Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1971

 Als eine der wichtigsten Entscheidungen erwies sich der Ankauf von Waldbeständen im Umfeld der Alexandrinenhütte durch die damalige Vorstandschaft unter Ernst Eckerlein im Jahre 1971. Später, ab den 80er Jahren, erfolgten weitere Ankäufe von Naturflächen.

 Thüringerwald-Verein wird Waldbesitzer

 Kauf und Neuanpflanzung in 1971

 Als „Haus der offenen Tür" für jedermann findet die Alexandrinenhütte des Thüringerwald-Vereins heuer mehr Zuspruch denn je. Kein Wunder: Die pfleglich betreute „Oase der Ruhe" auf der Sennigshöhe hat an Anziehungskraft gewonnen durch Aufwertung der 3,5 Hektar Wald, die der Verein aus ehemals Mirsdorfer Gutsbesitz erworben hat.

Nach dem vorausgegangenen Hüttenumbau ist der Kaufentschluss gewiss nicht leicht gefallen. Der Wert des Walderwerbs liegt aber nicht so sehr im Materiellen, als vielmehr in dem dabei bewiesenen Weitblick. Ansonsten nämlich wären finanzkräftige Interessenten für komfortable Wochenendvillen (weiträumig eingezäunt sicherlich) oder geschäftstüchtige Arrangeure von Ferienhaus-Siedlungen à la Reutsee (Grabfeld) zum Zuge gekommen. Als Naherholungsgebiet war die Sennigshöhe dann verloren, und auch zu der dort dringend gebotenen Umwelterneuerung wäre es nie gekommen.

Was dieses Wort bedeutet, wissen am besten jene sechs Dutzend erwachsenen und jugendlichen Wanderfreunde beiderlei Geschlechts, die im Frühjahr bewiesen haben, daß sie mit Freuden zupacken können. Wohlausgerüstet mit Sägen, Äxten, Hacken, Spaten und Schubkarren sind Ende März zunächst bärenstarke Männer zu planvoller Waldarbeit aufmarschiert, die natürlich fachmännische Anleitung voraussetzte. Glücklicherweise steht dem Thüringerwald-Verein in Forstamtmann Hans Zech aus Seßlach ein Experte in eigenen Reihen zur Verfügung. Nachdem Hans Zech, Vorstand Ernst Eckerlein

und Hüttenwart Hilmar Mandler den weiträumigen Wald wiederholt inspiziert und ihre in die Zukunft vorauseilenden Vorstellungen aufeinander abgestimmt hatten, wusste man genau, was zu tun war.

Zu allererst galt es, dem üblen Borkenkäfer auf den Leib zu rücken, der sich im Hüttenwald als unliebsamer Gast eingenistet hatte. 70 befallene Bäume waren ausgemacht, und denen mußte man schweren Herzens an Stamm und Wurzel gehen. Nicht immer reichte die Handarbeit aus, um die Krankheitsherde radikal zu beseitigen. Aber Reinhold Zeuner aus Untersiemau war wieder einmal im rechten Augenblick mit seinem „Universal-Transporter" zur Stelle, und der leistete mehrfach wertvolle Zug-und Abschleppdienste. Für die dadurch entlasteten Hände gab es nach dem Fällen der kranken Bäume noch genügend Kleinarbeit; wertloses Reisig mußte verbrannt, Brennholz zubereitet und die Auslese brauchbarer Stämme getroffen werden, aus denen massive Rundholz-Ruhebänke für bereits ausgemachte Waldrastplätze gefertigt werden können. Gutes Holz wird auch benötigt, um im erweiterten Hütten-Vorgarten für kleine Gäste eine Spielecke mit großem Sandkasten anzulegen. Der sportlichen Jugend steht jetzt ein Waldspielplatz von rund 800 qm Größe zur Verfügung, auf dem sie sich ungeniert austoben kann.

Für die Planierung des Waldspielplatzes und des Zugewinns an Hütten-Vorgelände ist dem Untersiemauer Baggerbetrieb Neuberger zu danken, mit dessen Hilfe auch am Südrand des Spielplatzes und an der Ostgrenze des Waldes Pflanzgräben gezogen wurden. Das Aufforsten hat dann nicht lange auf sich warten lassen. 2500 junge Fichten, Hainbuchen und Lärchen wurden an einem einzigen April-Sonntag angepflanzt. Eine zusätzliche Spende des Forstexperten dürfte diesen außerordentlichen Beitrag zum Tag des Baumes nicht unwesentlich aufgewertet haben, und im Laufe der Zeit wird man gewiss auf die runde Zahl von 3000 neuen Bäumen im Hüttenwald kommen.

Forstamtmann Zech wird den Vereinswald fortgesetzt im Auge behalten und ihm des Öfteren „den Puls fühlen"; denn so, wie man von seinem schlechten Zustand überrascht worden ist, sind Neuentdeckungen von Krankheitsherden nicht auszuschließen. Es kann noch manche Sorge geben, und an Forstarbeit wird's auf Jahre hinaus nicht mangeln. Aber die Freude, für sich selbst und für die Allgemeinheit ein Stück Erholungslandschaft erschließen und betreuen zu dürfen, ist beim Thüringerwald-Verein größer und ausschlaggebender als alle Bedenken. Das hat sich bei den Arbeitseinsätzen erwiesen, das war auch am vereinsinternen „Tag des Baumes" (9. Mai) zu spüren, zu dem die Alexandrinenhütte von allen Seiten her erwandert wurde, teils mit dem Hauptverein oder dem Kleinen Wanderkreis, teils im familiären Alleingang oder mit Freunden.

Wer sich als Dürstender am Wanderheim einstellte, dem hatte der Vorstand manches zu sagen auch vom Durst der jungen Bäume, von der Sorge, ob sich ihre bislang erwiesene Widerstandsfähigkeit behauptet und von vielerlei sonst noch, was man als Waldbesitzer zu bedenken hat. In einer kurzen Feierstunde erinnerte Eckerlein an das, was Vereinsgründer Emil Rädlein und seine Nachfolger, insbesondere Carl Escher als Schöpfer der Alexandrinenhütte, für uns geschaffen haben. Dankesschuld der ganzen Vereinsfamilie sei es, sich an ihrem Vorbild zu orientieren, werterhaltend zu wirken und, für Zugewinn an Neuwert sorgend, so wie jene an kommende Generationen zu denken. Deshalb auch habe der Verein die Kosten für den Walderwerb nicht gescheut.

Ernst Eckerlein würdigte die bei „Frühjahrsputz" und Neuanpflanzungen erbrachte enorme Eigenleistung, dankte für bewiesene Spendenfreudigkeit — die durchaus noch anhalten darf! — und deutete die bereits erwähnten und noch ein paar geplante Neuerungen an: Das erweiterte Hütten-vorgelände bekommt eine Hecke; in den Hütten-Umgriff wird eine Orientierungsscheibe gestellt, die besagt, in welcher Richtung man bis wohin schauen kann. An die Hütte kommt ein Briefkasten für die beliebten Ansichtskarten-Grüße mit Wanderheim-Stempel.  Zum Tag des Baumes gab es sogar einen „Sonderstempel".

Die neben dem geplanten Naturlehrpfad (dem zweiten im Coburger Land) wohl bedeutsamste Neuerung: Der Verein hat jetzt eine Vogelschutzwartin; sie heißt „Tante Mile" Reichardt. Mindestens 15 Nistkästen sollen ihr im Herbst zur Verfügung stehen, um auf der Sennigshöhe endlich wieder Singvögel heimisch werden zu lassen; nicht nur ihres lieblichen Gesanges wegen, sondern auch im Interesse der Schädlingsbekämpfung, die hier seit langem sträflich vernachlässigt worden ist. Nur so kam es zu dem gefahrvollen Befall insbesondere durch den Borkenkäfer; die Auswirkungen ließ ein Waldrundgang unter Hans Zechs Führung deutlich erkennen. Aufschlußreich für Alt und Jung plauderte der erfahrene Forstmann über die Bedeutung des Waldes als Rohstofflieferant, als Wind- und Wetterschutz, als Regler des Wasserhaushaltes, nicht zuletzt als unentbehrliche Erholungsstätte. Die neuen Waldbesitzer erfuhren die Unterschiede zwischen Nieder-, Mittel- und Hochwald, der mit dem Baumwuchs an sich nichts, mit seiner von Saat und Pflanze her bestimmten Qualifikation umso mehr zu tun hat. Man sprach über Nadel-, Misch- und Laubwald, der das Naturbild im Bereich der Alexandrinenhütte künftig bunt auflockern soll, und man wurde auch mit den Baum, Mensch und Tier im Wald drohenden Gefahren konfrontiert. So war denn der Rundgang durch den jetzt zur Kategorie des Körperschaftswaldes zählenden Besitz ein überaus lehrreiches Vergnügen. Es gewährte manche Ruhepause im Blick zu Veste Coburg, Festung Heldburg, Ursulakapelle und Straufhain, genossen von den ersten neuen Bänken, die künftig die Namen der vorbildlich aktiven, leider zu früh verstorbenen Mitglieder Elisabeth Kaiser und Gustav Flechsig tragen werden.                                    W. U.