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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1974
Bericht über die offizielle Eröffnung des „Carl-Escher-Weges“
Bemerkenswert ist, welches Ausmaß an öffentlicher Anerkennung wir damals genossen, insbesondere bei Kommunen und kommunalen Amtsträgern.

Wanderfrohsinn beherrschte den Georgenberg

 

Herbstliches Waldfest zur offiziellen Eröffnung des Carl-Escher-Wanderweges

Die Heimat- und Wanderlieder, die den Rodachern eine Woche lang als Morgengruß gewidmet waren, haben am Abend des 21. September viele Heimatfreunde auf den Georgenberg gelockt. Beim Waldfest, das der Fremdenverkehrsverein Rodach und Umgebung arrangiert hatte, erlebten sie die offizielle Eröffnung des Carl-Escher-Wanderweges, der sich als Rundweg über 71 km durch den nördlichen Landkreis Coburg erstreckt. Zugleich bildete das Waldfest, bei dem die Roßfelder Musikanten unentwegt zur erwärmenden Unterhaltung aufspielten, den Höhepunkt der verbandsoffenen Ferienwanderung „In den goldenen Herbst zwischen Thüringen und Frankenjura", für die der Thüringerwald-Verein Rodach heuer erstmals als Standquartier gewählt hatte.

 Der Willkommensgruß, den Horst Mitzel, geschäftsführender Vorsitzender des gastgebenden Fremdenverkehrsvereins, auf dem Georgenberg entbot, galt insbesondere dem Schirmherrn des Waldfestes, Bezirkstagspräsident Anton Hergenröder[1]. Als passionierter Wanderer (zehn „Goldene Schuhe" beweisen das) kam er zu Fuß auf den Georgenberg; gemeinsam mit Landrat a. D. Dr. Klaus Groebe[2] begleitete er den Thüringerwald-Verein von der Sennigshöhe herunter auf einer Teilstrecke des Carl-Escher-Weges. Er erntete dafür herzlichen Anerkennungsbeifall.

Zusammen mit Anton Hergenröder und Dr. Klaus Groebe wohnten dem Waldfest als prominente Gäste bei: MdL Siegfried Möslein[3], Bürgermeister Dr. Paul Haubner[4] als Vertreter der Stadt Coburg und Rodachs Stadtoberhaupt Ernst Englmaier[5].

 Beitrag zu Freizeit- und Erholungswerten

 Die offizielle Eröffnung des Carl-Escher-Weges vollzog Arno Völk als geschäftsführender Vorsitzender des Thüringerwald-Vereins. Er würdigte die von Wegemeister Otto Treuter und seinen Mitarbeitern geleistete Erschließungs- und Markierungsarbeit als einen ganz wesentlichen Beitrag zu den Freizeit- und Erholungswerten im Coburger Raum. Die Allgemeinheit wird daran umso mehr Freude haben, wenn sie sich auch dem Schutz solcher Anlagen verpflichtet weiß.

 Einen Sondergruß hatte Arno Völk von Verbandspräsident Dr. Georg Fahrbach[6] zu übermitteln. Er galt speziell der Gruppe, die unter Otto Treuters Führung erfolgreich am Wanderwettbewerb aus Anlaß des diesjährigen Deutschen Wandertages in Bayreuth beteiligt war. Als Anerkennungspräsent erhielten Otto Treuter, Otto Popp, Renate Haenel, Heinrich Friedrich und Peter Babel je ein wertvolles Handbuch über geschützte Pflanzen der Heimat.

 Bezirkstagspräsident Hergenröder pries unter dem Eindruck seines vorausgegangenen Wandererlebnisses den „besonderen Reiz" des Coburger Landes. Dem Thüringerwald-Verein bescheinigte er, daß er „Pionierarbeit von unschätzbarem Wert" leiste. Die hierzulande praktizierte Heimattreue beweise, daß der Idealismus lebt.

 Dem vorherrschenden Eindruck, daß für viele Menschen „Diskretion Ehrensache, Religion Privatsache, Geld Hauptsache und alles andere Nebensache" sei, stellte Hergenröder den „Hauptsachewert des Heimaterlebnisses" gegenüber. Solches Erlebnis segne unseren Lebensweg mit echten, weil von Bescheidenheit und vom Geist der Freundschaft geprägten Glückswerten.

Dem Thüringerwald-Verein stellte der Bezirkstagspräsident eine Anerkennungsspende in Höhe von 250,— DM zur Verfügung, für die auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen sei. Von den Rodachern verabschiedete sich Hergenröder mit dem Herzenswunsch, daß ihre Stadt bald den Namen „Bad Rodach" tragen möge.

Ferienwanderer haben sich wohlgefühlt

 Bürgermeister Englmaiers Gruß an die Waldfest-Gäste machte deutlich, wie sehr er und die von ihm betreute Stadtverwaltung sich darüber freuen, daß der Carl-Escher-Weg auf weiter Strecke den Rodacher Raum durchquert. Wenn er aus der „Entdeckung Rodachs durch wandernde Heimatfreunde" auf deren baldige, womöglich regelmäßige und „künftig Heilwasser durchschreitende" Wiederkehr schließt, so trifft das durchaus die Gedanken, mit denen sich die Ferienwanderer aus Rodach verabschiedet haben. Ihre ansteckende Fröhlichkeit, die auch den Georgenberg beherrschende Sangesfreude, der herzliche Dank, den sie den Betreuern ihrer Wanderwoche in Worten und mit einer beachtlichen Spende für die Alexandrinenhütte bekundet haben, das alles brachte zum Ausdruck, wie gut es ihnen hier gefallen, wie sehr sie der Verlauf und das Erlebnis der Wanderwoche beeindruckt hat. Ihre Rodacher Gastgeber haben daran erheblichen Anteil.

 83 Kilometer in zwei Tagen

 Der Carl-Escher-Weg, bisher immer nur auf Teilstrecken begangen, ist an dem Tag, an dem er seiner Bestimmung übergeben wurde, erstmals auf ganzer Strecke erwandert worden. Die Ferienwanderer suchten sich auf ihm von Coburg-Neuses aus den Waldweg durch den Callenberger Forst zum Georgenberg. Wegemeister Otto Treuter und seine Mitwanderer legten die doppelt so lange Strecke via Bausenberg — Rosenau — Taimbacher Forst — Weißbachsgrund zur Alexandrinenhütte und von dort über Oettingshausen - Heldritt zum Rodacher Hausberg zurück. Um das Werk als Ganzes loben zu können, kehrten sie anderntags nach Heldritt zurück, um dann den Westabschnitt dieses Wanderweges über Lempertshausen — Roßfeld, um den Georgenberg herum und durch den Callenberger Forst zurück nach Coburg zu begehen. Ihre Gesamtleistung von 83 km in zwei Tagen überbietet sogar die Rädlein-Bravourleistungen der „guten, alten Zeit". Allen Respekt! (Siehe auch Wanderbericht vom 21.122. September).                                                                     W. U.


[1] Anton Hergenröder (1910 – 1995) war von Beruf Inhaber eines Eisen- und Haushaltswarengeschäfts in Bamberg. In seiner Heimatstadt gehörte er von 1946 – 1990 dem Stadtrat an und war von 1946 – 1956 ehrenamtlicher Bürgermeister. Von 1962 – 1982 Bezirkstagspräsident. Er gehörte zu jenen heute seltenen  Persönlichkeiten, die zumindest in seiner engeren Heimat schon zu Lebzeiten Legende waren. Lebensdaten und Amtszeiten wurden aus dem Internet-Auftritt des Bezirks Oberfranken entnommen.

[2] Dr. Klaus Groebe  (1912 – 2001). Der gebürtige Berliner war Landrat von 1964 – 1972 – eine vergleichsweise kurze Amtszeit, immerhin umfasste sie auch die Landkreisreform mit Gebietszuwächsen aus dem Altlandkreis Staffelstein. (Quelle: 50 Jahre Landkreis Coburg, Info-Broschüre des Landkreises Coburg 2008)

[3] Siegfried Möslein, 1927 – 2009; MdL 1970 - 1994

[4] Dr. Paul Haubner, 2. Bürgermeister der Stadt Coburg 1948 – 1952; 1970 – 1972; 3. Bürgermeister 1952 – 1970 und 1972 – 1978 (Quelle: Walter Schneier; Coburg im Spiegel der Geschichte, Coburg 1985)

[5] Ernst Englmaier; damals 1. Bürgermeister der Stadt Rodach

[6] Dr. Georg Fahrbach (1903 – 1976), damals Präsident des Verbands der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine