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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 3/1972

 

Immer wieder publizierte „Das Farnkraut“ Meldungen aus dem benachbarten Thüringen, dem Ursprungsland unseres Vereins.

 

NACHRICHTEN AUS THÜRINGEN

 In memoriam Hanns Glaser

 Eisfeld trauert um das »Pfeiferlein von Asifelden«

 Im benachbarten Eisfeld starb kurz vor seinem 85. Geburtstag das allzeit trotz eigenen Leides frohgemute »Pfeiferlein von Asifelden«, Hanns Glaser. Er war, wie ihn seine Landsleute in einem Nachruf würdigen, »Dichter, Fotograf, Grafiker, Humorist, Illustrator zu eigenen und Otto Ludwig's, Heinrich Schaumberger's und anderer Thüringer Dichter Erzählungen, Komödiant, Komponist zu eigenen Bänkeltexten, Laute-und Gitarrespieler, Maler, Museumsberater, Schriftsteller, Volkskundler und vor allem Mensch«, über seinem Grabe läuteten jene »Glocken von Banz« in der Eisfelder Stadtkirche, deren Geschichte Hanns Glaser in einem Festspiel verewigt hat, an dem er ebenso wie sein Vater wiederholt mitwirkte. 1632 kamen diese Banzer Klosterglocken nach Eisfeld. Schweden unter Kriegskommissar Veit Ulrich von Könitz (auf Siemau) brachten sie in die südthüringische Stadt, die ihre Glocken durch Kriegsbrand verloren hatte. 20 Jahre danach übereignete der Banzer Abt Michael Stürzel den Eisfeldern die Glocken gegen eine Entschädigungssumme, über diesen Vorgang, von dem der 1969 verstorbene Eisfelder Pädagoge und Heimatforscher Ernst Dahinten in seiner »Geschichte der Heimat« berichtet, können interessierte Leser im »Farnkraut«-Heft 1/1970 nachlesen. Ein enger Freund Hanns Glasers ist der heimattreue Eisfelder Bildhauer Karl Röhrig, der seit 1911 in München lebt und wirkt. Aus Anlaß seines 86. Geburtstages wurde der Eisfelder Weißgerberssohn, der seiner Heimatstadt u.a. das Otto-Ludwig-Denkmal im Garten des Dichterheims geschenkt hat, mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.

Erfreuliches und Unerfreuliches

vom thüringischen Rennsteig

 Erfreulich die Nachricht vom Wald- und Aufbaufest (Ende August) an der Baustelle des Botanischen Gartens für Hochgebirgsflora am Pfanntalskopf bei Oberhof. Die Feier bestätigt, daß der Deutsche Kulturbund in Thüringen mit diesem Projekt im Rahmen seines landeskulturellen »Rennsteigprogramms« erfolgreich wirkt. Im Wochenendeinsatz haben weit über 300 Idealisten des Kulturbundes im Laufe des ersten Aufbaujahres nicht nur Wege restauriert und Treppen angelegt, sondern auch einen Wasserspeicher und eine Schutzhütte geschaffen.[i]

 Höchst unerfreulich wäre es, wenn sich die Hiobsbotschaft bestätigen sollte, daß die Kober-Gedenkstätte an der 970 m hohen „Plänckners Aussicht“ auf dem thüringischen Rennsteig verschwunden sei. Sie war, wie im »Farnkraut«-Heft 2/1970 berichtet, dem verdienstvollen Thüringer Heimatforscher und Schriftsteller, dem deutschen Wanderlieder-Dichter Dr. Julius Kober am gleichen Tage geweiht worden, an dem der Rennsteigverein aus Anlaß seines 75jährigen Jubiläums am Waldhaus »Waidmannsheil« bei Steinbach a. W. (seiner Gründungsstätte) den Kober-Gedenkstein enthüllt hat. - Wir werden uns bemühen, über den unerklärlichen Vorgang jenseits der Grenze näheres zu erfahren.

 Regenerierung des Thüringer Waldes. - Das mitteldeutsche Institut für Landeskultur hat Maßnahmen getroffen, um den ursprünglich unvermischten Bestand an Rotbuchen und Traubeneichen im Wartburg-Forstschutzgebiet wiederherzustellen.

 90jähriger Thüringerwald-Vereinler. –

90 Jahre alt wurde in seiner Wahlheimat Detmold der ehemals beliebte Eisenacher Pädagoge Julius Fink, einst führendes Mitglied des Thüringerwald-Vereins, als dieser seinen Sitz in Eisenach hatte.

Initiator des Eisenacher Hauses gestorben. –

 Kurz nach seinem 80. Geburtstag verstarb in Eisenach Hanns Ertel, ein treuer Freund des Thüringerwald-Vereins. Er war führendes Mitglied im Rhönklub und Initiator des Eisenacher Hauses auf dem Ellenbogen, dem höchsten und schönsten Berg der thüringischen Rhön.

 

Schwarzatal durch Verkehr ruiniert. - Die Freigabe des Fahrverkehrs durch das Schwarzatal hat das einst vielgerühmte Landschaftsbild durch erhebliche Naturschäden stark beeinträchtigt. Experten betreiben ein Verbot des motorisierten Verkehrs. Vor dem Krieg durften nur Postkutschen und Pferdefuhrwerke das Schwarzatal durchfahren.

 Wieder Gothaer Wasserspiele. - Nach originalgetreuer Restaurierung der Gothaer Wasserspiele ist das alte Wahrzeichen der thüringischen Residenz unseres ehemaligen Herzogtums jetzt wieder in Betrieb gesetzt worden. Zugleich erfährt der Gothaer Park eine Verjüngungskur durch umfangreiche Neuanpflanzungen.

 400jähriger Glasbecher aus Böhmen. - Wertvolle Gefäße aus Ton, Fayence, Porzellan und Glas wurden auf Schloss Neideck, dem Wahrzeichen Arnstadts. ausgegraben. Interessanteste Objekte des dortigen Heimatmuseums sind jetzt ein dreiseitiger Glasbecher aus Böhmen mit Jahreszahl 1597, holländische Pfeifen von 1630 und nahezu 3OOjähriges Chinaporzellan.

»Schneeloch« ohne Schneekonserve. –

 Den Thermometermachern in Stützerbach hat der schneearme Winter und das sonnige Frühjahr Kummer beschert. Es fehlt ihnen an der Schneekonserve, die sie sich alljährlich in ihrem »Schneeloch« am Lauersberg für den Sommer anzulegen pflegen, um den Fixpunkt ihrer Thermometer genauer bestimmen zu können.

 Siedlungsbeweise aus der Steinzeit. - Streithämmer, Hacken, Beile und sonstige Gerätschaften aus der Steinzeit hat man »Bei den Börnern« (Quellbrünnlein) im Witterdaer Wald bei Erfurt und am nahenRiedbach gefunden. Die Funde bezeugen, daß dieses Quellgebiet vor mehr als 4000 Jahren schon besiedelt war.

 Schillers Räuberlied in der Rhön entdeckt. - Bei seinen Forschungen nach Volksliedern und Volkstänzen in der thüringischen Rhön hat Prof. Dr. Günter Kraft von der Weimarer Franz-Liszt-Hochschule das Original des 1780 entstandenen Liedes »Lustig ist das Räuberleben« entdeckt, das Schiller in seinen »Räubern« verwendet hat.


[i] Über Planung und Bau des Rennsteiggartens wurde im „Farnkraut“ mehrfach berichtet. Nach der „Wende“ wurde diese Einrichtung ein Magnet gerade für Besucher aus dem Westen.