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“Palais Edinburgh” - ab 1846; wesentliche Änderungen 1866 durch Georg Konrad Rothbart, der Flügelanbau im Hintergrund 1881 Hans Rothbart

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Wappen von Alfred, Herzog von Edinburgh - weitgehend identisch mit dem damaligen Wappen des britischen Königshauses, damals noch mit Herzschild - Sächsischer Rautenkranz. Zur Differenzierung dient der dreifache Turnierkragen, der auf dem Hauptschild sowie jeweils auf den Schildhaltern, dem englischen Löwen links (heraldisch: rechts) sowie dem Schottland symbolsisierenden, nun ja, eigentlich Einhorn. .

    Kleines Rätsel: der rechte (heraldisch linke) Schildträger müsste eigentlich ein Einhorn sein - so ist es jedenfalls auf orginalen Abbildungen zu sehen. Wo ist das Horn geblieben? Für Einhorn spricht auch die Kette, mit der es gefesselt ist, weil das Einhorn als wildes und gefährliches Wesen galt.

    Es ist nicht nur das fehlende Horn. In den meisten Abbildungen des mythologischen wie des heraldischen Einhorn ist nämlich kein Pferdekörper zu sehen, sondern ein Paarhufer. Die Hufe sind gespalten wie bei einer Ziege und dies wird deutlich, nahezu überdeutlich zur Schau gestellt. Ich beziehe mich hier auf die Abbildungen in den “WIKIPEDIA”-Artikeln über Queen Victoria.

    “Meinstu das Einhorn werde dir dienen
    und bleiben an deiner krippen,
    Kanstu im dein joch anknüpffen die furchen zu machen
    das es hinder dir broche in gründen?

    Magstu dich auff es verlassen
    das es so starck ist?
    und wirst es dir lassen erbeiten?

    Magstu im trawen das es deienen samen dir widerbringe
    und in deine Scheune samle?

    Luther-Bibel, Hiob 39, 9 - 12 - Text nach Ausg. Rogner&Bernhard 1972

    Dieses Einhorn wird später mit “Büffel, Wildstier” usw. übersetzt. Dieser Text steht in einem Zusammenhang, wo der Herr den Hiob die begrenzte Macht und Erkenntnisfähigkeit über die Schöpfung, die Naturgewalten und das Tierreich aufzeigt. Das “Einhorn” - oder der “Wildstier” ist hier Symbol für die Unzähmbarkeit eines Lebewesens für den Menschen. Diese Lebewesen haben somit keinen unmittelbaren Nutzen und sind doch gewollter und notwendiger Teil der Schöpfung. Das Einhorn galt als wild und gefährlich (daher auf den britischen Wappenbildern in Ketten!), sollte sich andrerseits von einer Jungfrau zähmen lassen. Bedeutende Künstler haben es dargestellt, der Kupferstecher “Meister E.S.”, Hans Holbein d. j. u. a.

    Das Einhorn ist wohl das bedeutsamste unter allen Fabelwesen. Auch ernstzunehmende Wissenschaftler vergangener Jahrhunderte glaubten  an dessen Existenz - z. B. Konrad Gesner (1516 - 1565) dieser immerhin mit einer gewissen Vorsicht und Einschränkung.
    Berichte bzw. Funde von Nashorn, Wildesel wurden hier verbunden, die meist dargestellte Horn-Form allerdings ist eindeutig als Stoßzahn eines Narwals zu identifizieren.

    Diesem Stoßzahn wurden magische Kräfte zugeschrieben, Schutz vor Giften, Allheimittel. Nicht zufällig oft ein “Markenzeichen” für eine Apotheke.

    Im britischen Königswappen erscheint erstmals unter James I aus dem Hause Stuart (1566 - 1625) das Einhorn als Schildhalter. Seither ständig mit Ausnahme der Regentschaft von Oliver Cromwell. Zuvor waren als Schildhalter außer dem Löwen (England) verschiedene Tiere oder Fabelwesen aufgetreten.

    Interessanter Vergleich: Wappen von Fürstbischof Friedrich August von York (1763 - 1827) an der bischöflichen Kanzlei zu Osnabrück. Auch hier scheint als optisch rechter Wappenträger ein Pferd zu agieren. Mir liegt nur ein Foto aus “WIKIPEDIA” vor, ganz vage könnte man im Hintergrund ein Einhorn erkennen. Das Gebäude war kriegszerstört, insbesondere ist das Wappen erneuert worden, so auf “WIKIPEDIA”. In diesem Fall ist auch der Bildhauer bekannt.  Die Hufe scheinen aber jedenfalls ungeteilt zu sein.

    Diese Frage wegen des Einhorns habe ich mehreren Experten für die Landesgeschichte vorgelegt, bisher ohne Ergebnis. Ein greifbares Ergebnis brachte auch nicht die Einsicht in die Akten des Staatsarchives Coburg.

    Das Pferd ist “halsbekrönt”, ein in der englischen Heraldik beliebte und verbreitetes Bild (Gert Oswalt: “Lexikon der Heraldik”, Regenstauf 2011). Diese Halskrone auf dem Pferd am Palais Edinburgh sieht aber eher wie ein Band, eine zusätzliche Kette aus, weil das Gebilde zu tief sitzt. In der Abbildung im “Lexikon der Heraldik” sieht dagegen dieses Gebilde tatsächlich wie eine Krone aus.

     

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