Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1965

 

Kopfschütteln würde bei einer Wanderplan-Besprechung des 21.Jhdt. wohl die Idee einer Nachtwanderung von Cortendorf über die Veste und die „Brandensteinsebene“ nach Oeslau und weiter zur Alexandrinenhütte auslösen. Und doch wurde genau dieses im August  1965 ausgeführt.

 

Unser Coburger Land im Lichterglanz

 

In der vollmondklaren Nacht zum dritten Augustsonntag erlebten 22 Wanderer das ganze Coburger Land im Lichterglanz: Beim Köcherweg-Aufstieg die Nordstadt mit Cortendorf, Dörfles und Esbach (Anmerkung: damals noch zwei selbständige Gemeinden); von der Veste das strahlende Stadtzentrum und seine westlichen Vororte; von der Brandensteinsebene im Blick gen Süden auf Grub, Ebersdorf und Frohnlach und von der Kober-Bank aus auf das Oeslau-Mönchrödener Industriegebiet und die Froschgrund-Gemeinden. Manches Streitgespräch darüber, wohin die Lichter wohl gehören, ließ die Schwierigkeit nächtlicher Orientierung ebenso deutlich werden wie Ernst Eckerleins Wahl seltener Waldwege durch den dunklen Bausenberg und weiter über den Oeslauer Höhnberg. Die Abendeinkehr in Oeslau wurde bis zur Polizeistunde ausgekostet. Erst dann ging es weiter durch den Rosenauer Park nach Oberwohlsbach, von dort über die Itz zum Wasserturm vor dem Lauterberg und dann via Oberlauter hinauf zu den Langen Bergen, auf denen sich das Blickfeld allmählich bis in den Rodacher Bereich erweiterte. Die Beobachtung des mit dem erwachenden Tag kämpfenden Nachtgestirns regte an zu dem Eichendorff-Lied „Wer recht in Freuden wandern will...". Nach seiner Melodie zogen die Nachtwanderer durch die gepflegten Orte Drossenhausen - Einzelberg und dann über die noch im Urzustand verharrende Straße nach Mirsdorf der Sonne und der Alexandrinenhütte entgegen. Sie wurde um 5.14 Uhr gerade rechtzeitig zum überraschend schnell sich vollziehenden Sonnenaufgang erreicht. Dem Genuß dieses Naturerlebnisses entsprach der verlockende Duft des Morgenkaffees, den der Hüttendienst samt einem Butterbrot-Berg vorsorglich zubereitet hatte. Manche ließen sich von solcher Gastlichkeit zum Verbleib anregen, viele nahmen die nächste Gelegenheit zum Busheimfahrt wahr, die ganz Unternehmungsfreudigen aber kehrten wandernd nach Coburg zurück.