Erhalten wir uns unser schönes Bayern!

 Staatssekretär Dick Präsident des neuen Landesverbandes der Wandervereine

 Bayerns Gebietsvertreter im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e. V. vollzogen am 22. Januar in Bamberg einen gewichtigen Schritt: Sie schlössen den geschichtlichen Abschnitt ihrer bisherigen Arbeitsgemeinschaft ab und begannen eine neue Ära auf der stabileren Basis des nunmehrigen »Landesverbandes Bayern der Deutschen Gebirgs-und Wandervereine e. V.«. Die Gründungsversammlung gab dem neuen Landesverband eine auf erweiterte Aufgaben und auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit ausgerichtete Satzung. Sie wählte Staatssekretär Alfred Dick vom Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, aktives Mitglied des Bayerischen Waldvereins, zum Präsidenten des Landesverbandes, dem sich folgende 14 Vereine mit annähernd 69 000 Mitgliedern in rund 400 Ortsgruppen (Zweigvereinen) angeschlossen haben:

 Bayerischer-Wald-Verein, Fichtelgebirgsverein, Fränkische-Alb-Verein, Fränkische-Schweiz-Verein, Frankenwald-Verein, Haßbergverein, Mährisch-Schlesischer Sudetengebirgs-Verein, Oberpfälzer-Wald-Verein, Odenwaldclub, Rennsteigverein, Rhönklub, Spessartbund, Steigerwald verein und Thüringerwald-Verein.

 In den Gesamtvorstand des Landesverbandes Bayern berief die Hauptversammlung   als  Vizepräsidenten

den bisherigen unermüdlichen Betreuer der Arbeitsgemeinschaft, Georg Keimel (Spessartbund), als Geschäftsführer Rudolf Zoller (Rhönklub), als Schatzmeister Kurt Severin (Frank. Alb-Verein), als derzeitigen Landesjugendwart Heinz Weber (Spessartbund), als Vorstandsmitglieder ohne Geschäftsbereich Adolf Thumser (Frankenwald-Verein) und Erich Weininger (Steigerwaldklub). Als Revisoren fungieren Fritz Krause (Fränkische-Schweiz-Verein) und Michael Ott (Rennsteigverein).

 Den Willkommensgruß der Stadt Bamberg zur Hauptversammlung entbot Oberbürgermeister Dr. Theodor Mathieu, unserer Wanderbewegung und ihren Bestrebungen »von Amts wegen und persönlich eng verbunden«. Seinen Erfolgswünschen schlössen sich durch Grußbotschaften an Verbandspräsident Dr. Georg Fahrbach, Bezirkstagspräsident Hergen Röder und die Regierung von Oberfranken, in Bamberg vertreten durch ihren Naturschutzbeauftragten Reichel. Ihnen allen dankte Keimel für bisherige verständnisvolle Unterstützung unserer von selbstgewählter Verantwortung gegenüber Mensch und Natur getragenen Anliegen und Aufgaben.

 In einem »Hundertjährigen Kalender« zeichnete der Tagungsleiter Ausgangsüberlegungen, Ideen und Entwicklung unserer Wanderbewegung vom Erwandern und Erforschen der Heimat über Pflege von Volkstum und Brauchtum bis zum bewahrenden Schutz der Landschaft nach. Das Wirken unserer Vereine veranschaulichte er u.a. an zwei als »bittere Zeichen unserer Zeit« apostrophierten Beispielen von Hunderten: Die Ortsgruppe einer Spessartgemeinde von 4000 Einwohnern befreite ein 600 Hektar großes Waldstück an drei Wochenenden von 13 Lkw-Ladungen Umweltschmutz. 100 Lkw-Ladungen Abfall meldete der Fränkische-Schweiz-Verein nach 124 freiwilligen Einsätzen in seinem Gebiet.

 Keimels »imponierende Bilanz« (Staatssekretär Dick) begründete abschließend im Blick auf den weiteren Weg, was unter Verband mit seiner engen Bindung an Landschaft und Bevölkerung, mit seiner großen Erfahrung in Planung und Gestaltung erwartet.

 In alle Planungsorganisationen des Staates bis hin zu den künftigen Regionalplanungsgremien eingereiht, aufgrund seines nachweisbaren Erfolgswirkens in die landschaftsschützenden und landschaftsgestaltenden Programme der Staatsregierung eingeordnet und dort gewertet zu werden.

Der nunmehr eigenständige, dem deutschen Dachverband der Gebirgs- und Wandervereine und seinem verdienstvollen Präsidenten Dr. Fahrbach jedoch nach wie vor unterstellte Landesverband erstrebt demzufolge

bessere Koordination der vielfältigen Belange seiner Vereine, größeres Gewicht gegenüber staatlichen und kommunalen Behörden und Institutionen, Integration in die zuständigen staatlichen Einrichtungen und höhere Zuschüsse für seine Offentlichkeitsaufgaben.

 Zu ihnen gehört neben der Schaffung und Betreuung von Rastplätzen, Wanderheimen, Schutzhütten und Aussichtstürmen vor allem die Erschließung und Bezeichnung von Wanderwegen und Rundwanderwegen mit Wanderparkplätzen (z. Zt. rund 25000 km). Als jüngste Gemeinschaftsaufgabe auf diesem Sektor wurde der 590 km lange Main-Wanderweg von der Quelle im Fichtelgebirge bis zur Mündung bei Mainz mit einem blauen „M“ im weißen Feld markiert. Nach vervollständigter Ausschilderung soll er im Mai feierlich eröffnet und der Allgemeinheit anvertraut werden. Der neue Landesverband wird damit einer »deutlichen und vernehmbaren Schritt in die Öffentlichkeit tun«. Ihm wird die Herausgabe eines Prospektes (Wanderführers) folgen.

 In seiner programmatischen Antrittsrede als Verbandspräsident - ein Auftrag, der für ihn »in erste Linie Verpflichtung bedeutet« - umriss Staatssekretär Alfred Dick u.a. die Aufgaben der Wandervereine zugunsten sinnvoller Gestaltung der sich ausweitenden Freizeit. Sie haben sich zu orientieren an den Voraussagen der Futurologen, daß sich unsere Freizeit bis 1990 nach Feierabend um 25%, an Wochenenden um 45% und an Jahresurlaub um 60% mehren, die Arbeitszeit bis 1985 auf 36, bis zum Jahre 2000 auf höchstens 30 Wochenstunden (bei 10 bis 12 Wochen Jahresurlaub) verringern soll.[i] Bei adäquat steigenden Anforderungen an die berufliche Leistungskraft werde das Wandern als Mittel zu der Erkenntnis, »daß der Mensch ein Teil der Natur ist und ohne sie nicht leben kann«, wesentlich dazu beitragen, daß die Menschen mit ihrer Freizeit fertig werden. Das Regierungsprogramm »Freizeit und Erholung« in diesem Zusammenhang ansprechend, begründete Dick die Verdreifachung der Haushaltsmittel gegenüber dem Vorjahr auf 1,53 Millionen DM jährlich.

Unserer Wandervereinigung eine »gesellschaftspolitische Funktion ersten Ranges« zubilligend, würdigte Präsident Dick die Rolle des Wanderns für die körperliche, geistige und seelische Gesundung des Menschen und die mutigen Pionierleistungen unserer Vereine für den Umweltschutz. Der Erfolg des Bemühens, weiterer Entfremdung von der Natur entgegenzuwirken, sei unverkennbar. Daß die Einsicht in diese Zusammenhänge zunähme, beweise die wachsende Popularität der Volksmärsche, deren Entwicklung jedoch in die richtigen Bahnen gelenkt werden müsse; denn es fehle ihnen oftmals die notwendige Beziehung zur Natur, die das Gehen erst zum echten Wandern macht.

 Dick bescheinigte den Wandervereinen weitsichtige und zielbewusste Planung und stellte fest:

Es gäbe zweifellos weit mehr Naturschädigungen und bedeutend weniger Erholungsgebiete, wenn unsere Vereine nicht einen in dieser Hinsicht blinden Zeitgeist energisch bekämpft hätten.

Erfreulich Dicks Aussage, daß für den Ausbau bestehender und durch Grunderwerbsmaßnahmen zu erweiternder Erholungseinrichtungen mit den seinem Ministerium verfügbaren Mitteln jährlich Vorhaben im Ausmaß von 45 bis 50 Millionen DM finanziert werden können. Ermutigend der Vorsatz seines Ministeriums, zugunsten der Öffentlichkeitsaufgaben unserer Wandervereine den derzeitigen Zuschuss Höchstsatz von 40 auf 50 % anzuheben. Grundsätzlich in Aussicht gestellt ist ministerielle Förderung der Markierung und Ausgestaltung des Main-Wanderweges. Nach einem Dank für die »Arbeit von unschätzbarem Wert«, die bisher von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Wandervereine geleistet worden ist, schloß Präsident Dick die Gründungsversammlung mit einem Appell zu intensivierter Gemeinsamkeit im Interesse und zum Wohle der Allgemeinheit. »Erhalten wir uns unser schönes Bayern, wie wir es lieben«, rief er seinen Wanderfreunden zu, bevor er sie mit ermunterndem »Frisch auf! Mit voller Kraft in die Zukunft« zur Heimkehr in ihre Betreuungsgebiete entließ.


[i] Diese Erwartung hat sich allerdings nicht erfüllt. Ein Grund, die Kompetenz der sogenannten Futurologen oder Zukunftforscher anzuzweifeln oder zumindest ihre Prognosen zu hinterfragen. –hdb-