Kloster Vessra

Kloster Veßra, Turm-Fassade der ehem. romanischen Klosterkirche an einem sehr warmen Frühsommertag im Jahre 1990. Damals benutzte ich vielfach den “Fujichrome Velvia”. Dessen überragende Qualität wird an den Scans deutlich!

Kloster Vessra

 Aus “Das Farnkraut” Nr. 3 / 1990 Veßra

Ab dem Frühjahr 1990 nutzten meine Frau und  ich die Zeit ganz intensiv, um das mit Tagesfahrten erreichbare Nachbarland Thüringen näher zu erkunden. Eines der Ergebnisse war damals das Titelbild von der romanischen Turmfassade der ehemaligen Stiftskirche Veßra und der nachfolgende kurze Artikel. Als Literatur erwarb ich bei meinem Besuch das Büchlein "Agrarhistorisches Museum Kloster Veßra", H. Sigmar Banz, Hildburghausen 1988

  Zum Titelbild

  Kloster Veßra und das Agrarhistorische Museum

  Wer die Fernstraße "89" im Werratal von Hildburghausen nach Meiningen fährt, der erreicht nach etwa 10 km, vor Themar, eine Straßeneinmündung von rechts. Diese Nebenstraße führt nach Schleusingen und das Flüßchen Schleuse mündet hier in die Werra. Bewegen wir uns eine kurze Strecke in Richtung Schleusingen, so fällt uns ein monumentales Bauwerk auf - die West-und Turmfassade der einstigen Klosterkirche zu Veßra (siehe Titelbild). Wenn auch die Geschichte vieler Orte im stammesgeschichtlich fränkischen Vorlande Thüringens bis weit in das Mittelalter zurückreicht, so sind doch größere romanische Baudenkmäler selten. Vom Gesamteindruck, der monumentalen Schlichtheit her ist die Kirche romanisch, mögen wir auch an den Turm-Obergeschossen erkennen, daß die Baugeschichte in die Gotik hinüberreicht.

  Die Geschichte weist historische Beziehungen zu Coburg, aber auch zu Bamberg und Würzburg - zu Franken insgesamt also auf.

  Klosterstifter und -gründer waren sowohl die Grafen von Henneberg als auch die Bischöfe von Bamberg. Die Henneberger waren bekanntermaßen zeitweise, vor den Wettinern, auch Coburger Landesherren, Das Kloster - genauer: das Prämonstratenser-Chorherrenstift hatte sehr ausgedehnte Besitzungen - u. a. auch im Coburger Land, hier bei Rodach die damalige Probstei Georgenberg und den Schweighof.

 Als Hauskloster der Henneberger Grafen hatte Veßra im Mittelalter entscheidenden Anteil an der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung von deren Herrschaftsgebiet.

  Veßra gründete seinerseits Klöster, u. a. (Frauen-) Breitungen und Frauenwald unweit des Rennsteiges.

  Kompliziert waren die mittelalterlichen Rechtsbeziehungen. Die weltlichen Herrschaftsrechte lagen teils bei den Bamberger Bischöfen, teils bei den Grafen von Henneberg-Schleusingen. Kirchlich unterstand Veßra aber den Bischöfen von Würzburg.

  Im Zuge der Reformation wurde das Kloster schließlich aufgehoben, wurde das Klostergut Staatsdomäne nacheinander Hennebergs, des Hauses Wettin und schließlich Preußens.

 Zur Ruine wurde die Klosterkirche aber erst 1939. Sie war inzwischen als Scheune benutzt worden; nach einem verheerenden Brand stürzte das Mittelschiff ein.

  Ab 1975 wurde auf dem Klostergelände ein agrarhistorisches Museum eingerichtet. Gesammelt und gezeigt wird ähnliches wie etwa in unserem Gerätemuseum Ahorn. Von den Räumlichkeiten her hat aber Veßra weitaus mehr Möglichkeiten.

 Ähnlich wie im Freilandmuseum Bad Windsheim werden auch in Veßra ganze Gebäude samt Einrichtung gezeigt. Ein Teil dieser Bauernhäuser ist andernorts abgetragen und in Veßra wieder errichtet worden, auch insoweit verfolgte man ein ähnliches Konzept wie in Bad Windsheim.

 Daher  ist Veßra jederzeit für uns einen Ausflug wert!

  Hans D. Bürger

Unten: Detail der Fassade mit Rundbogenfries, Tierfratzen

  

Kloster Vessra
agrarhistorisches Museum Vessra
vessrazeittafel

Tafel zur Geschichte des Klosters Veßra aus der DDR-Zeit. Damals wurde der sog. Bauernkrieg von 1525 als “Klassenkampf” gedeutet, die sich gegen die Obrigkeit erhebenden Teile der Bevölkerung als “Revolutionäre”. Mit der klassischen Lehre von Karl Marx zum Thema Revolution lässt sich dies m. E. nur bedingt vereinbaren. Aber offensichtlich bestand ein dringendes Bedürfnis nach historischen Vorläufern, auch nach Helden.