Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1997
 

Immer wieder verstanden und verstehen wir es, kompetente Referenten zu heimatkundlichen Themen für unsere „Waldabende“ zu gewinnen. Bei dieser Veranstaltung im April 1997 ging es um Bräuche zur Osterzeit.

Osterfestkreis

Zunächst begrüßte Wolfgang Süße die Referenten des April-Waldnachmittags,
das   Ehepaar   Elisabeth   und   Konrad Radunz (Schney) sowie die erschienen Wanderfreunde.
Ehrendes Gedenken galt Gerhard Amm, der uns oft mit seinen Voträgen erfreut hatte.
Wolfgang Süße verwies ferner auf die Renovierung des Schlosses Callenberg
und die kulturelle Bereicherung, die das Coburger Land durch die bevorstehende Landsesausstellung erfährt.


Wiedergabe des Vortrags anhand der Aufzeichnungen des Schriftleiters, Irrtum vorbehalten. .

Wer eine „Osterbrunnen-Parade" von dem Vortrag erwartet hatte, sah sich getäuscht.
Da und dort ist dieser Brauch zu einer Eiermal-Leistungsschau mit Touristenrummel geworden.
Die Referenten erwiesen sich als profunde Kenner des Brauchtums in Franken. Viele der Bräuche sind von der bäuerlichen Kultur geprägt. Im Frühling geht es häufig um die Überwindung der winterlichen Dunkelheit und Kälte durch Frühling und Sonne. Vorchristliche Traditionen wurden von der Kirche mit Heiligenfesten neu besetzt.
Die Referentin setzte der beim Fest „Maria Lichtmess" - 2. Februar an. Der Tag ist merklich länger geworden, sodass „die Herren bei Tag essen" können. In den katholischen Kirchen werden an diesem Tag Kerzen geweiht. Im bäuerlichen Bereich bedeutete dieser Tag für Dienstherrn und Dienstboten entweder Verlängerung des Arbeitsvertrags oder Wechsel der Stellung. Am nächsten Tag, dem 3. Februar, wird der Tag des Hl. Blasius begangen, der um 316 den Märtyrertod erlitten hatte. Nach der Legende bewahrte er ein Kind vor dem Erstickungstod. Noch heute wird in kath. Kirchen der „Blasiussegen" erteilt, der vor Halsleiden bewahren soll. In Kleukheim bei Ebensfeld werden an diesem Tag die „Hündla" gebacken, Fettgebackenes aus Schwarzmehl und Hutzelbrühe.
Auch   in   Franken   gibt   es   besondere Fastnachtsbräuche.
In Effeltrich (Frank. Schweiz) und in Neufang (Frankenwald) treiben vermummte Strohbären ihr Unwesen, in denen sich junge Burschen verbergen. Die strohernen Hüllen werden anschließend verbrannt. Auch dieser Brauch geht wohl auf uralte Winteraustreib-Riten zurück. Am Faschingsdienstag wird in Bamberg der traditionelle Honigmarkt abgehalten. Am Aschermittwoch werden in katholische Kirchen die Gläubigen mit „Aschenkreuzen" gesegnet. Wieder in Übung kommt der Brauch, die Altarbilder mit dem „Fastentuch" zu verhüllen. Noch heute gibt es im nordöstlichen Frankenwald in der Fastenzeit, auch in Wirtshäusern, gekochten Stockfisch mit Klößen. Am 3. März ist das Fest der Hl. Kunigunde, Patronin von Bamberg. Frauen aus dem Bamberger Land treffen sich im Dom zum Kunigundenfest. Anschließend werden ihnen „Kunigundenwein" und gebackene „Kunigundenringe" gereicht. Besondere Bedeutung kommt im kirchlichen Jahreskreis dem Sonntag „Laetare" zu. Die Hälfte der Fastenzeit ist nun vorbei. Im Bischofsheim/Rhön entzünden die Buben das „Laetarefeuer". Ein etwas gespenstischer Brauch ist in Lichtenfels-Burgberg und Dörfles bei Kronach erhalten geblieben. Eine Strohpuppe in Männer- oder Frauenkleidern (je nachdem, wer zuletzt verstorben ist) wird durch den Ort getragen. Anschließend wird die Puppe verbrannt und in den Bach geworfen. Nicht ganz geklärt ist der Brauch in Romansthal und Wolfsdorf, geschmückte Fichtenbäumchen durch den Ort zu tragen.
Der Zusammenhang mit dem Abschied vom Winter wird bei einem Abstecher nach Thüringen deutlich: Am Sonntag „Laetare" wird in Eisenach der „Sommergewinn" gefeiert. Dieser Brauch wurde auch in der DDR-Ära gepflegt. Im Festzug ziehen Herr Winter und Frau Sonne vor geschmückten Häusern. Am Palmsonntag wird in den kath. Kirchen letztmals eine Krippendarstellung gezeigt: Einzug Jesu in Jerusalem. Am Gründonnerstag sind traditionell besondere Speisen mit „Grünzeug" der Brauch. Ab Karfreitag verstummen an katholischen Kirchen die Glocken. Sie werden durch hölzerne Ratschen, von Kindern betätigte Lärminstrumente, ersetzt. In Bamberg werden in den Kirchen „Heilige Gräber" gezeigt, das sind Darstellungen des Leichnams Christi im Grab. In Mistelfeld (heute Stadtteil von Lichtenfels) wird vor der Kirche „Judas verbrannt". Auch Osterbrunnen kamen zur Geltung. Frau Radunz erwähnte den Ursprung, nämlich die besondere Verehrung dieses Lebenselements im wasserarmen Fränkischen Jura.
Natürlich gibt es auch in Franken Ostereier. Besonders die Paten der Kinder sind hier gefordert. Die ehem. Porzellanfabrik Schney stellte Patenteller und -becher her. Mit dem „Weißen Sonntag" endet der Osterfestkreis. Traditionell empfingen die jungen Katholiken hier die erste Hl. Kommunion.
Feierlich ziehen die kerzentragenden Kinder mit ihren Angehörigen in die Kirche ein.
Reicher Beifall lohnte die Vortragenden. Wolfgang Süße dankte nochmals im Namen aller Zuhörer.
-hdb-