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Coburg, ev.-luth. Pfarrkirche St. Moriz; Grabmal für Herzog Johann Casimir. Detail: Großes Staatswappen mit den Erbanspruchswappen der Herzogtümer Jülich-Cleve-Berg

Helmzierden sowie oberste Reihe der Wappenfelder.

Lange hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass es historische Bezüge zwischen meinem Geburtsort im Rheinland und Coburg geben könnte. Bis ich eines Tages, es war genauer der 22. Mai 1984,  in der “NEUEN PRESSE” wieder einmal eine der Fortsetzungen der Artikelreihe “Coburger Chronik” des  Lokalhistorikers Walter Schneier las, und vor allem ein Foto von Schloss Burg a. d. Wupper, dem Erbfolgestreit Jülich-Cleve-Berg oder

wie der Verfasser vor derzeit 65 Jahren hätte schon als Coburger in 450 km im Rheinland geboren werden können.

Vorbemerkung

Im Jahre 1944 wurde ich in dem damals noch selbständigen Städtchen Burg a. d. Wupper geboren. Die Kindheit verbrachte ich überwiegend in Bamberg, seit Anfang der 70er Jahre wohne ich im Coburger Land.

Wahrzeichen meines Geburtsortes sah. Was hatte denn das Eine mit dem Anderen zu tun, immerhin liegen 400 – 450 km Entfernung auf der Straße dazwischen. Abgesehen natürlich vom Namensbestandteil „…burg“, aber der ist wohl einer der häufigsten im deutschsprachigen Raum überhaupt.....

:

Auch beten half nicht!

Johann Casimir beanspruchte Erbfolge für Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg

 

Auf dem Titelblatt von Herzog Johann Casimirs Kirchen- und Schulordnung von 1626, am Anfang seiner Gesetze, auf seiner Grabplatte in der Morizkirche (hier in Lateinisch) und auf allen seinen Urkunden lesen wir

Johann Casimir, Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, Graf zu der Mark und Ravensburg[1], Herr zu Ravenstein etc. Hier werden einige Namen genannt, mit denen bisher kein geschichtlicher Zusammenhang bestand. Herrschte J. Casimir über alle diese Länder? -

Das ehemalige Herzogtum Jülich (seit 1356) am Niederrhein war mit dem Herzogtum Berg, der Grafschaft Ravensburg[2] und der in Nordbrabant (heute Belgien) liegenden Herrschaft Ravenstein an das Herzogtum Kleve (so die Schreibweise heute) gefallen, zu dem auch die Grafschaft Mark gehörte. 1609 starb der letzte Herzog dieser schönen Besitzungen, Johann Wilhelm, geisteskrank und ohne Nachkommen.

Johann Casimir beanspruchte nun die Erbfolge. Sein Großvater Johann Friedrich der Großmütige war mit einer geborenen Prinzessin Sibylle von Kleve verheiratet. (Auf der ältesten Darstellung von Coburg ist sie abgebildet, wie sie 1552 ihren aus der Gefangenschaft heimkehrenden Gatten empfängt.) Kaiser Karl V. hatte 1546 in einem Vertrag die Erbfolge der Ernestiner bestätigt. Insofern waren die Ansprüche durchaus begründet. Um diese stritten aber auch andere Staaten, die ebenfalls entfernte verwandtschaftliche Beziehungen vorweisen konnten.

Die Prozesskosten, das „viele Spendieren bei den Reichsgerichten" und die eigens befohlenen Betstunden im Fürstentum Coburg waren jedoch vergeblich: die Lande fielen 1614 durch den Vertrag von Xanten an Brandenburg und an Pfalz-Neuburg. (Diese gerieten über die Teilung bald in Streit. Nachdem Brandenburg der protestantischen Union und Pfalz-Neuburg der katholischen Linie beigetreten waren, verschärfte sich der Gegensatz zwischen diesen Mächtegruppierungen und ist somit bereits der Anlaß zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges.)

Es ist müßig zu fragen: Was wäre geschehen, wenn Johann Casimir die Erbfolge angetreten hätte? Wäre er in das reichere Rheinland gezogen? Hätte er vielleicht seine Residenz auf Schloss Burg im Bergischen Land[3] eingerichtet? Es kam nicht dazu! Johann Casimir blieb den Coburgern erhalten! Er und seine Nachfolger hielten jedoch ihre Ansprüche auf diese Lande aufrecht. Sie führten ihre Namen im Titel und bis zum Ende der Monarchie 1918 ihre Wappen als sogen. „Anspruchs- oder Erbwappen" in ihrem Großen Staatswappen[4].

 

„np“ v. 22.05.1984, etwa 1985 auch in Buchform erschienen.

 

[1] : richtig wäre „Ravensberg“, dieser Fehler ist in die Buchausgabe übernommen worden. Hauptstadt der Grafschaft Ranvensberg war Bielefeld mit der “Sparrenburg”.

[2] : siehe oben 1)

[3] : Residenz war damals allerdings schon Düsseldorf! Schloss Burg scheint aber nach wie vor Bedeutung für die regierenden Fürsten gehabt zu haben, denn es wird berichtet, dass die Verlobungsfeier der damals 14jährigen Prinzessin Sybille von Kleve (1512 - 1554) mit Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen (1503 - 1554) im September  1526 dort stattgefunden hat. Die Hochzeitsfeier war allerdings auf sächsischem Gebiet (Torgau) im folgenden Jahr. - WIKIPEDIA - . Außerdem wird Schloss Burg als Wohnsitz der Prinzessin Anna (1515 - 1557) genannt, die als “Anna von Kleve”die 4. Gemahlin des englischen Königs Heinrich VIII werden sollte. WIKIPEDIA  

[4] : Auch heute noch im „Großen Staatswappen“ des Hauses Sachsen- Coburg und Gotha

Spuren von „Jülich-Cleve-Berg“ im Stadtbild von Coburg

Mein persönliches Interesse war jetzt natürlich geweckt! Bei meinem nächsten Besuch in Burg a. d. Wupper versuchte ich mir, dort weitere Informationen zu verschaffen. Doch davon später. Intensiv befasste ich mich aber erst nach einem Besuch 2009 sowie meinem Ruhestand damit.

Zunächst Spurensuche hier in Coburg!

Ev.-luth. Kirche St. Moriz: Bronze-Grabplatte für Herzog Joh. Casimir (17. Jhdt.)

oben: Großes Staatswappen; unten: Inschrift in Latein; “(Herzogtum)...”Berg” wird hier mit “Montium” übesetzt; es ist aber nicht ganz sicher, dass  “Berg” als Herrschaftsgebiet aus dem geographischen Begriff folgt. Es ist dies hier die wohl älteste Dokumentation in einem Bau- oder Kunstdenkmal.

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Veste Coburg; barockes Portal von 1671. Die Wappenfelder sind nur noch schlecht zu erkennen, dafür die 6 Helme mit Helmzier; von links: Kleve-Mark (Büffelkopf), Thüringen (2 besteckte Büffelhörner), Sachsen (Hut), Meissen (Mannesrumpf), Jülich (Greif) und Berg (Pfauenschweif). Auch die Inschrift in der Tafel darunter verkündete die Titel des Herzogs (in diesem Falle Friedrich Wilhelm II). Heraldische Rangordnung: Sachsen – Meißen – Thüringen – Jülich - Kleve/Mark – Berg.

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Veste Coburg; Wappen des Herzog Joh. Casimir an der “Luther-Kapelle”; gut erhalten, stammt wohl aus der Zeit der großen Restaurierungen im 19. Jhdt. Im Gegensatz zu dem darüber abgebildeten Wappen über dem Prachttor sind hier “nur” drei Helmzierden dargesellt; Thüringen, Sachsen und Meißen.

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Coburg, ehem. Regierungsgeäude (“Stadthaus”) am Markt. Unverwechselbar ist das Wappen von Kleve (“Glevenrad”) oben sowie das Wappen der Grafschaft Ravensberg (“Sparren”) - siehe Abb. unten auf dem oberen Geschoß des “Coburger Erker”:

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Coburg, „Stadthaus“; Wappen über dem Durchgang. Nur das Wappen der Grafschaft Ravensberg (rote Sparren auf weißem Grund) hat hier Eingang gefunden; Dr. Bernhard. Peter, ein im “Internet” auftretender Experte für Heraldik, meint, letzteres sei nachträglich eingefügt worden. Das Bauwerk soll lt. Inschrift bereits 1601 fertiggestellt worden; der Erbanspruch konnte aber nicht vor 1609 erhoben werden. Bereits 1610 wurde das Große Staatswappen geändert und erweitert.

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Im Jahre 1832 errichtete der Magistrat der Stadt Coburg diesen Gedenkstein für die Herzöge Franz Friedrich Anton (1800 – 1806) und Ernst I (1806 – 1844); ursprünglicher Standort Ernstplatz, ausgeführt durch Leitner. Auch hier sind die Titel Jülich – Cleve – Berg etc. aufgeführt („Erbanspruch“), ebenso wie bereits auf der Grabplatte von Johann Casimir in der Morizkirche.

wird fortgesetzt