Wenn wir heute die historischen Zeitungsberichte von der Herzogin Alexandrine lesen, dann erscheint uns doch diese Zeit in einem verklärten Licht voller Menschlichkeit und Mitgefühl. Sicher waren dies Wesensmerkmale der Herzogin. Ein schlagartig anderes Licht fällt auf diese Epoche, wenn wir - mehr oder weniger zufällig - andere Berichte in diesen historischen Zeitungen lesen - z. B. in der “Coburger Zeitung” vom 29. Dezember 1904, also in einer der Ausgaben mit Berichten über die Trauerfeierlichkeiten. Da heißt es in einer Notiz über die sächsische Industriestadt Crimmitschau, dass ein Industriearbeiter zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden ist. Er hatte einen Streikbrecher wörtlich als solchen bezeichnet und nicht als “Arbeitswilligen”. Darin sah das Gericht den Sachverhalt des Beleidigungsparagraphen erfüllt, das Reichsgericht bestätigte dieses Urteil.

Der Crimmitschauer Textilarbeiterstreik hatte damals weithin Aufsehen erregt und hatte, wie es heißt, auch in bürgerlichen Kreisen durchaus Verständnis ausgelöst.

 Ich kenne den Wortlaut des Beleidigungsparagrafen im Jahre 1904 nicht, heute ist er ziemlich dehnbar und daher offen für willkürliche Auslegung.

 

-hdb-