Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1973

 

Der Referent Willi Schreiber war von 1965 bis 1982 ehrenamtlicher Kreisheimatpfleger von Kronach. Schon mit seinem Vorgänger Andreas Baue waren wir verbunden. In den 60er und 70er Jahren suchten wir auch häufiger den Frankenwald mit unseren Wanderungen auf, nicht selten sogar 2- oder Mehrtageswanderungen, gerade auch an der Zonengrenze.

 Besinnlich-heitere Frankenwaldstudien

 Kronachs schriftstellernder Heimatforscher Willi Schreiber ist beim Thüringerwald-Verein ein gern gesehener Gast. Der starke Besuch beim Januar-Waldabend hat das erneut bewiesen. Die Plauderei über »200 Jahre Geschichte des Frankenwaldes« gab dem aufgeschlossenen Hörerkreis umso mehr, als vorwiegend Gebiete und Orte angesprochen waren, die sich Thüringerwald-Vereinler immer wieder gern erwandern.

 Aus dem Quellenreichtum der Aufzeichnungen schöpfend, in denen ein Tschirner Kooperator (Hilfsprediger[1]) um 1750 seine Beobachtungen über Land und Leute festgehalten hat, kam Schreiber zu dem Ergebnis, daß sich die Lebensgewohnheiten der Frankenwäldler seit jener Zeit gar so sehr eigentlich nicht gewandelt haben. Der Autor beschrieb beispielsweise eingehend das Brauchtum jener Zeit und die Lebensart ihrer Menschen, deren Abhängigkeit von materiellen Werten und daraus resultierende Sorgen ebenso begründend, wie Neigungen zu Verschwendung oder Trägheit kritisierend. Im Allgemeinen war das Leben damals reich an Erschwernissen und die Einkünfte dementsprechend karg. Dem Wald als Grundlage für eine Holzwirtschaft und den Erträgen der Landwirtschaft als Ernährungsgrundlage kam enorme Bedeutung zu. Die sich allmählich durchsetzende Einführung der »Erdäpfel« wurde als großer Segen für die Menschheit empfunden. Schilderungen der Verwaltungs- und Besitzverhältnisse, der Art, sich zu kleiden, der Ernährungsweise oder auch kirchlicher Gewohnheiten rundeten das Daseinsbild jener Zeit ab.

Zum Schmunzeln regte an der Bericht über allerlei Bräuche oder Missbräuche und über den Aberglauben bei Kindstaufen, Hochzeiten, Beerdigungen, insbesondere aber auch zum Abwenden von Krankheiten oder sonstigem Übel für Mensch und Tier. Und da man des Schmunzelns nicht müde werden wollte, ließ es Willi Schreiber an köstlichen Zugaben aus dem »Heiteren Frankenwald«, seiner Sammlung humorvoller Bauernanekdoten und lustiger Flößergeschichten, nicht mangeln. Damit hat er dem Coburger Kreis der Freunde des Frankenwaldes gewiss neue Sympathisanten hinzugewonnen. Er hat aber auch einen nachhaltigen Beitrag zum Verständnis des naturgeprägten Frankenwäldler geleistet.                                    W.U.


[1][1] „Kooperator“ im katholischen Bayern früher übliche Bezeichnung für Hilfsgeistlichen; später gebräuchliche Bezeichnung war dann „Kaplan“. Noch bei Ludwig Thoma immer wieder „Kooperator“