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Die Einweihung oder, genauer: die „Enthüllungsfeier“ für das Denkmal Herzog Ernst II am 10. Mai 1899 war natürlich ein denkwürdiges Ereignis. Die „Coburger Zeitung“ am folgenden Tag brachte die volle erste Seite – 3 Spalte – und auf der 2. Seite immerhin nochmals ein Drittel an Berichten hierzu. Allerdings ausschließlich Wortbeiträge, ausführlichste Wortbeiträge – Bilder konnte man damals zumindest nicht so schnell liefern. Obwohl die Fotografie längst erfunden war und auch eifrig praktiziert wurde.

Zuförderst natürlich die Aufzählung der wichtigsten prominenten Ehrengäste:

Die „Königliche Hoheit“, der namentlich allerdings nicht bezeichnet zu werden brauchte. Es handelte sich um Herzog Alfred (1844 – 1900), dann

seine Gemahlin, die „Kaiserliche Königliche Hoheit“. Auch hier selbstverständlich der korrekte Titel. Es handelte sich um Maria Alexandrowna, (1853 – 1920) geboren als Tochter des russischen Zaren Alexander II.  Es heißt, sie habe Wert auf den kaiserlichen Titel gelegt (so unter „WIKIPEDIA“).

ihre Hoheit, die Herzogin-Witwe, also Alexandrine von Baden (1820 – 1904); geführt übrigens vom Herzog, während seine Gemahlin von Prinz Philipp (1844 – 1921) geführt worden ist. Solche Feinheiten waren gewiss von Bedeutung und blieben im Zeitungsbericht nicht unerwähnt. 

Prinzessin Beatrice (1884 – 1966); jüngste Tochter des Herzogspaares, damals also 15 Jahre jung . Sie ehelichte 10 Jahre  später  Prinz Alfonso d’Orleans-Bourbon, einen Cousin des späteren spanischen Königs Alfons XIII.

Soweit zu den  „höchsten Herrschaften“.

Ferner: das „gesammte„ Denkmalkomitee, „Oberhof- (?)“ und Hofstaaten, Ministerien, Staats-Behörden, Oberbürgermeister und Bürgermeister usw., dann natürlich der Schöpfer des Denkmals, der Bildhauer Prof. Gustav Eberlein.    Es fehlten nicht die Präsidenten bzw. Vertreter der Deutschen Turnerschaft, des Deutschen und des Fränkischen Sängerbundes, Krieger- und Gesangvereine usw. Es  lief eben genau so ab, wie wir uns dies später immer vorgestellt haben.

Unvermeidlich war eine Festansprache, wobei ein „wirklicher Geheimrath“ in Erscheinung trat, nämlich Dr. Tempeltey.  Gemeint war vermutlich Eduard Tempeltey, 1832 – 1919; damals Intendant am Hoftheater in Coburg. Er sammelte und editierte die Korrespondenz zwischen Herzog Ernst II und Gustav Freytag (lt. WIKIPEDIA; downl. 11/12), war aber auch im herzoglichen Staatsdienst tätig.

Die Ansprache ist in den damals üblichen Pathos gehalten. An sachlichen Informationen ist ihr zu entnehmen, dass die Finanzierung des Denkmals nicht allein aus dem Herzogtum kam. Es bildete sich ein nationales Komitee unter der Leitung von Rudolf von Bennigsen  (1824 – 1902). Es handelte sich um einen der führenden Vertreter des damaligen politischen Liberalismus in Norddeutschland.

Der Redner ging recht deutlich auf die Rolle des Herzogs während der politischen Umbrüche der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts ein. Sein Staat sei damals eine „viel beneidete Heimstätte des Rechts und der Freiheit“ gewesen. Es war wirklich so, dass im Staate Sachsen-Coburg und Gotha damals mehr Toleranz geübt wurde als in anderen deutschen Staaten. Unter anderem war es kein Zufall, dass der Einigungs-Parteitag der deutschen Sozialdemokratie im Jahre 1875 in Gotha stattfinden konnte (Gasthaus „Tivoli“).

Ausführlich hervorgehoben wurde die Rolle in der Epoche der deutschen Einigung. Kein Zufall ist es wohl auch, dass in dem berühmten Gemälde des Anton von Werner (1843 – 1915) über die Kaiser-Proklamation im Spiegelsaal von Versailles am 18.1.1871 Ernst II ganz im Vordergrund steht, am linken Bildrand hinter dem Kürassier, der dem Paradesäbel präsentiert. Dabei spielte auch die „Befreiung Schleswig-Holsteins“ eine Rolle. Er war bei dem Gefecht bei Eckernförde im Jahre 1849, bei welchem die deutschen Bundestruppen (noch gab es kein „Deutsches Reich“) gegen Dänemark einen Sieg errungen hatten, ranghöchster Kommandant und es wurde in den Augen der Öffentlichkeit ihm das Verdienst am Sieg zugesprochen.

Poetisch beschreibt dann Tempeltey den Standort des Monuments zwischen dem „Schloss seiner Väter“ (der Residenz Ehrenburg), der „ehrwürdige, historien- und sagenreiche Bau vergangener Jahrhunderte, unsere altersgraue Veste, von der Höhe seitwärts …. im Maiengrün ….sein sommerliches Heim, Schloss Callenberg……zu Füßen des Denkmals aber breitet sich das liebliche Ländchen aus….recht eigentlich im Herzen des deutschen Vaterlandes gelegen, an dem sein Herz hing.

Anschließend fiel mit huldvollster Genehmigung des Herzogs die Hülle von dem Denkmal ab, nicht ohne das Ehrengeläute, dem Ehrengruß eines angetretenen Bataillons, dem Schwenken aller Fahnen und Ehrensalven von der Veste. Der richtige Augenblick muss an das Kommando auf der Veste irgendwie übermittelt worden sein, nachrichtentechnisch damals gar nicht so einfach. Feldtelefone gab es erst einige Jahre später. Es wird berichtet, dass just in diesem Moment die Sonne durch die Wolken brach und dass das Herzogspaar und die Herzogin Witwe tief ergriffen waren.

 Erwähnenswert ferner: Man sang das Lied “Deutschland, Deutschland, über alles...”. Die Dichtung des August Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874) war schon damals vor mehr als 50 Jahren entstanden, 1841 nämlich, aber noch längst nicht Nationalhymne. Diese wurde sie erst am 11. Aug. 1921 durch den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Auch die Melodie von Joseph Haydn gab es längst, als Kaiser-Hymne. Es heißt, die Dichtung sei auf die damals weithin bekannte Melodie erfolgt (“WIKIPEDIA”, downl. 11/12). Die in den Anfangszeilen  bezeichneten geographischen Abgrenzungen umreißen den damaligen deutschen Sprachraum innerhalb des “Deutschen Bundes” und des Kaisertums Österreich; nicht dessen äußerste politische Grenzen, vor allem nicht bezüglich Österreich. Man muss dies auch vor dem Hintergrund des damaligen französischen Expansionsstrebens zu einer Rheingrenze hin verstehen.

Am Nachmittag dieses 10. Mai gab es noch ein Festessen in der Ehrenburg. Die Teilnehmer sowie die Speisenfolge (in französisch!) sind  genau aufgeführt. Nicht dabei: der Herzog, angeblich habe ihn die Trauer übermannt. In Wirklichkeit war es wohl sein Gesundheitszustand, bekanntlich starb er bereits am 30. Juli 1900. Er wurde nur 55 Jahre alt. In der gleichen Zeitungsausgabe wurden übrigens Meldungen, der Herzog sei schwer erkrankt, dementiert!

Wird fortgesetzt.

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