Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1965

 Der Thüringerwald-Verein Coburg war immer mehr als ein reiner Wanderverein. Zu seinen Zielen, wie von Anfang an auf der Titelseite seiner Zeitschrift „Das Farnkraut“ ausgewiesen, gehören auch Heimatpflege und Naturschutz. Ein Beispiel der folgende Wanderbericht aus dem Jahre 1965.

 Anregende heimatkundliche Wanderung

 Wertvolle Anregung für künftige winterliche Unternehmungen haben die 37 Teilnehmer der heimatkundlichen Wanderung am 14. März gewonnen. Sie stiegen, von morgenfröstelnden Hasen und Eichhörnchen bestaunt, durch den Hofgarten zunächst zum Oberen Wall empor, um von dort aus den jetzt wieder[i] freien Blick auf Coburg zu genießen und sich gleichzeitig durch Karl Arnold an die wichtigsten Daten der Baugeschichte unserer Veste erinnern zu lassen. Über die noch schneeweiße Brandensteinsebene und durch das sonntäglich stille Rogen, wo Karl Arnold im Blick zum nahen Achatfelsen Proben dieses ebenso schmucken wie nützlichen Gesteins erläuterte, zogen sie dann hinüber zum Schloß Neuhof. Im Gemeinschaftsraum des Altersheimes[ii] boten Richard Hauptmann und Gattin den Wandergästen nicht nur einen hochwillkommenen Teetrunk zum Frühstück, sie gaben ihnen obendrein noch eine Aufzeichnung der Schlossgeschichte mit auf den Weg, die Wanderführer Werner Ungelenk später bei der Mittagseinkehr in Mönchröden verlas. Der „Gänsemarsch" dorthin führte über den noch schneereichen Pfaffenberg, in dem ein ganzes Rehrudel den Wanderweg kreuzte, zunächst nach Einberg, dessen vieldiskutierte Kirchenmalerei[iii] den Coburgern durch die Gattin des bisherigen Ortsgeistlichen, Pfarrer Federschmidt, eindrucksvoll gedeutet wurde. Am Mittagsziel Mönchröden gab es zunächst ein kräftiges Klößgericht im gastlichen Hause Bauer. Daran schloß sich eine Besichtigung des 800jährigen Klosters unter Rektor Stubenrauchs[iv] orts-und geschichtskundiger Führung an. Die kirchen-musikalische Kostprobe, die der Organist der barocken Klosterorgel den Gästen bot, war Höhepunkt der Tageserlebnisse, die nach dem Rückmarsch durch das Rödental in Oeslau bei der Schlusseinkehr lebhaft besprochen wurden.


[i] Gelegentlich kontrovers diskutiert wird das Problem des „Freischneidens“ im Hofgarten, um den Tiefblick freizuhalten. Offensichtlich war dies also schon 1965 aktuell.

[ii] Die Nutzung hat sich im Laufe der Jahre mehrfach geändert. Damals also Altenheim.

[iii] In der Tat haben die Malereien von Rudolf Büder (1920-2002) damals Aufsehen erregt.  Die Kirche zu Einberg ist im Kern spätromanisch mit spätgotische Chor, Langhaus 17. Jhdt., nochmals erneuert 18. Jdht. Und schliesslich nach 1945. Malereien 15. u. 16. Jhdt. und eben moderne 20. Jhdt.

[iv] Bekannter und damals sehr aktiver Heimatforscher. Also innerhalb dieser Wanderung die zweite kunsthistorische Besichtigung, noch dazu mit Orgelkonzert.