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Fette Schlagzeilen

Das „Coburger Tageblatt“ äußert sich zum Amtsbotenweg

Als ich am Samstag, 16. November 2013 die Zeitung holte – noch ist es das „CT“ – da verschlug es mir die Sprache. Titelseite oben:

„Amtsbotenweg“ (das ist das Foto eines Wegweisers),

...und weiter: „Das Rätsel um einen Weg“

Wie? Ist etwa eine ganze Gruppe wegen der Rätsel des Amtsbotenweges verschollen, eine Schulklasse womöglich?

Aber analysieren wir doch weiter diesen Zeitungsartikel:

Text-Zitat:

Pfad –

Wie weit ist es von Coburg nach Königsberg

Wanderer stießen auf Widersprüche –

Näheres wurde auf der Seite 17 dieser Zeitungs-Ausgabe versprochen. Blättern wir also!

Dort auf der Seite 17 beginnt die Rubrik „Coburg Land“. Aha!

Große Überschrift: „Der alte Weg und das Maßband

Großes Farbfoto über  5 Spalten

 – (Gruppe offensichtlich erfahrener Wanderer, vor dem Rothenberger Tor in Seßlach auf der Brücke stehend )–

Nun ein Text-Zitat (Schlagzeilen):

Freizeit – Fünf Wanderer, eine Strecke –

und am Ende die Frage: Wie lang ist der Amtsbotenweg von Coburg nach Königsberg wirklich?

Und dann der eigentliche Text dieses tiefschürfenden Zeitungsartikels über 5 Spalten und fast die ganze Seite umfassend

Die Autorin A.  G. holt nun recht weit aus: Vermessung der Welt, Google Earth, Facebook, erste Forschungsreisende, heutige Wanderer mit Stock bzw. Nordic-Walking-Stock – heutige Wanderer, vermeintlich längst bekannte Wegverläufe und Entfernungen -

Geschichte des Amtsbotenweges – 1978 die Eröffnung. Was wie so oft bei derartigen Publikationen gefehlt hat, das ist der Hinweis, dass dieser markierte Wanderweg vom Thüringerwald-Verein Coburg und vom Haßbergverein angelegt wurde und unterhalten wird – Aufteilung der Gesamtstrecke in Altenstein, also der ThWV von Coburg bis Altenstein und der Haßbergverein den Rest der Strecke. Allerdings habe ich inzwischen erfahren, dass der Wegunterhalt mittlerweile an den Naturpark übergeben worden sei.

Dafür ist aber ein Problem offensichtlich brennend:

beträgt die Wegstrecke nun 45 km (so heißt es anscheinend auf einer Streckentafel bei Königsberg) oder 50 (wie auf der „Fritsch-Karte“ und einigen anderen Wanderführern sowie auf beinahe sämtlichen gedruckten und online-Publikationen ausgewiesen) oder 53 km (wie auf einer Wandertafel in Coburg).  Das hat offenbar das ganze Unternehmen beinahe zum Scheitern gebracht, zumal bei Leuzendorf ein Wegweiser falsch gezeigt haben soll.

Außer der quälenden Ungewissheit wegen der Entfernung traf die Wandergruppe weiteres Ungemach: der geschlossene Gasthof in Altenstein, wo anscheinend die Übernachtung eingeplant war.
Nun sind auch wir hier nicht gerade froh über diese - zumindest vorläufige - Schliessung. Zu der Vorbereitung einer Wandertour mit Übernachtung(en) gehört aber auch, dass dies vorab gesichert wird. Es gibt ja durchaus Alternativen, meines Wissens ganz nah in Pfaffendorf z. B.

Zur Vorbereitung einer solchen Wanderung gehört es auch, sich mit der Wanderkarte bzw. auch der gps-Karte, den Wanderführern, Broschüren usw. zu befassen.

Alles in allem scheint diese Wanderung ja doch gelungen zu sein, offensichtlich war die Markierung ansonsten überall in Ordnung. Anerkennung für nunmehr über 35 Jahre an ehrenamtlicher Arbeit für diesen Wanderweg - wie stets, Fehlanzeige! Die Frage stellte sich für die Redaktion anscheinend gar nicht, wer diesen Weg überhaupt einmal angelegt hat. Dabei ist es noch gar nicht so lang her, da stand der Amtsbotenweg schon einmal groß im “Coburger Tabeblatt”; am 9. 6. 2011 nämlich - siehe den “internen link” CT v. 09.06.2011. Schon damals übrigens ohne den Urheber-Hinweis; daher aufgrund unseres “Nachhakens” nochmals am CT v. 16.06.2011

Abschließend sollte eines geklärt sein: für die exakte Messung einer Wegstrecke gibt es ein Instrument, bekannt als „Hodometer“. Es ist im Wesentlichen ein Messrad an einer deichselartigen Führung. Nicht wirklich genau ist der Schrittzähler, das Rädchen auf der Papier-Landkarte. Einigermaßen genau auf „elektronischen“ topographischen Karten, aber nur, wenn diese auch„routingfähig“ sind, nicht etwa nur Geraden messen können. Hinreichend genau auch das vom Wanderer mitgeführte „gps“-Gerät, wenn einige Regeln beachtet werden. Bei meinem zumindest muss ich stets bei längerem Aufenthalt in geschlossenen Räumen das Gerät abschalten. Ein “Maßband”, wie es die “geistreiche” Überschrift suggeriert, kommt jedenfalls als Meßinstrument für Wanderwege nicht in Betracht. Ein Ausflug in die Satire scheitert wie so oft bei manchen Zeitungen an unzureichenden stilistischen Mitteln bei der(m) VerfasserIn. Der Wandergruppe aber sei gesagt, dass sie sich wegen der Zweifel an der Entfernung auch einmal an uns hätte wenden können, anstatt diese “Story” an die Zeitung zu bringen.

Zusammenfassung:

Natürlich kann man so etwas in der Zeitung bringen, aber nicht so groß. Auf der Titelseite hat dies nichts zu suchen.  Ach ja, genau am Erscheinungstag 16. November wurde in Coburg offiziell die „5. Jahreszeit“ ausgerufen. Ob dieser Amtsbotenweg-Artikel ein Beitrag sein sollte?

Der Amtsbotenweg ist eine Leistung des Thüringerwald-Vereins und des Hassbergvereins. Vielfach wird er aber auch als Gemeingut behandelt, z. B. als Mountainbike-Strecke empfohlen, ohne mit uns Rücksprache zu nehmen.

Nachtrag: zur Beruhigung: ganz unabhängig von diesem Zeitungsartikel im “Coburger Tageblatt” sind in diesem Jahr drei auswärtige Wanderfreunde den “Amtsbotenweg” zweimal gegangen, zuletzt im September. Beim zweiten Male haben sie tatsächlich mit einem Meßrad die Entfernung ermittelt - und sind auf nicht ganz 50 km gekommen, gemessen ab Königsberg-Altstadt (“Regiomontanushaus” bis Coburg - Markt.

Teilentfernungen übrigens: Königsberg - Hohnhausen 10 km, Königsberg - Pfaffendorf 19,5 km; Königsberg - Seßlach 30 km; Königsberg - Eicha 40 km.

Vielleicht können wir den Einen oder Anderen dieser Wanderfreunde demnächst nächer vorstellen.

Detlef Bürger