Hilfe von Vorträgen in unseren Waldabenden, sei es ganz praxisnah “vor Ort”, wie in diesem Wanderbericht aus 1998

Eichhörnchenspiel im Weidacher Forst
 

An der zweiten Wanderung dieser Saison hatte der Frühling endgültig die Oberhand gewonnen. Eine Waldexkursion unter der sachkundigen Führung des Leiters des Forst- und Domänenamts Coburg, Forstoberrat Mantel, stand auf dem Programm.
Zuvor wanderte die Gruppe unter der Führung von Gisela Renner von Coburg nach Weidach. In den Gärten standen Krokusse, Narzissen und die ersten Tulpen in Blüte.
Am Ortsrand von Weidach konnten die Wanderer Coburgs obersten Förster begrüßen. Dieser gab zunächst eine kurze Einführung in die forstwirtschaftlichen Aufgaben seiner Dienststelle. Coburg hat das einzige „Forst- und Domänenamt" Bayerns. Die Besonderheit liegt in ausgedehnten, verpachteten landwirtschaftlichen Flächen. Mantel zeigte die Forstdienstkarte des Weidacher Bereiches im Maßstab 1:10.000. Das Alter der einzelnen Bestände ist durch Farbflächen markiert. Anhand dieser Karte ist jede Stelle in den Forsten auffindbar. Altüberlieferte Flurnamen leben in den amtlichen Bezeichnungen weiter. In der anschließenden Waldbegehung verwies Mantel anhand von Beispielen und Übungen auf die forstliche Praxis.
Auf kleiner Fläche wies er fünf verschiedene Baumarten nach. Es handelt sich also um Mischwald. Welche Baumarten gedeihen, liegt aber an der Bodenbeschaffenheit. Auf Fichtenkulturen könne der Forst aus wirtschaftlichen Gründen nicht verzichten. Überhaupt sei er auf angemessene Erträge aus der Verwertung der Baumbestände angewiesen. Anhand der Baumscheiben frisch gefällter Stämme verwies Mantel auf die wertbestimmenden Merkmale und Kennzeichen und erläuterte, wie der Förster durch Waldpflege auf die Ernte gut vermarktbarer Stämme hin arbeitet.
Auch auf Waldschäden verwies der Forstbeamte. Anhand einiger der ohnehin seltenen Tannen erläuterte er die Schäden durch Luftschadstoffe. Auch Verbißschäden durch Rehwild sind ein ernstzunehmendes Problem. Häufig kann es nur durch Wildschutzzäune bewältigt werden.
Ertragsschäden können aber auch durch schwere Zug- und Arbeitsmaschinen im Forst angerichtet werden. Mantel verwies auf einen Einschlag eines stattlichen Stammes, der nur noch als Brennholz verwertbar war, weil die Rinde durch eine Zugmaschine vor Jahren beschädigt worden war.
Mit dem „Eichhörnchen- und Nußräuberspiel" verwies der Forstbeamte auf die Verbreitung von Baumsamen durch die im Wald lebenden Tiere, die Vorratsverstecke für den Winter anlegen.
Zur Mittagseinkehr wurde Weidach angesteuert.
Nach dem Mittagessen wanderte die Gruppe in Richtung Krebsmühle weiter. Das Wetter war frühlingshaft, fast schon frühsommerlich. Im Bereich des „Zigeunerbirnbaums" trennten sich die Wanderer, einige steuerten die Kleingartengaststätte Wüstenahorn an, während die anderen ohne Umweg heimkehrten.
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