liebenburg

Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1972  (oben: Orginal-Scan aus diesem Heft)

 Hier führt uns Georg Gunzelmann, Pressewart des Rennsteigvereins e. V. Zapfendorf und langjähriger Mitarbeiter beim „Farnkraut“ nochmals in das Wandergebiet zwischen Maintal und Itzgrund.

 

Die Liebenburg am Main-Wanderweg

 Bewegte Guts-Geschichte / Die Sage vom goldenen Kreuz

 

Wer die »Fuhrmannsmarter« am Mainwanderweg zwischen Oberbrunn und Birkach (Landkreis Staffelstein) erreicht, der sollte nicht versäumen, hier den herrlichen Höhenweg zu verlassen und die halbe Stunde in Richtung Oberbrunn hinabzusteigen, die alte Liebenburg, oder vielmehr deren Reste aufzusuchen: Hier ist dem Wanderer eine Rast voller Besinnung und Ruhe beschert, fernab vom hastigen Treiben unserer Zeit. Im Dorf selbst kann jedes Kind dem suchenden Wanderer den Weg zu der einst stolzen Burg zeigen, man kann sie kaum verfehlen; auf Umwegen freilich glaubt man, sich durch die Verhaue eines vergessenen Dornröschenschlosses drängen zu müssen.

 Ein Burgherr Herrmann von Liebenberg soll einst mit dem unglücklichem König Konrad 1268 nach Italien gezogen sein (Anmerkung „Konradin, der letzte Staufer“, 1252 -1268, dessen Scheitern speziell im 19. Jhdt. zum Mythos verklärt worden ist; -hdb-) 1348 finden wir im zweiten Bamberger Hochstifts-Urbar: Heinricus de Giech residens in Brune. Die weitum begüterten Grafen von Giech waren also Herren des »Schlosses« oder der »Veste Brunn«, wie die Burgstelle später genannt wurde. 1525 im Bauernkrieg berannte der Kleukheimer Bauernhaufen die Burg und brannte sie nieder.

 Wiederaufgebaut brachte ihr dann der 30-jährige Krieg schwerste Schäden durch den Schwedeneinfall..1680 fielen das Rittergut am Fuße des Schloßberges und auch das »Hohe Haus« an das Hochstift Bamberg zurück und unterstanden in ihrer Verwaltung bis 1803 der Vogtei Zapfendorf. Bereits 1801, vor der Säkularisation, kam das Schloß in bäuerliche Hände und 1809 war es abgebrochen.

 Heute finden sich auf dem Schlosshügel, den ein Steilabfall zum Main und ein mächtiger Halsgraben gegen das westliche Bergland absicherten, noch Grundmauer-Reste des Bergfrieds und ein verschütteter Kellereingang, der als Fluchtweg Verbindung mit einem Keller am Fuße des Schlossberges haben soll. Tatsächlich gestattet eine nicht vollständig aufgemauerte Querwand am Ende dieses Kellers Durchblicke in düstere, geheimnisvolle Tiefen des Schlossberges.

 Hier unten am Schlossberg stößt man auch auf Schritt und Tritt auf Erinnerungen an das einstige Rittergut Brunn. »Brunn« spricht der Volksmund auch heute noch, ohne nähere Unterscheidung von Oberbrunn und Unterbrunn und ohne Erinnerung an das »Mittelbrunn«, das es einst noch gegeben haben soll. Doch der Brunnen der einst der Burg und den Dörfern den Namen gab, fließt immer noch aus dem Schloßberg als reiche Quelle.

Er speist im Gelände des einstigen Gutshofes einen idyllischen Weiher und versorgte auch früher das Brauhaus mit reinem Wasser. Dieses Brauhaus soll zu Ritterguts-Zeiten als Marstall gedient haben und bietet auch im heutigen Zustande des Verfalls, mit seinen mächtigen Rennaissancegiebeln und den wehrhaften Mauern, einen imposanten Anblick.

 Und wenn sich, wie jetzt in den vergangenen Spätwintertagen, Heimatfreunde aus den beiden »Brunn« und der näheren Umgebung im alten Gesindehaus des alten Rittergutes, dem jetzigen Gasthaus Göppner, treffen und sich hinter meterdicken Quaderwänden um den warmen Kachelofen scharen, dann macht manches Gespräch um die alte Burg die Runde.

Immer wieder wird die Sage vom goldenen Kreuz der Burgherrin erzählt, welches sie auf der Flucht

vor den aufständischen Bauern verlor und das einen ungeheuren Wert besitze. Oberbrunn könne dreimal abbrennen und dreimal wiederaufgebaut werden aus dem Erlös dieses Kreuzes, bloß finden müsste man es. Kein Wunder, daß das goldene Kreuz der Burgfrau in den Erzählungen inzwischen die Dimensionen eines ausgewachsenen Feldkreuzes angenommen hat!

 Nicht nur im Vorfrühling lohnt sich ein Besuch der alten Burgreste, des ehemaligen, heute so gastlichen Rittergutes und der beiden »Brunn«. Nicht nur über den Main-Wanderweg, auch auf gut ausgebauten Straßen sind diese Oasen der Stille zu erreichen: Ein Besuch zur Zeit der Kirschenblüte um den alten Marstall macht die Dornröschen-Idylle vollkommen.

Georg Gunzelmann