Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1964

Der damalige Präsident des Verbandes der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Georg Fahrbach, verfasste damals zur Publikation in den Vereinszeitschriften folgendes Zitat von John F. Kennedy, mit eigenen Anmerkungen versehen.

Ein Vermächtnis John F. Kennedys
Häufig schon habe ich mit erhobenem Zeigefinger darauf hingewiesen, daß wir im klein gewordenen Deutschland fälschlicherweise so tun, als hätten wir genug Acker- und Wiesenland, genügend Wälder, ausreichend gutes Wasser, um immer so weiterleben zu können. Nun lese ich mit Interesse, wie nachdrücklich Präsident Kennedy in einer Kongress-Sonderbotschaft für das weite Land der USA die gleichen Gedanken ausgesprochen und ähnliche Befürchtungen geäußert hat. Es heißt dort:

„Seit Beginn der Zivilisation hängen Wohlstand und Fortschritt eines jeden Volkes in großem Maße von seinen natürlichen Hilfsquellen ab. Unser Land hat das Glück, mit derartigen Gütern besonders gesegnet zu sein. Auf unser Wasser, unseren Boden, unsere Wälder und unsere Mineralien stützt sich nicht nur das gesamte Leben unserer Gesellschaft, es hängt sogar davon ab. Die Art und Weise der Nutzung dieser Güter beeinflusst unsere Gesundheit, /Sicherheit, Wirtschaft und unser allgemeines Wohlergehen. Wenn wir aber nicht den richtigen Weg zur Erhaltung und Entwicklung einschlagen, wenn wir es versäumen, diese uns geschenkten Güter durchdacht zu nutzen, werden wir in kurzer Zeit in Schwierigkeiten geraten. Selbst bei vorsichtiger Planung gehen wir Zeiten entgegen, die uns gefährliche Engpässe und Zwangslagen bringen werden. Um das Jahr 2000 werden in den USA etwa 300 Millionen Menschen — eine Bevölkerung, die in 40 Jahren fast auf das Doppelte angewachsen ist — wesentlich größere Mengen an landwirtschaftlichen Produkten, Holz, Wasser, Mineralien, Brennstoffen, elektrischer Energie sowie mehr Möglichkeiten zur Erholung in der freien Landschaft beanspruchen. Nach derzeitigen Voraussagen wird unser Wasserverbrauch innerhalb der nächsten 20 Jahre verdoppelt, von unseren Beständen an hochwertigem Holz mehr geschlagen, als nachwachsen kann, zu viel der obersten fruchtbaren Schichten des Bodens ausgeschwemmt, werden die Verkommen an mineralischen Bodenschätzen in zunehmendem Maße ausgeschöpft und die unserem Volke noch verbliebenen, unerschlossenen, landschaftlich schönen Gebiete zum Teil anderen Zwecken zugeführt. Investiert man heute weitblickend in ein Programm zur Erhaltung und Nutzung der natürlichen Hilfsquellen, so wird sich das künftig mit hohen Zinsen bezahlt machen; nimmt man aber heute die Gelegenheit zum Handeln nicht wahr, hat man sie unter Umständen endgültig verpasst!"

Was Kennedy mit solchem Ernst für sein großes und weites Land der vermeintlich „unbegrenzten Möglichkeiten" sagte, gilt für unsere kleine Bundesrepublik in noch weit stärkerem Maße. Ganz abgesehen davon, daß dieser gewichtige Staatsmann die Dinge so klar gesehen und so deutlich angesprochen hat, ist uns deutschen Naturschützern sein Aufruf auch deshalb hochwillkommen, weil er von außen kommt! Hoffentlich vernimmt man ihn jetzt noch deutlicher, nachdem der Mann, der dies sprach, den Weg eines harten Schicksals hat gehen müssen!  (Zitat Georg Fahrbach: Ende)

Schon damals wurde also erkannt, in welchem Missverhältnis der Landschafts- und Naturverbrauch mit dem engen zur Verfügung stehenden Raum stand. Im Vergleich besonders mit den USA mit scheinbar unerschöpflichem Vorrat an natürlichen Ressourcen.
Aus unserer Sicht erschienen die US-Amerikaner immer als die Fortschritt-Optimisten. Aber es gab gerade dort  schon damals dort warnende Stimmen, so der szt. viel beachtete Autor Vance Packard (1914 – 1996) mit seinen epochalen Büchern: „Die geheimen Verführer“ (1958) und, vor allem „Die grosse Verschwendung“ (The waste makers, 1961). Freilich waren die USA damals noch beispielsweise in der Motorisierung uns weit voraus. Noch gab es längst nicht in jeder Familie hierzulande ein Auto, von mehreren ganz zu schweigen.

Wir Wanderer werden sicher manchmal als Leute belächelt, deren Horizont nicht viel über Wimpel und Abzeichen und  vielleicht Wegmarkierungen  hinausgeht. Diese Publikation erschien aber zu einem Zeitpunkt, als hierzulande nur wenige so dachten und sich artikulierten. Noch immer werden Bau- und Gewerbegebiete im Außenbereich neu erschlossen und dadurch Landschaft verbraucht, obwohl langsam ins Bewusstsein dringen sollte, dass nicht nur die “freie Natur”, sondern sehr wohl auch die landwirtschaftliche Nutzfläche als eigentliche Lebensgrundlage auf dem Spiele steht.