Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1973

 Zu den ständig präsenten Rubriken in unserem Vereinsorgan „Das Farnkraut“ zählen die jeweils kurzen „Nachrichten aus Thüringen“. Es lässt sich nachträglich nicht mehr feststellen, woher das Material kam. Dies könnten private Berichte von Bekannten gewesen sein, aber auch die Auswertung ganz normaler DDR-Zeitungen. Und da gab es noch die in Würzburg während der Teilungs-Zeit erscheinende „Thüringer Tageszeitung“.

 

NACHRICHTEN AUS THÜRINGEN

 

Aus: THÜRINGEN

Von Julius Kober

Von den hohen Bergesrücken

weit der frohe Wandrer schaut;

Regenbogen überbrücken

tiefe Täler, lichtbetaut.

Wo die Berge Burgen tragen,

beutefroh das Jagdhorn klingt.

Wo der Herden Glocken klingen,

steigt der Lerchen Jubelsang;

Lieder sich zum Himmel schwingen

bei der Zither trautem Klang.

Und im Winter hohe Tannen

über Bach und Wiesenrain

weisskristallne Brücken spannen,

rot durchglüht vom Sonnenschein.

 

Wissenswertes aus Thüringen

 Eine steinzeitliche Wohnhöhle hat man bei Ausgrabungen im Gleitsch[i] oberhalb von Saalfeld entdeckt. Der Fund ist Anlaß zu intensivierter Forschungsarbeit im 403 m hohen Gleitsch am Saaleknie über den Feengrotten, einem interessanten Etappenziel am ehemaligen Hauptwanderweg 9 des Thüringerwald-Vereins von Naumburg nach Coburg.

 Ein Botanischer Gebirgsgarten[ii] entsteht zur Zeit durch die Jenaer Friedrich-Schiller-Universität im Thüringer

Wald bei Oberhof. Er soll bis 1975 einen Umfang von 40 Hektar erreichen, einesteils Pflanzenarten aller deutschen Mittelgebirge aufnehmen, andernteils Gebirgspflanzen aus aller Welt, soweit sie im mitteleuropäischen Klima gedeihen können.

 Gerettet und aufgestellt im Hof von Schloß Burgk

(Bezirk Gera) wurde das kostbare Barock-Säulenportal des Bad Köstritzer Schlosses aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Schloß mußte wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Auch die kunstvoll geschnitzte Eichentür des Schlosses konnte bewahrt werden.

 Kutschfahrten zum Rennsteig können auch im neuen Jahr wieder von Cursdorf bei der Fröbelgemeinde Oberweißbach aus unternommen werden. Die Ausfahrten in Pferdegespannen erfreuen sich großer Beliebtheit.

 Die Aufforstung des thüringischen Rennsteigs macht Fortschritte. In diesem Jahr wurden etwa 135 Hektar Bergwiesen vor Verwilderung bewahrt, neun Hektar Ödland aufgeforstet und weitere 15 000 Bäume angepflanzt. Das Angebot an Rastplätzen, Schutzhütten und markierten Wanderwegen im Rennsteigbereich ist größer geworden.

 Einen weiten Rennsteig-Rundblick verheißt das neue »Rennsteig«-Ferienheim in Oberhof, das seine Richtfeier bereits hinter sich hat. Das 53 Meter hohe Gebäude mit Aussichtscafé im 17. Stockwerk ist dem traditionellen Rennsteigwappenstein nachgebildet.

In Thüringen rauchen wieder Meiler. Gleich drei haben Forstarbeiter nahe dem Kurort Ilfeld im Raume Nordhausen in Brand gesetzt, um Holzkohle zu gewinnen; mindestens 40 Tonnen wollen sie noch in diesem Jahr erzeugen.

 Eine neue Schutzhütte steht jetzt bei dem im Herbst 1972 restaurierten Aussichtsturm auf dem Adlersberg (850 m) ostwärts von Suhl. Der 850 Meter hoch gelegene Blickpunkt war einst Etappenziel am Hauptwanderweg „2“ (Eisenach - Nordhalben) des Thüringerwald-Vereins.


[i][i] Gleitsch bei Saalfeld – Obernitz; näheres siehe Stichwort „Obernitz“ in WIKIPEDIA; hier auch Erwähnung über vorgeschichtliche Funde, auch weitere Informationen sind per Internet abrufbar. Im Westen vermutlich wohl eine der ersten Hinweise

[ii] Von Planung und Bau des Rennsteiggartens wurde im „Farnkraut“ mehrmals berichtet.