Fernwanderwege

Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1972

 In den 60er Jahren war die europäische Einigung vorangetrieben worden. Dazu gehörte die Begegnung von Menschen, insbesondere jungen Menschen aus verschiedenen Nationen. Jede Stadt suchte und fand Partnerkommunen, insbesondere in den Staaten der damaligen EWG. Natürlich konnten und wollten sich die Wanderer dieser Entwicklung nicht verschließen. Schon war es zur Gründung der Europäischen Wandervereinigung gekommen, dessen Präsident damals Dr. Fahrbach war. Es lag nahe, grenzüberschreitendende Wanderwege zu schaffen.

 Fernweg Atlantik-Jugoslawien durch Coburg

 Europäische Wandervereinigung wächst an  

 Rückblick auf Echternach

 Das  Luxemburgische Städtchen  Echternach, in  dessen   Benediktinerabtei   der  Heilige   Willibrord   zur letzten Ruhe gebettet liegt[1], war im Oktober Begegnungsort  zur Jahrestagung  der Europäischen  Wandervereinigung und zum - damit verbundenen zweiten -          Europäischen Wandertreffen. Daran beteiligten sich bei schönstem  Herbstwetter auf dem  historischen „Troskneppchen“[2] weit über 3.000 Wanderer aus 12 Ländern,  unter ihnen erstmals auch Wanderfreunde aus Italien und Jugoslawien. Prominentester Teilnehmer war der Generalsekretär der „Alliance Internationale de Tourisme“, Dr. Kabes aus Genf. Für das gastgebende Land sprach Carlo Hemmer über das Völker- und naturverbindende Wandern.

 Als Präsident der 1969 gegründeten Europäischen Wandervereinigung gab unser Verbandspräsident Dr. Georg Fahrbach u.a. bekannt, daß mit dem Anschluss weiterer europäischer Wanderorganisationen schon bald zu rechnen ist. Derzeit gehören der Europäischen Wandervereinigung an Verbände aus der Bundesrepublik, der Schweiz, aus Italien, Frankreich, Luxemburg, Belgien, England und Irland. Verbindungen bestehen bereits mit Dänemark und Schweden, natürlich auch mit Österreich, neuerdings sogar mit Polen und dem in Echternach vertretenen Jugoslawien. Verständlicherweise konnten mit diesen Ostländern Fernwanderwege gemeinsam noch nicht geschaffen werden. Fahrbach zweifelt aber nicht daran, »daß in einigen Jahren auch da das Eis gebrochen sein wird, zumindest auf dem Gebiet des Wanderns, einer tragfähigen und leicht begehbaren Brücke von Volk zu Volk«.

 Zu der im »Farnkraut« bereits erläuterten Planung weiterer europäischer Fernwanderwege kündigte Dr. Fahrbach für den Sommer 1973 die Eröffnung der „Route 3“ an: von Bordeaux durch Frankreich, Belgien,

Luxemburg und die Bundesrepublik zunächst bis Marktredwitz an der tschechischen Grenze. Teilstück dieses »Atlantik-Ardennen-Böhmerwald-Weges«, für den ein späterer Anschluss an jugoslawische Wanderwege vorgeplant ist, wird der durch das Coburger Land führende „Saar-Schlesien-Weg“ sein. Der Thüringerwald-Verein hat vom Verband bereits Auftrag erhalten, die von ihm betreuten 90 Kilometer dieses Fernwanderwegs ergänzend zu beschildern.

Nach Fahrbachs Argumentation haben völkerverbindende europäische Fernwanderwege zunächst »natürlich hauptsächlich symbolische Bedeutung. Wir sind nicht so weltfremd, zu meinen, es würden nun reihenweise die Menschen vom Mittelmeer zur Nordsee oder gar zum Eismeer oder von den Pyrenäen in den Wienerwald wandern. Aber die Verbindung ist geschaffen! Im Übrigen können diese Fernwanderwege natürlich auch auf Teilstrecken begangen werden, was ihrer völkerverbindenden Bedeutung keinen Abbruch tun wird. Sie sind auf der ganzen Strecke einheitlich bezeichnet. In Wanderbüchern sollen der Verlauf dieser weiten Wege, besondere Sehenswürdigkeiten links und rechts der Wege und möglichst auch die Übernachtungsmöglichkeiten beschrieben werden«. Fahrbach ist überzeugt, daß sich dem geplanten Ausbau des europäischen Wanderwegenetzes in naher Zukunft schon hilfsbereite Wanderorganisationen aller europäischen Länder anschließen werden.


[1] 24 Jahre später, anlässlich des Deutschen Wandertages in Prüm/Eifel, besuchten wir diesen Ort .

[2] Richtige Schreibweise ist Trooskneppchen, ein Aussichtspavillon in der „Kleinen Luxemburger Schweiz“. Es gibt hier einen Wanderweg durch die „Wolfsschlucht“; WIKIPEDIA downl. 03/12