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Dieser Text ging als Einladung damals in mehrhunderttausendfacher Ausfertigung an alle Wanderfreunde im damaligen Verband der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine (heute: Deutscher Wanderverband).

9. - 13. August 1984 -

 Coburg ruft zum 84. Deutschen Wandertag

 

Von welcher Richtung auch immer Sie, verehrte Wanderfreunde, sich unserer Stadt nähern, ob im Fahrzeug oder als Wanderer, immer wird es die Veste Coburg sein, die schon von ferne grüßt. Diese unsere Veste, genannt auch "Fränkische Krone", thront hoch über der Stadt, ist Wahrzeichen und war Jahrhunderte ihr Schirm. Steinerner Zeuge ist die Veste Coburg von einer großen Vergangenheit als Haupt- und Residenzstadt. Residenz war Coburg bis in unser Jahrhundert hinein -und dies gibt unserer Stadt noch heute ein eigenes, unverwechselbares Gepräge. Die Altstadt blieb zum Glück weitgehend unversehrt; bei den älteren Baudenkmälern dominieren Gotik und Renaissance, bei den jüngeren hingegen Historismus und Jugendstil. Coburg blieb mit seinen heute etwa 45000 Einwohnern überschaubar. Hier ist nicht Raum für eine ausführliche Stadtbeschreibung oder gar einen geschichtlichen Abriß. Kommen Sie zum 84. Deutschen Wandertag und entdecken Sie Coburg selbst! Sie werden gewiß nicht zum letzten Male hier gewesen sein.

Die Umgebung unserer Stadt ist wie eigens für Wanderer geschaffen. Selten werden Sie auf verhältnismäßig engem Raum eine so abwechslungsreiche und vielgestaltige Landschaft erleben. In das weiche Gestein der Ausläufer des Thüringer Waldes haben Bäche und Flüßchen tiefe Täler gegraben. Sie können schroffe Waldtäler finden wie den Froschgrund und das Lautertal. Daneben aber gibt es sanfthügeliges, offenes Bauernland wie etwa die Meederer oder die Rodacher Fluren, sogar auch Heideland im Neustadter Kessel. Namentlich die langen Sommerabende verleihen dem Coburger Hügelland einen ganz eigenen Reiz, wenn das Licht allmählich weicher wird und die Schatten länger. Unseren Wandertagsgästen wird eine gute Auswahl geführter Wanderungen geboten. Außerdem stehen selbstverständlich unsere markierten Wanderwege zur Verfügung, deren Zuverlässigkeit uns gerade von Fremden bestätigt wurde.

Noch einige Sätze zu uns vom Thüringerwald-Verein. Oft fragen uns auswärtige Wanderfreunde wegen unseres Namens, der Thüringerwald liege doch in der DDR. Das ist richtig. Historische Bindungen und die Nähe zu einem der herrlichsten Wandergebiete Deutschlands waren es, die vor nunmehr über 75 Jahren in Coburg eine Ortsgruppe des damals großen und weitverzweigten Thüringerwald-Vereines entstehen ließen. Nach der Teilung Deutschlands wurden alle Ortsgruppen in der heutigen DDR aufgelöst, einzig wir im westlichen Teil Deutschlands wahren die Tradition, sind jetzt Hauptverein und Ortsgruppe zugleich mit derzeit rd. 700 Mitgliedern.

Die Teilung Deutschlands - auch hierzu ist kurz Stellung zu nehmen. Diese Grenze wmrde zum Schicksal für Coburg. Sie schnürte uns von jahrhundertealten Verkehrswegen, von menschlichen Bindungen wie von Wirtschaftsbeziehungen ab. Erst seit einigen Jahren wieder gibt es einen Straßengrenzubergang (Rottenbach/Eisfeld), der aber nur unter den Einschränkungen benutzt werden kann, wie sie eben für DDR-Reisen gelten. Der besondere Fleiß und die besondere Tüchtigkeit von Arbeitnehmern und Unternehmern haben es vermocht, wirtschaftlich Anschluß an das übrige Bundesgebiet zu halten und die Standortnachteile wenigstens etwas auszugleichen. Wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession aber bekommen wir unsere Grenzlage wieder verstärkt zu spüren. Nun liegt die Arbeitslosigkeit erstmals über dem Durchschnitt, wobei uns insbesondere diejenige der Jugend Sorgen macht.

Wir würden uns ganz besonders freuen, Sie im August des nächsten Jahres bei uns begrüßen zu dürfen.

 

Wolfgang Süße                           Hans D. Bürger

1. Vorsitzender                            Pressewart

 

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